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Zwei Wölfe - mitten im Dorf

Eigentlich wollte Andreas Hentzschel in Zschauitz nur auf Waschbärenfang gehen. Dann liefen ihm jedoch weitaus größere Tiere vor die Kamera.

Eigentlich wollte Andreas Hentzschel nur wieder einmal auf Waschbärenfang gehen. In der Nacht zum vergangenen Sonntag kamen dem Zschauitzer dann aber zwei andere Tiere vor die Wildkamera.
Eigentlich wollte Andreas Hentzschel nur wieder einmal auf Waschbärenfang gehen. In der Nacht zum vergangenen Sonntag kamen dem Zschauitzer dann aber zwei andere Tiere vor die Wildkamera. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Nein, damit hätte er nicht gerechnet. Auch wenn der Großenhainer Ortsteil Zschauitz bereits im Oktober vor zwei Jahren schon einmal von ihnen besucht worden ist. Aber dass er die tierischen Gäste tatsächlich selbst mit seiner Wildkamera einfangen würde, habe er keinesfalls geahnt.

Dabei ist Andreas Hentzschel inzwischen durchaus versiert, was die Beobachtung all jener angeht, die in der Nacht zuweilen auf leisen Pfoten um die Häuser schleichen. Spätestens nachdem der 61-Jährige einen Waschbären im eigenen Hühnerstall auf frischer Tat beim Festgelage ertappte, ist er wachsam. "Es darf sich nun niemand einbilden, dass ich mich selbst auf die Lauer lege! Aber ich habe mir eben diese Kamera gekauft, mit der es möglich ist, am Tag und in der Nacht Tiere bis auf zehn Meter Entfernung festzuhalten", erklärt Andreas Hentzschel. 

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Der Mann, welcher sonst damit beschäftigt ist, in der gleichnamigen Tankstelle gemeinsam mit seinem Bruder Gert zu werkeln, hatte die technische Komplizin auch am vergangenen Wochenende wieder installiert. Zu viele Waschbären hätten sich in den letzten Monaten wieder auf seinem Grundstück in der Nähe des Hopfenbachs getummelt. Richtig Ärger bereiteten sie zwar momentan nicht. Aber in einer Kastenfalle gefangen, würde er sie dann doch lieber dem zuständigen Jagdpächter übergeben, als sie in der Nähe des dicht besiedelten Dorfes zu wissen. 

Zuweilen fellige Plagegeister, die es auf Speisereste, im Garten angebautes Gemüse oder den Inhalt einer Mülltonne abgesehen haben, die am Sonntag schließlich das kleinere vierbeinige Übel sein sollten. "Als ich mir am Vormittag die Aufnahmen der Kamera anschaute, wollte ich zunächst meinen Augen kaum trauen! Doch um 6.31 Uhr spazierten da auf der Wiese zwei ausgewachsene Wölfe umher", erzählt Andreas Hentzschel lachend und schüttelt noch immer verwundert den Kopf. 

Gut zehn Minuten lang - die Aufnahmen liegen auch der Sächsischen Zeitung vor - laufen die stattlichen Tiere herum, inspizieren die Umgebung und machen unter den alten großen Bäumen halt, wo gewöhnlich auch Ziegen weiden. Nach einer ganzen Weile, in der sie wohl erkannt haben, dass es zumindest an dieser Stelle nichts zu holen gibt, was ihnen als Frühstück an diesem Morgen bekömmlich erscheinen könnte, schlendern sie scheinbar ruhig von dannen.      

Ein beeindruckendes Bild: Zwei Wölfe spazieren am frühen Sonntagmorgen auf einer Wiese im Großenhainer Ortsteil Zschauitz.
Ein beeindruckendes Bild: Zwei Wölfe spazieren am frühen Sonntagmorgen auf einer Wiese im Großenhainer Ortsteil Zschauitz. © Foto: privat

Ein Erlebnis mit Seltenheitswert, das für Vanessa Ludwig wiederum so ungewöhnlich gar nicht ist. Wie die namhafte Expertin von der zuständigen Fachstelle des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Nossen betont, wären Wölfe durchaus bekannt dafür, auch mal am Rande oder gar direkt in Ortschaften gesehen zu werden.

 Nicht nur im Schutz der Nacht seien sie aktiv, sondern würden gerade in der dunkleren Jahreszeit, dann, wenn es erst später richtig hell wird, in der Nähe von Menschen durchziehen. Sie um zehn oder um 11 Uhr zu sehen, wäre absolut möglich. "Sie haben keine Scheu, denn sie betrachten die Umgebung gewissermaßen als ihr Territorium", weiß Vanessa Ludwig. 

Dass zwei Exemplare in Zschauitz gesichtet worden sind, lasse für sie darauf schließen, die beiden könnten aus dem Raschützer Rudel stammen. Angst, ihnen zu begegnen - zum Zeitpunkt der Aufnahme durch die Wildkamera begeben sich bereits viele Leute auf den Weg zur Arbeit oder Kinder in die Schule - müsse man indes nicht haben.

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