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Titans wollen Saison verlängern

Basketball-Coach Nenad Josipovic hat nach dem ersten Duell eine Brandrede in der Kabine gehalten. Ob die gefruchtet hat, zeigt sich am Sonntag.

© Ronald Bonß

Von Alexander Hiller

Der Mann wirkt knallhart und unterstreicht das mit einer bildhaften Selbstbeschreibung: „Als Trainer bin ich ein Tyrann“, sagt Nenad Josipovic. Wer den Kroaten einmal in einer Stress-Situation erlebt hat, nimmt ihm das sicherlich ab.

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Und so kann man sich lebhaft vorstellen, wie der ehrgeizige Basketball-Trainer der Dresden Titans am vorigen Wochenende förmlich aus seiner Haut gefahren ist, ja fahren musste. Denn seine Mannschaft startete im Achtelfinale der Play-off-Runde beim FC Schalke 04 zwar als Außenseiter, war im ersten von möglichen drei Duellen aber alles andere als chancenlos. Wenn nur die Einstellung aller Beteiligten hundertprozentig gestimmt hätte. Das war beim letztlich knappen 67:75 in Gelsenkirchen offenbar nicht der Fall – und blieb auch Geschäftsführer Jörn Müller nicht verborgen. „Nicht bei allen war zu erkennen, dass wir gewinnen wollen. Vielleicht hat da auch ein wenig der Glaube gefehlt“, sagt der 39-Jährige.

Wenn aber in einem Play-off-Spiel, in dem es letztlich um das Weiterkommen oder Ausscheiden geht, lediglich fünf von zehn eingesetzten Spielern Punkte beisteuern, „dann wird das auch im zweiten Spiel nicht reichen“, hadert Müller. „Deshalb hat mich die Vorstellung einiger Akteure sehr enttäuscht“, sagt er, ohne Namen zu nennen. Die kann man sich anhand der Statistik auch selbst zusammenreimen. Die internationalen Profis Larry Hall und El Hadji Malik Fall sowie Bryan Nießen blieben ohne Zähler. Verbal auf die Mannschaft einwirken musste Müller nach der Partie jedoch nicht. Das übernahm Josipovic. Ansonsten betretene Minen, gesenkte Häupter, Blicke, die Löcher in den Boden starren. Nur einer besitzt das Rederecht. „Jedes andere Geräusch außer der Stimme des Trainers hätte man wahrgenommen. Da bedurfte es keiner weiteren Worte von mir. Ich habe das Gefühl, dass die Botschaft angekommen ist“, unterstreicht Müller.

Mehr als 2 000 Fans erwartet

Das wäre auch nötig. Denn am Sonntag ab 16 Uhr in der Margon-Arena wollen die Sachsen mit dem Ausgleich in der Serie „best of three“ ein Entscheidungsspiel erzwingen. Das würde am Dienstag ab 20 Uhr wieder auf Schalke stattfinden. „Ich hatte Schalke spielerisch etwas stärker eingeschätzt, wenngleich sie gegen uns wohl nicht ihren besten Tag erwischt hatten“, sagt Jörn Müller.

Das kann freilich auch an der Dresdner Gegenwehr, also der beweglichen und aggressiven Defensiv-Strategie gelegen haben. „Ich halte uns spielerisch jedenfalls nicht für die schlechtere Mannschaft“, konstatiert der Geschäftsführer. Möglicherweise will auch keiner noch mal eine solche Brandrede von Nenad Josipovic hören wie in der Schalker Kabine. „Die Play-offs sind das, wofür man als Basketballer lebt“, bestätigt Kapitän Janek Schmidkunz.

Die Hausherren dürfen sich am Sonntag wohl auf eine lautstarke und vielstimmige Kulisse freuen, die vielleicht noch einige Prozentpunkte an Motivation freisetzen könnte. „Wir rechnen nach jetzigem Stand mit 2 000 und mehr Zuschauern“, sagt Müller.