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Wolfrisse: Tierzüchter in Sorge

Nach dem jüngsten Vorfall in Malschwitz sieht ein Züchter seltener Mini-Rinder seine Kälber in Gefahr. Die Fachstelle Wolf bewertet die Lage anders.

Gerade einmal 85 Zentimeter hoch sind die Mini-Rinder, die Günter Sodan in Kleinbautzen züchtet. Ihre Kälber stehen auf dem Speiseplan des Wolfes.
Gerade einmal 85 Zentimeter hoch sind die Mini-Rinder, die Günter Sodan in Kleinbautzen züchtet. Ihre Kälber stehen auf dem Speiseplan des Wolfes. © SZ/Uwe Soeder

Malschwitz. Als Günter Sodan zum Telefon greift, ist er hörbar aufgebracht. Fünf Schafe, meldet der Jäger, seien bei seinem Nachbarn in Kleinbautzen von Wölfen gerissen worden. Eines von ihnen sei mit Ausnahme von Kopf und Pansen vollständig aufgefressen worden. Eine Rissbesichtigung brachte Klarheit: Die Fachstelle Wolf bestätigte den Wolfsangriff.

Die betroffene Weide befindet sich 300 Meter Luftlinie von Günter Sodans Ranch entfernt. Dort züchtet er Pferde und seltene Dahomey-Rinder. Ausgewachsen erreichen die Mini-Kühe eine Schulterhöhe von etwa 85 Zentimetern. Um sie macht Sodan sich weniger Sorgen. Ihn treibt die Angst um die Kälber um.

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Die Kälber der Damlomey-Rinder sind kaum größer als ein mittelgroßer Hund - und damit leichte Beute für den Wolf.
Die Kälber der Damlomey-Rinder sind kaum größer als ein mittelgroßer Hund - und damit leichte Beute für den Wolf. © SZ/Uwe Soeder

Junge Dahomey-Rinder haben die Höhe eines mittelgroßen Hundes – und stehen deshalb auf dem Speiseplan der Wölfe. Sodan selbst hat das erlebt: "Ich habe ein Kalb verloren. Es war keine drei Stunden alt. Als ich zur Rissstelle kam, war der Wolf noch da." Er zeigt auf dem Smartphone das Ergebnis des Angriffs: Wo Bauch und Brustkorb des Kälbchens waren, klafft ein blutiges Loch. "Wenn du früh auf die Weide kommst und alles liegt zerrissen da, das ist grausam", sagt er.

Zwar könnten Mini-Rinder, anders als Schafe und Ziegen, den Wolf mit Tritten abwehren, aber durch die Unruhe, die ein Wolfsangriff in eine Herde bringe, entstünden Gefahren. Sodan: "Im Tumult können die Tiere durchbrechen und auf die Straße rennen. Wer die Konsequenzen trägt, wenn ein Unfall passiert, interessiert niemanden."

Die Lernfähigkeit der Wölfe nutzen

Ein Schutzzaun von 1,50 Meter Höhe umspannt Sodans Weide. Doch daran, dass er den Wolf im Ernstfall abwehrt, zweifelt er. "Je höher wir die Messlatte legen, desto höher springt der Wolf", sagt Sodan resigniert. Das bestätigt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Dort nimmt man an, dass es "einen Lerneffekt beim Überwinden von Festzäunen ohne Strom gibt". Einen anderen Lerneffekt könnten sich Tierhalter aber zunutze machen: Durch den Schmerz, den Wölfe beim Überwinden von Stromzäunen verspüren, steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich künftig von diesen fernhalten, heißt es vom Landesamt.

Bei allen Bedenken will Günter Sodan nicht als Wolfsgegner verstanden werden: "Ich habe nichts gegen den Wolf. Aber ich bin dagegen, dass er sich unkontrolliert vermehrt. Das lassen wir bei keinem anderen Wildtier zu." Er befürchtet, dass Übergriffe auf Nutztiere in der Region weiter zunehmen. "Wir sind im Zentrum des Wolfsgebietes. Der Wolf ist vor den Toren Bautzens heimisch."

Diesen Befürchtungen stimmt Vanessa Ludwig, Sprecherin der Fachstelle Wolf, nicht zu: "Tatsächlich ist der Landkreis Bautzen im laufenden Jahr seltener betroffen, als dies in den letzten Jahren der Fall war." Zwölf Risse habe es hier seit Beginn dieses Jahres gegeben – im Vergleichszeitraum des Vorjahres wurden dem Wolf 28 Nutztierrisse zugeschrieben. Die meisten Übergriffe habe es in diesem Jahr bei Arnsdorf und Radeberg gegeben, weitere in der Gemeinde Haselbachtal.

Deutschlandweit 1.000 Wölfe angestrebt

Dezimiert werde die Population vor allem durch natürliche Faktoren wie Verkehrsunfälle oder Krankheiten. Beim Wolf handele es sich um eine streng geschützte Art, für die es gelte, eine stabile Population von deutschlandweit mindestens 1.000 Tieren anzustreben. Dennoch bestünden durchaus Möglichkeiten, "in Einzelfällen in den Bestand einzugreifen und einzelne Wölfe oder Rudel zu entnehmen", erklärt Vanessa Ludwig.

Rolf Kubenz, Regionalkoordinator der Grünen Liga in der Oberlausitz, attestiert: "Es gibt eine ewige Diskussion zwischen Naturschützern und Tierhaltern. Aber es ist ganz klar so, dass der Schutz des Wolfes deutschlandweit gewollt ist. Ob sich das ändert, ist eine gänzlich politische Entscheidung."

Jäger und Tierzüchter Günter Sodan: "Wenn du früh auf die Weide kommst und alles liegt zerrissen da, das ist grausam."
Jäger und Tierzüchter Günter Sodan: "Wenn du früh auf die Weide kommst und alles liegt zerrissen da, das ist grausam." © SZ/Uwe Soeder

Ungeachtet dessen könnten sich Diskussionen über den Artenschutz in der kommenden Zeit häufen. Denn in Spätsommer und Herbst nehmen Wolfsangriffe auf Nutztiere zu. Vanessa Ludwig erklärt: "Das hängt mit einem erhöhten Nahrungsbedarf der schon fast erwachsenen Wolfswelpen zusammen. Zum anderen sind Kitze, Hirschkälber und Frischlinge im Herbst schon zu reaktionsschnellen Wildtieren herangewachsen."

Statt auf einen Elektrozaun setzt Günter Sodan eher auf tierischen Schutz für seine Mini-Rinder: "Ich halte die Rinder mit den Pferden zusammen. Wenn die ausschlagen, zielen sie auch beim Wolf immer zielgerichtet auf die Zwölf."

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