merken
PLUS Sachsen

Gilt bald eine Obergrenze für den Wolf in Sachsen?

Der richtige Umgang mit Wölfen erhitzt in Sachsen die Gemüter. Experten plädieren im Landtag für eine Obergrenze. Doch es gibt auch andere Stimmen.

Wölfe haben sich in Sachsen vermehrt. Landwirte fordern nun ein Gegensteuern.
Wölfe haben sich in Sachsen vermehrt. Landwirte fordern nun ein Gegensteuern. © Soeren Stache/dpa

In der Debatte um die Ausbreitung vom Wölfen in Sachsen mehren sich Forderungen nach einer Obergrenze für die geschützten Tiere. In einer Anhörung des Umweltausschusses des Landtages sprachen sich mehrere Experten für Reduzierung der Bestände aus. Der Berliner Zoologie-Professor Hans-Dieter Pfannenstiel brachte am Donnerstag Regelungen aus dem Baltikum als Vorbild ins Gespräch. Dort werden trotz des Schutzes Wölfe planmäßig gejagt. Pro Jahr wird eine zuvor festgelegte Zahl an Tieren erlegt.

Der Landwirt Jörg Naumann zog einen Vergleich zu Füchsen. Durch Bejagung hätten sich die Verluste an Nutztieren drastisch reduziert. Im vergangenen Jahr habe es in seinen Beständen keinen einzigen Fall mehr gegeben, bei dem ein Fuchs ein anderes Tier getötet habe. Der Population des mit dem Wolf verwandten Raubtieres schade das nicht, betonte Naumann, der im Landwirtschaftsverein „Land schafft Verbindung“ aktiv ist.

Anzeige
Jetzt Studienplatz sichern!
Jetzt Studienplatz sichern!

Die beste Zeit für Studieninteressierte sich einen Studienplatz an der Hochschule Zittau/Görlitz zu sichern ist jetzt!

Zudem führte er ein psychologisches Argument an. Er schilderte Eindrücke von Landwirten, wenn sie gerissene Schafe sehen. „Diese Bilder bleiben immer im Kopf haften.“ Naumann sagte, der Wolf gehöre zur Natur. Allerdings müsse es möglich sein, Gefahren durch das Tier frühzeitig einzugrenzen.

28 Wolfsrudel in Sachsen

Norman Härtner vom sächsischen Jagdverein wies darauf hin, dass sich die Wolfspopulation alle drei bis vier Jahre verdopple. Nutztierhalter hätten das Gefühl, in Gesellschaft und Politik nicht mehr gehört zu werden. Derzeit leben 28 Wolfsrudel im Freistaat. Schätzungen zufolge fressen sie pro Jahr 238.000 Kilogramm Wildfleisch. „Wegen uns wird der Wolf nicht zum Vegetarier“, sagte Regina Walther vom sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband. In der Anhörung wurde eine Obergrenze von zwölf bis 14 Rudeln – sprich die Halbierung des sächsischen Bestandes – in die Debatte gebracht.

Tatsächlich ist die Zahl der Wölfe sowie die der gerissenen Tiere über die Jahre angewachsen. Zuletzt verzeichneten Experten bei den Schäden aber eine Stagnation. In den ersten fünf Monaten des Jahres gab es sogar einen Rückgang. Matthias Rau von der Fachstelle Wolf beim Landesumweltamt führte das auf die 100-Prozent-Förderung von Schutzmaßnahmen zurück, die seit 2019 gilt.

Kenia-Koalition drängt auf Unterstützung von Weidetierhaltern

Ilka Reinhardt vom Wolfsforschungsinstitut Lupus warnte davor, sich nur auf den Wolfsbestand zu konzentrieren:„Nur an der Zahl kann es nicht liegen.“ In Sachsen seien für das vorvergangenen Jahr 135 Schafsrisse dokumentiert, für Schleswig-Holstein 136. Doch in Sachsen gebe es deutlich mehr Wölfe und weniger Schafe. Ähnliche Daten lägen aus Ländervergleichen vor. Reinhardt plädierte für den umfassenden Schutz von Herden. Der lässt sich jedoch nach Meinung von Landwirten nicht völlig herstellen.

Weiterführende Artikel

War der Wolf in Struppen?

War der Wolf in Struppen?

Ein Jäger wollte einen Film über Wildschweine drehen und entdeckte etwas ganz anderes. Die Fachleute sind vorsichtig mit einer Bestätigung.

Dreibeiniger Wolf: Bautzens Landrat fordert Abschuss

Dreibeiniger Wolf: Bautzens Landrat fordert Abschuss

Nachdem ein verstümmelter Wolf im Heideland gesichtet wurde, fordert Michael Harig nun dessen Abschuss - und übt scharfe Kritik an der Fachstelle Wolf.

"Der Wolf ist nicht unser Hauptproblem"

"Der Wolf ist nicht unser Hauptproblem"

Das ist die afrikanische Schweinepest. Und dabei wurden Fehler gemacht, sagt Mathias Kappler aus Hainewalde. Der neue Chef des Kreisjagdverbandes will einiges ändern.

Wieder Wölfe in Dresden gesichtet

Wieder Wölfe in Dresden gesichtet

In der Heide sind die Wölfe unterwegs. Immer wieder kommt es auch zu Rissen von Schafen und anderen Tieren. Doch manchmal ist der Wolf auch unschuldig.

Im Landtag liegen mehrere Anträge zum Thema Wolf vor. Die AfD, die den jetzigen Schutz des Raubtieres schon lange mit Skepsis sieht, plädiert für die Regulierung des Bestandes unter anderem durch die sogenannte Schutzjagd nach skandinavischem Vorbild. Die Kenia-Koalitionsfraktionen drängen auf die weitere Unterstützung für Weidetierhaltern.

Mehr zum Thema Sachsen