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Tierschützer schlagen Alarm

In Doberschwitz sterben weiter massenhaft Hühner. Das behauptet der BUND. Alles normal, sagen Züchter und Amt. Was ist normal?

Von Heike Stumpf

Das große, hitzebedingte Tiersterben in der Geflügelzuchtanlage in Doberschwitz soll kein Einzelfall gewesen sein. „Das massenhafte Tiersterben geht weiter“, sagt Wolfgang Riether, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Sachsen. Das schlussfolgert er aus akribischen Notizen von Anwohnern und Vereinsmitgliedern. Sie haben gezählt, wie viele Mülltonnen mit Tierkadavern die SFG Sächsische Farmbetriebe GmbH als Betreiber und Eigentümer des Zuchtbetriebes regelmäßig vor die Firmentore stellt. Riethers Hochrechnungen lassen ihn Alarm schlagen: „Das ergibt ohne Havarien immer noch Todeszahlen von rund 20.000 Tieren im Jahr.“

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SFG-Geschäftsführer Georg von Bitter räumt ein, dass es im Sommer bei mehr als 39 Grad Celsius zu einem Tiersterben in dem Zuchtbetrieb gekommen ist. Wie viele Tiere Opfer der Hitze geworden sind, sagt er nicht. Er spricht lediglich von einer „hohen Anzahl toter Tiere“, beziffert die aber auch auf Anfrage nicht näher. Überhaupt hätten tierhaltende Landwirtschaftsbetriebe in ganz Deutschland mit dem Wetter zu kämpfen gehabt.

Die SFG zog Bitter zufolge daraus Konsequenzen: „Wir werden Vorkehrungen reffen und eine Sprühkühlungsanlage in den Stallungen installieren. Diese soll bei außergewöhnlich hohen Temperaturen für ein zusätzliche Kühlung sorgen.“

Zu einem ähnlichen Tiersterben ist es in Doberschwitz nach Angaben des Geschäftsführers weder vor noch nach der großen Hitze gekommen. Nach dem August sei die Sterblichkeit wieder deutlich gesunken und bewege sich im üblichen Rahmen.

Davon geht auch das Landratsamt Mittelsachsen aus. Bei dem hatte Georg von Bitter die hitzebedingten Probleme angezeigt. „Regelmäßig sind Mitarbeiter des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes in der Anlage“, bestätigt André Kaiser, der Sprecher des Amtes. Mängel seien nicht festgestellt worden – ebenso wenig wie eine zu hohe Tiersterblichkeit. Die vorliegenden Zahlen darüber seien bei einem so großen Bestand nicht ungewöhnlich. In Doberschwitz hält die SFG knapp 50.000 Hennen und Hühner. Was bei dieser Größenordnung als „normaler Verlust“ gilt, dazu machten weder die Behörde noch der Betreiber Angaben.

Aus der Zahl der Kadavertonnen auf die Zahl toter Tiere zu schließen, funktioniere dem SFG-Geschäftsführer zufolge auch nicht. Der BUND hat rund 20 Tonnen gezählt, nur zehn gibt es laut Georg von Bitter in Doberschwitz. Davon werden nur sechs Tonnen für Tierkadaver genutzt, die übrigen für Knick- und Brucheier. Auch diese hole das mit der Tierkörperbeseitigung beauftragte Unternehmen mit ab. Die Tonnen würden unabhängig davon, wie viel drin ist, bereitgestellt und gereinigt. Aus hygienischen Gründen dürfe dies nicht auf dem Firmengelände passieren.

Der BUND-Chef in Sachsen fordert vom Landratsamt Aufklärung, was das Tiersterben und auch die Haltungsbedingungen betrifft. Behördensprecher André Kaiser dazu: „Die Haltungsbedingungen entsprechen den vorgegebenen Regeln und Normen. Von Tierquälerei kann ausdrücklich keine Rede sein. Die toten Tiere wurden ordnungsgemäß in der Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt.“