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Tierplage mitten in der Stadt

Waschbären haben in Großenhain zwei Schildkröten verschleppt. Das ist nicht der einzige Schaden.

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© Claudia Hübschmann

Von Peter Redlich und Kathrin Krüger-Mlaouhia

Kerstin Naumann vom Neuen Weg in Großenhain-Großraschütz kam aus dem Urlaub zurück – da waren Tim und Toni verschwunden. Die beiden griechischen Landschildkröten, neun und zehn Jahre alt, wurden vermutlich von einem Waschbär aus ihrem Freigehege verschleppt. „Es waren Spuren von einem fremden Tier sichtbar“, berichtet Kerstin Naumann. „Es hat einiges aufgewühlt, umgestürzt und Kot hinterlassen.“ Die Naumanns hoffen, dass ihre beiden Lieblinge noch am Leben sind. „Vermutlich hat das Tier sie fallengelassen“, meint Kerstin Naumann und wartet dringend auf Hinweise von Anwohnern.

Schildkröten: Zwei Tiere wurden jetzt in Großenhain-Großraschütz verschleppt.
Schildkröten: Zwei Tiere wurden jetzt in Großenhain-Großraschütz verschleppt.
Füchse: Die Radebeuler Jagdpächter haben in diesem Jahr 24 tote Tiere registriert.
Füchse: Die Radebeuler Jagdpächter haben in diesem Jahr 24 tote Tiere registriert. © Robert Michael
Rehe und Rehböcke: 12 Rehe wurden bisher in Radebeul erlegt oder tot gefunden.
Rehe und Rehböcke: 12 Rehe wurden bisher in Radebeul erlegt oder tot gefunden. © André Schulze
Marderhunde: Ihre Zahl nimmt zu, die Tiere sind wehrhafter als Waschbären.
Marderhunde: Ihre Zahl nimmt zu, die Tiere sind wehrhafter als Waschbären. © Marko Förster

Waschbären, aber auch andere Wildtiere, haben sich durch die milden Winter und reichliches Nahrungsangebot beinahe explosionsartig vermehrt – auch in den Städten. In Großenhain-Zschieschen werden sie oft gesichtet sowie an der Radeburger Straße, vor allem an der Röder. Auch in den Ortsteilen lassen sich die Tiere blicken, heißt es aus dem Rathaus. „Ich habe gerade eine meiner Lebendfallen an die Radeburger Straße ausgeliehen“, meint Jäger Jörg Köhler. So kommen dann gefangene Tiere zu ihm. Betroffene können auf diese Weise sicherstellen, dass die Waschbären artgerecht mit Fangschuss getötet werden. Anlocken kann man Waschbären mit einem Hühnerbein als Köder, mit Fischresten oder Nutella-Brötchen.

Dass diese Räuber immer mehr zur Landplage werden, zeigt auch die Statistik der Unteren Jagdbehörde. Wurden 2013 1050 Waschbären von Jägern im Landkreis geschossen, waren es 2014 schon 1230. Für 2014 ist die Zahl ähnlich hoch, weiß Jörg Köhler. Die Waschbären wildern in Brutvogelnestern, vor allem aber verursachen sie nächtlichen Lärm in alten Schuppen etc., in denen sie Unterschlupf suchen. Jörg Köhler vertritt die Meinung, dass sich die Waschbären-Population nicht von selbst einregelt. Hinzu käme noch ein weiterer Unruhestifter: der Marderhund. Er ist größer als Marder und Waschbär und wehrhafter. Von Norden her zu uns eingewandert, mache er seit zwei, drei Jahren in Großenhain und Umgebung Schäden an Gelegen von Niederwild wie Hasen. „Ich habe schon zwei Marderhunde in Großraschütz geschossen“, sagt Jäger Jörg Köhler.

So putzig die Rehe im Stadtpark Großenhain auch sind: Auch sie machen Schaden. Sie fressen Jungbäume ein. Großenhain ist mit diesem Problem nicht allein. Selbst Radebeul ist ein stark vom Wild heimgesuchtes Gebiet an den Hängen zwischen dem Goldenen Wagen um die Spitzhaustreppe und dem Weingut Drei Herren. Allein in dieser Gegend wurden in diesem Jahr bisher sieben Rehe geschossen und eins tot aufgefunden.

Die toten Waschbären kommen übrigens zur Tierverwertung nach Lenz. Auch ein Falkner nutzt das Fleisch. Sogar nach Bayern hat der Moritzburger Jäger Bodo Pietsch schon fünf Waschbären geschickt. Die werden dort präpariert als Anschauungsstücke für die Jäger, weil die Waschbärenplage in Bayern noch nicht eingetreten ist, so Pietsch. Dort, wo Waschbären auftauchen, ist deutlich zu bemerken, dass die Zahl der Singvögel und Enten abnimmt. Etwa am Elbufer. Ideale Vermehrungsplätze seien vermüllte, unaufgeräumte Gärten und Grundstücke. Dass sich die Tiere auch hier nicht nur gelegentlich aufhalten, zeigt die Beobachtung von Anwohnern. In den jetzigen lauen Sommernächten huscht der Waschbär schon zwischen Radebeuler Elbufer und den nahen Anger-Gaststätten in Altkötzschenbroda hin und her.