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Bischofswerda

Gedenktafel zurück am Schiebocker Markt

Die Tafel erinnert an einen Todesmarsch von KZ-Häftlingen im April 1945. Nach drei Umzügen hat sie nun ihren Platz an einem symbolträchtigen Ort.

Nachdem die Tafel enthüllt war, erinnerte Pfarrer Joachim Rasch an seinen verstorbenen Freund Pavel Stransky. Er war einer der 600 Häftlinge, die am 20. April 1945 durch Bischofswerda getrieben wurden.
Nachdem die Tafel enthüllt war, erinnerte Pfarrer Joachim Rasch an seinen verstorbenen Freund Pavel Stransky. Er war einer der 600 Häftlinge, die am 20. April 1945 durch Bischofswerda getrieben wurden. © Stadtverwaltung Bischofswerda

Bischofswerda. Pfarrer Joachim Rasch brachte eine weiße Rose mit, als am Zugang zum Bischofswerdaer Rathaussaal jetzt eine Gedenktafel enthüllt wurde. Sie erinnert an ehemalige KZ-Häftlinge, die im April 1945 auf dem Todesmarsch von Schwarzheide nach Theresienstadt auch durch Bischofswerda getrieben wurden. 

Von den 600 Häftlingen überlebten nur 300 den Gewaltmarsch. Einen von ihnen lernte Joachim Rasch Jahrzehnte später kennen. Er wurde sein Freund - Pavel Stransky aus Prag. Er lebte von 1921 bis 2015. 

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Das Schicksal des Pavel Stransky

Vor rund 20 Bürgern, die zur feierlichen Enthüllung der Tafel gekommen waren, sprach Joachim Rasch über den Leidensweg von Pavel Stransky.

Aufgewachsen in einer jüdischen Familie, kam er 1941 in das Ghetto Theresienstadt. Zusammen mit seiner Frau Vera wurde er von dort in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der weitere Weg führte ihn nicht wie anderthalb Millionen Juden in die Gaskammern von Auschwitz-Birkenau, sondern in ein Arbeitslager nach Schwarzheide. Wie ein Wunder überlebte nicht nur Pavel Stransky den Holocaust, sondern auch seine Ehefrau. Nach dem Krieg trafen sie sich wieder.

Es gebe nicht den einen Holocaust, zitierte Joachim Rasch seinen verstorbenen Freund. Es gebe sechs Millionen Holocausts. So viele Juden fielen dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer. Mit jedem Menschen verbindet sich eine eigene Geschichte. "Mein Holocaust ist eine Liebesgeschichte", soll Pavel Stransky einmal gesagt haben. Die Liebe zu seiner Frau und die Hoffnung, sie wiederzusehen, gaben ihm die Kraft, die Konzentrationslager zu überstehen.  

Gedenktafel musste mehrmals umziehen

Es ist eins von 600 Schicksalen, die sich mit dieser Tafel aus Lausitzer Granit verbinden. Seit 1985 konnte man sie an verschiedenen Orten in der Stadt sehen - zuerst am Haus der damaligen Staatsbank-Filiale am Markt, in dem jetzt die Commerzbank ihren Sitz hat. Nach der Wende musste die Tafel, vermutlich auf Wunsch des neuen Hauseigentümers, umziehen. Bis 1995 befand sie sich am Eckhaus von Altmarkt und Bahnhofstraße. Erneut waren es die neuen Hauseigentümer, die beantragt hatten, die Tafel umzuhängen. Dritter Standort wurde das Fortbildungswerk an der Neustädter Straße. 

Als zu Beginn dieses Jahres  dessen Gebäude abgerissen wurden, wurde die Tafel im Bauhof eingelagert. Jetzt ist sie ins Stadtzentrum zurückgekehrt. Die Denkmalschutzbehörde stimmte zu, die Gedenktafel an der Seitenwand des Rathauses zu befestigen. 

Eine Verpflichtung, Demokratie zu leben

"Es ist ein guter Standort", sagte Oberbürgermeister Holm Große (parteilos). "Der Rathaussaal steht für gelebte Demokratie."  Die Tafel soll an die KZ-Häftlinge erinnern und zugleich heutige Generationen mahnen, welches Leid durch politischen Extremismus ausgelöst werden kann. 

"Wir können das, was geschehen ist, nicht mehr verändern", sagte Pfarrer Joachim Rasch. "Aber die Erinnerung kann uns bei Entscheidungen helfen." Das betrifft  jeden Einzelnen, wenn es  um die Frage geht, wie man sich verhält. Auch die Stadträte, wenn sie im Rathaussaal über die Zukunft der Stadt beraten. Drei im Stadtrat vertretene Parteien - CDU, Linke und SPD - waren mit Vertretern bei der Enthüllung der Tafel dabei,  ebenso der Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde, Dariusz Frydrych. 

Buchtipp: Soeben erschienen ist das Heft "Todesmärsche in der Region" von Mathias Hüsni. Man kann es für vier Euro in der Buchhandlung Heinrich in Bischofswerda kaufen. 

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