merken

Tochter von Lohse gestorben

Maria Gundlach gehörte zu den Förderern der Carl-Lose-Galerie in Bischofswerda. Aufgewachsen ist sie an der Dresdner Straße.

© privat

Bischofswerda. Maria Gundlach, die ältere der beiden Töchter des Malers Carl Lohse und dessen Frau Johanna, ist tot. Sie starb am 1. März in Aalen, erfuhr die Interessengemeinschaft (IG) Carl Lohse in dieser Woche.

Anzeige
Symbolbild Anzeige

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Maria Lohse wurde 1928 in Hamburg geboren. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Gerda wuchs sie in Bischofswerda auf, wo die Eltern im Haus von Lohses Schwiegereltern Scheumann an der Dresdner Straße ab 1929 lebten und arbeiteten. Nach ihrer Heirat zog Maria Gundlach nach Aalen, Gerda Sieber nach Jena. Beide Schwestern pflegten das Erbe ihres Vaters und wurden zu den maßgeblichen und langjährigen Unterstützerinnen der Carl-Lohse-Galerie Bischofswerda.

Die Interessengemeinschaft würdigt das Wirken der beiden Frauen: „Mit Informationen, Schenkungen sowie ideellen Beiträgen machten sie das Vorhaben erst möglich. Vor fast 25 Jahren, im September 1993, eröffneten beide die von unserer IG begründete und aufgebaute Galerie. Der feierliche Augenblick des Banddurchschneidens ist im Film festgehalten. Wir werden das Andenken Maria Gundlachs und ihrer im Jahr 2016 verstorbenen Schwester in Ehren halten“, heißt es in einem Nachruf der IG.

Neben den beiden Schwestern waren es Bischofswerdaer Bürger, in der Mehrzahl Künstler, die sich zu Beginn der 90er-Jahre zur Interessengemeinschaft Carl Lohse zusammenfanden: die bereits verstorbenen Künstler Jens Hackel und Thomas Franz sowie der Bischofswerdaer Kunsterzieher und Künstler Bernd Warnatzsch, der Maler Falk Nützsche und dessen Frau Sigrun. „Die Interessengemeinschaft war immer eine Bürgerinitiative, nie ein eingetragener Verein“, sagt Falk Nützsche.

Bischofswerda in Dresdner Galerie

Der in Hamburg geborene Maler Carl Lohse (1895 bis 1965), der die meiste Zeit seines Lebens in Bischofswerda arbeitete, steht momentan deutschlandweit im Blickpunkt – dank einer bemerkenswerten Ausstellung, die die Dresdner Galerie Neue Meister im Albertinum zeigt. Zu sehen sind Bilder und Skulpturen aus allen Schaffensperioden des Künstlers, darunter viele Arbeiten, die in und um Bischofswerda entstanden sind. Auch das Gemälde „Die kleine Stadt“, das unverwechselbar Bischofswerda zeigt, wird ausgestellt. Einen Teil der Exponate stellten die Stadt Bischofswerda sowie das Bautzener Stadtmuseum, das ebenfalls einen reichen Lohse-Fundus besitzt, zur Verfügung. Gezeigt werden auch mehrere Bilder mit den markanten „Lohse-Köpfen“ – Porträts von Zeitgenossen des Künstlers, darunter des mit der Familie befreundeten Schriftstellers Ludwig Renn.

Aber auch ein Jungenbild fällt auf. Im Begleittext in der Ausstellung liest man darüber, dass Lohse um 1920 herum oft im Bischofswerdaer Armenhaus malte und der Junge möglicherweise aus diesem Haus stammen könnte. Zitiert wird in diesem Zusammenhang aber auch eine der beiden Lohse-Töchter. Sie konnte sich daran erinnern, dass es sich bei dem Porträtierten um einen Jungen aus ihrer Nachbarschaft gehandelt habe: dem Tischlersohn Johannes Schneider, der als späterer selbstständiger Kfz-Meister und „wandelndes Lexikon“ zur Bischofswerdaer Geschichte noch vielen in guter Erinnerung sein dürfte. Eine Ausstellung in Dresden erzählt so auch ein Stück Kleinstadtgeschichte und würdigt auf ihre Weise zwei Frauen, die sich jahrzehntelang für das künstlerische Erbe ihres Vaters eingesetzt haben. (SZ)