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Til Schweiger ermittelt

Der Schauspieler wird neuer „Tatort“-Kommissar. Die Polizeigewerkschafthat allerdings Bedenken.

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Von Oliver Reinhard

Deutschlands Damenwelt dürfte aufseufzen – die Gerüchte sind als Wahrheit bestätigt: Til Schweiger wird ab September 2012 in Hamburg als neuer „Tatort“-Kommissar ermitteln. Das gab der Norddeutsche Rundfunk (NDR) gestern bekannt. Der 47-jährige Schauspieler, Produzent und Regisseur löst Mehmet Kurtulus ab, der keine Lust mehr hat auf seine Rolle als migrationshintergründiger Undercover-Cop Cenk Batu.

Zwar soll Schweiger im Gegensatz zu Kurtulus offen ermitteln, doch eint sie einiges: Beide sind auf die Rollen ansehnlicher und wohlgeschraubter Machos mit hartem Keks und weichem Kern abonniert und gelten als mediale Oberwomanizer. Da Schweiger vielleicht nicht der beste, gewiss aber einer der attraktivsten und obendrein der beliebteste deutsche Schauspieler ist, dürften nicht nur die Einschaltquoten in Wallung geraten.

Freilich gibt es auch Bedenken gegen die Entscheidung des NDR: Die Lautesten kommen von der Polizeigewerkschaft. Deren Vorsitzender Bernhard Witthaut ermahnte Schweiger vorsorglich, seiner Verantwortung als neuer „Tatort“- Kommissar gerecht zu werden. Witthauts Sorge rührt von einem Auftritt Schweigers her, der unlängst bei einer Preisverleihung auf der Bühne herzhaft herumlallte. Als Folge einer „verheerenden Kombination von Schmerzmitteln und Alkohol“, wie der Schauspieler hernach sagte. Als zukünftiger „Tatort“ Kommissar solle Schweiger „solche öffentlichen angetrunkenen Auftritte in Zukunft unterlassen oder, noch besser, schweigen“, wortwitzelt Witthaut.

Der Einspruch ist einigermaßen irritierend. Zum einen hat die Polizeigewerkschaft noch nie einen Komissardarsteller wegen mangelhaften Privatverhaltens gerügt. Zum anderen sind seit dem ranzigen Schimanski auch die Zeiten vorbei, in denen sie sich über angeblich rufschädigende Darstellungen von Ermittlern im TV mokierte. Dabei fänden sich Dutzende Anlässe: Gerade „Tatort“-Kommissare und -innen haben zum großen Teil weder Freunde noch ein Privatleben, sind Single oder gänzlich beziehungsunfähig, gerne auch traumatisiert oder/und depressiv und gastieren häufig beim Therapeuten. Kommissar Kloppi – ein Vorbild?

Jedenfalls haben Til Schweiger und der NDR ihre Chance verdient. Bestimmt ist der Neue künftig vorsichtiger in Sachen Pillen und Promille. Und vielleicht wird „sein“ Kommissar ja ausnahmsweise Freizeit und Freunde haben, Ehefrau oder -mann, Kinder oder Hund, Haus, Auto, Yacht, Bausparvertrag, kurzum: ein privatglücklicher Stino sein. Wie spannend. (mit dapd)