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Todesfalle Windrad

© SZ Thomas Eichler

Michael Deckwart aus Feldleuba hat einen toten Rotmilan bei den Windkraftanlagen entdeckt. Es ist nicht der erste Fund dieser Art.

Von Jan Lange

Leuba. Rund ein Kilo ist das Rotmilan-Weibchen schwer, bis zu 1,80 Meter kann die Spannweite der Flügel betragen. In Aktion wird Michael Deckwart den mäusebussardgroßen Greifvogel nicht mehr erleben können, denn der Rotmilan, den der Leubaer in der Nähe seines Wohnhauses gefunden hat, lebt nicht mehr. Getötet durch einen Flügelschlag der Windräder.

Für Deckwart ist das kein neuer Anblick. Allein im vergangenen Jahr hat er 15 Schlagopfer gefunden – von der Fledermaus bis zum Weißstorch. Einen Rotmilan hatte es aber bisher noch nicht erwischt. „Das ist der traurige Höhepunkt“, findet Deckwart. Denn der Rotmilan wurde von der Weltnaturschutzunion als mögliche vom Aussterben bedrohte Art eingestuft. Von dieser Vogelart gibt es weltweit noch maximal 29 000 Brutpaare. Mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes ist in Deutschland heimisch, darüber hinaus existieren größere Populationen in Frankreich und Spanien.

Seit Beginn der 1990er Jahre gingen die Bestände zum Teil erheblich zurück. Besonders negativ ist der Rückgang im Osten Deutschlands, wo er sich auf mehr als 50 Prozent summiert. Eine Ursache dafür sind Unfälle an Windkraftanlagen. Von 2002 bis 2015 gab es laut Experten über 300 derartige Kollisionen von Rotmilanen mit Windrädern. Nun ist im Windpark Leuba ein weiterer Fall hinzugekommen. Bei diesem Rotmilan handelt es sich laut Deckwart um ein Weibchen mit einem Nest in der näheren Umgebung. Der Leubaer befürchtet deshalb, dass auch die Jungen in Gefahr sind. Dieses Jahr haben, so erfuhr Deckwart, die Rotmilane relativ spät gebrütet.

Der Todesfall im Windpark Leuba ist auch nicht der einzige in der Region, wie Michael Deckwart weiß. Auch im Windpark bei Melaune sei jüngst ein toter Rotmilan gefunden worden. Dabei habe Deutschland nach seiner Meinung aufgrund der großen Population hierzulande eine hohe Verantwortung, diese Vogelart zu schützen. Deckwart sieht die einzige wirkliche Lösung in der Abschaltung der Windkraftanlagen – zumindest zeitweise.

Ein besserer Schutz während des Betriebes sei kaum möglich, meint er. Oft fliegen Rotmilane auch gezielt in die Umgebung von Windrädern, da sie dort mehr Futter vermuten. Deckwart befürchtet, dass durch die geplante Vergrößerung der bestehenden Windkraftanlagen und die Errichtung neuer Windräder die Todeszone noch größer wird.

Er hat derweil den toten Rotmilan sichergestellt. Wahrscheinlich wird sich das Naturkundemuseum Görlitz des Vogels annehmen – für statistische Zwecke.