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Feuilleton

Tödliches Wirrwarr

Eine wirklich gute Idee wird im Stuttgart-„Tatort“ nicht gut durchgespielt. Immerhin kommt Verstärkung aus Sachsen.

© SWR Presse/Bildkommunikation

Staatsanwältin Emilia Álvarez (Carolina Vera) hätte einen Knaller zum Schluss verdient gehabt. Dieser Stuttgart-„Tatort“ war der letzte mit der mitunter verkühlt wirkenden, aber stets präsenten Juristin, die seit 2008 den beiden Hauptermittlern gerne mal – und oft zu Recht – auf die Füße trat. Wer künftig statt ihrer mitmischt, ist noch offen. LKA-Cheftechnikerin Andrea Botros wäre zweifellos ein Gewinn. Zumal sie den Schwaben-Krimi für alle Sachsen zu einer Art zweiten Heimat machen würde.

Denn wer bei ihrem Ersteinsatz einen leichten sächsischen Zungenschlag raushörte, bekommt eine Eins in Aufmerksamkeit. Die taffe Fachfrau wurde von Isabel Schosnig gespielt – in Oschatz geboren, in Leipzig aufgewachsen, dort auch zur Schauspielerin ausgebildet. Das war’s aber schon mit den positiven Aspekten. Der Fall selbst ist eine Enttäuschung.

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Dabei brachte die Grundidee beste Voraussetzungen mit. Entpuppte sich doch der erpresserische Heckenschütze und Wahllos-Mörder als verbitterte Frau auf einem durchgeplanten Privatfeldzug, mit dem sie ihren toten Geliebten rächen wollte. Den hatten die Opfer von heute einst im Bankfoyer vorm Geldautomaten liegen und so sterben lassen. Vom Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung freigesprochen, kamen sie ins Visier der Rächerin.

Wenig glaubhaft und seltsam lustlos

Dass die Mörderin sich und ihre Knarre auf dem Weg zum Morden unter einer Burka verbarg, konnte als Randalbernheit durchgehen. Woher hatte sie aber die Flinte, wieso konnte sie, die ansonsten harmlose Büroangestellte, so gut damit umgehen, was sollte die Nummer mit der Geldforderung, wenn es doch nur um Rache ging? Wenig glaubhaft auch, dass die zunächst verdächtigte Ex-Gattin der Polizei hilft, die per Telefon ausgelegte Falle aber auffliegen lässt und obendrein die Ex-Nebenbuhlerin zum Weitermeucheln ermuntert.

Den Rest besorgten die seltsam lustlos agierenden Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und der obendrein zickige Sebastian Bootz (Felix Klare). Bootz stand ständig neben sich, verhedderte sich in ungelenken Versuchen, seine Ex samt Kindern ohne Panikmache aus Stuttgart zu evakuieren. Ein Handlungsstrang, den man hätte unbedingt streichen sollen, obwohl das allein noch keine Rettung für den Krimi gewesen wäre.

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