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Europäischer Gerichtshof will Wölfe besser schützen

Beim Wolf scheiden sich die Geister. Die einen halten eine Jagd auf das Raubtier für nötig, die anderen verweisen auf den sehr hohen Schutz. Ein Urteil bringt neuen Stoff für die Debatte.

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Wölfe schützen oder "Problemwölfe" schneller töten - dazu gibt es sicherlich noch häufig Diskussionen.
Wölfe schützen oder "Problemwölfe" schneller töten - dazu gibt es sicherlich noch häufig Diskussionen. © dpa

Innsbruck/Luxemburg. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag neue Grundsätze für den Abschuss von Wölfen festgelegt. Demnach dürfen die Tiere nur im absoluten Ausnahmefall abgeschossen werden, wirtschaftliche Gründe allein reichen dafür nicht immer aus.

Das Gericht urteilte im Fall eines sogenannten Schadwolfs, der im Bundesland Tirol in Österreich rund 20 Schafe gerissen haben soll und zum Abschuss freigegeben worden war. Damit erfährt der in Österreich seit rund zwei Jahren praktizierte Abschuss bestimmter Wölfe heftigen juristischen Gegenwind. Der EuGH erklärte in dem Urteil, das Wolfsjagdverbot sei auch in Österreich gültig.

"Eine Ausnahme von diesem Verbot zur Vermeidung wirtschaftlicher Schäden kann nur gewährt werden, wenn sich die Wolfspopulation in einem günstigen Erhaltungszustand befindet, was in Österreich nicht der Fall ist", erklärte das Gericht in Luxemburg. Der Wolf sei - unbeschadet von Ausnahmeregelungen in anderen Ländern - durch die Flora-Fauna-Habitat- Richtlinie (FFH) streng geschützt.

Experte: Folgen für ganz Europa

Das Urteil hat nach Auffassung des Juristen Jochen Schumacher vom Institut für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen über Österreich hinausgehende Folgen. Es habe Auswirkungen auf alle EU-Mitgliedsstaaten, sagte er.

Die Hürden für einen Abschuss seien noch einmal präzisiert worden. In Österreich müsse nun für jede einzelne Alm vor Ort geprüft werden, ob ein Schutz zum Beispiel durch Hirten oder Zäune möglich sei. "Die derzeitige Praxis, anhand von Kriterien pauschal die Almen als nicht schützbar einzustufen, ist mit der FFH-Richtlinie jedenfalls nicht vereinbar", sagte Schumacher.

In Sachsen hält man sich mit Reaktionen bedeckt. „Das Urteil ist ganz frisch. Insoweit ist zunächst seitens des Bundes zu prüfen, wie es sich auf den bundesrechtlichen Rahmen und die Rechtsauslegung auswirkt. Zudem muss in einem weiteren Schritt geprüft werden, welche Konsequenzen sich mittelbar auch für das sächsische Wolfsmanagement ergeben", sagt Burkhard Beyer, Referent im Landwirtschaftsministerium Sachsen (SMEKUL).

Reaktion in Tirol: keine unmittelbare Auswirkung

In einer ersten Reaktion erklärte der Tiroler Landesagrarminister Josef Geisler (ÖVP), dass der Richterspruch keine unmittelbaren Auswirkungen habe, er bringe "aber leider auch keine Erleichterungen". Die Abschussverordnungen hätten sich bewährt. "Unter Anlegung eines strengen Prüfmaßstabes können wir weiterhin Schad- und Risikowölfe entnehmen." Die Verordnungen seien Einzelfallentscheidungen, die auch die Besonderheiten der Almwirtschaft berücksichtigten.

Nach einer Übersicht des Österreichzentrums Bär, Wolf Luchs sind seit dem vergangenen Jahr in der Alpenrepublik insgesamt 20 Schad- und Risikowölfe geschossen worden. Bei den Schadwölfen handelt es sich um Tiere, die zuvor meist Schafe gerissen hatten. Ein Risikowolf ist ein Tier, das sich menschlichen Siedlungen nähert und sich nicht vergrämen lässt.

Im vergangenen Jahr sind dem Zentrum zufolge 104 Wölfe in Österreich nachgewiesen worden. Die meisten davon waren Wanderwölfe, die nicht dauerhaft in Österreich jagen.

Die Entscheidung verdeutlicht aus Sicht des Landes Tirol, dass es bei der FFH-Richtlinie großen Änderungsbedarf gibt. "Wir fordern die EU-Kommission und das Europäische Parlament auf, den Schutzstatus zu senken und erwarten uns hier mehr Tempo. Der Wolf ist nicht vom Aussterben bedroht und gehört reguliert wie jedes andere Wildtier auch", sagte Geisler. (dpa mit imh)