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Tierparkchef macht zunächst weiter

Heiko Drechsler will den Winter ohne Förderung durchstehen und im März weitersehen.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Der Herbst meint es nicht gut mit Meißens Tierparkchef Heiko Drechsler. Erst verweigern ihm die Stadträte weitere Fördermittel, um seine drei Tierpfleger bezahlen zu können. Jetzt vermiesen Regen und kühle Temperaturen das Feriengeschäft. Trotzdem will der Dresdner durchhalten. „14 Jahre Arbeit haben meine ganze Familie und ich in die Anlage gesteckt. Das wirft man nicht so einfach weg“, sagt er.

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Für die nächsten Monate hat er deshalb einen Notfallplan entwickelt, wie es zunächst ohne seine Helfer weitergehen könnte. Ab Dezember so Drechsler werde er den Tierpark für die Winterzeit schließen. Er komme dann nur zum Füttern für ein paar Stunden nach Meißen und um abends die Tiere in ihren Ställen einzusperren.

Spielt das Wetter mit, würde er gern im März wieder öffnen. Dann müsse sich zeigen, ob die Einnahmen ausreichten, den Betrieb weiterzuführen. Als Ein-Mann-Unternehmen sei dies allerdings nicht zu schaffen. Wer ihn künftig unterstützen könne, wisse er noch nicht, so Drechsler. Auf das Wochenende, Feiertage und die Ferien verkürzte Öffnungszeiten sind eine mögliche Konsequenz. Im schlimmsten Fall müsse er sich Ende nächsten Jahres ganz aus Meißen zurückziehen. Zuvor sollte jedoch geklärt werden, wie ihn die Stadt für die Arbeitsstunden, Material und sonstige Investitionen in den Ausbau des Tierparks entschädige, so Drechsler.

Unter den Stadträten gehen die Ansichten über die Zukunft der Anlage auseinander. „Mangels konkreter gegenteiliger Anhaltspunkte gehe ich davon aus, dass beide Seiten ihre vertraglichen Pflichten bis zum Ablauf der Vertragslaufzeit erfüllen werden“, sagt der Vorsitzende der ULM-Fraktion Wolfgang Tücks. Für einen Anspruch auf eine Art Auslöse, wie von Heiko Drechsler gefordert, sehe er keine Grundlage. Grundsätzlich gebe es durchaus alternative Betreibermodelle, die für Meißen in Betracht gezogen werden könnten, so Tücks auf Anfrage der SZ.

Politik spielt keine Rolle

Linken-Fraktionschef Ullrich Baudis hegt bei diesem Punkt Zweifel. „Uns gehört von den Tieren in Siebeneichen kein einziges“, sagt der Kommunalpolitiker. Es sei ja nicht so, dass die Stadt nur mit den Fingern schnipsen müsse, schon stünden Betreiber mit Affen, Kängurus und Papageien Schlange. „Heiko Drechsler ist ein Tiernarr, der unglaublich viel in dem Gelände geleistet hat“, sagt Baudis. Seine politischen Ansichten spielten hierbei keine Rolle. Mit diesen Worten geht der Linken-Fraktionschef auf eine umstrittene Aktion des Dresdners kurz vor der Bundestagswahl ein. Drechsler hatte AfD-Wahlplakate an seinem Kassenhäuschen aufgehängt. Auf eine Vorladung der Stadträte reagierte er nicht. Diese beschlossen daraufhin, nicht nochmals für zwei Jahre 60 000 Euro an Fördermitteln zu bewilligen. Umgekehrt zeigten sich zahlreiche Besucher mit dem Tierpark solidarisch und spendeten, teils auch höhere Beträge, um sein Überleben zu sichern.

Er sei dafür, nochmals das Gespräch zu suchen, so Ullrich Baudis. Zuschüsse könne es allerdings nur geben, wenn im Jahresrhythmus ordentlich über Einnahmen und Ausgaben abgerechnet werde.

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Versöhnliche Töne kommen auch aus dem Rathaus. Über Zukunftskonzepte für den Tierpark sollte nicht nur innerhalb der Verwaltung, sondern selbstverständlich auch gemeinsam mit Heiko Drechsler beraten und zu einer Entscheidung gefunden werden, teilte Sprecherin Katharina Reso auf SZ-Nachfrage mit. Solange keine neuen vertraglichen Vereinbarungen geschlossen wurden, gelten ihren Angaben zufolge die im bisherigen Vertrag festgehaltenen Regeln.