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Toilettenposse am See geht weiter

Die Stadt verweist auf Mängel, die Baufirma sieht das aber ganz anders. Noch immer ist unklar, wann die Einrichtung am Nordoststrand in Betrieb geht.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Morgen ist es drei Wochen her, seit der neue Toilettencontainer am Nordoststrand des Berzdorfer Sees aufgebaut wurde. Nach einer bis anderthalb Wochen sollte er in Betrieb gehen, doch das ist bis heute nicht passiert. Nun gibt es einen Lichtblick: Morgen treffen sich Stadtverwaltung und Baufirma vor Ort am See. „Dort werden wir die Mängel noch einmal ansprechen“, erklärt Baubürgermeister Michael Wieler. Er hofft, dass sie danach schnell behoben werden – und die Toilette möglichst bald in Betrieb genommen werden kann.

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Am meisten stört ihn, dass die Behindertentoilette eine fünf Zentimeter hohe Schwelle hat. „Rollstuhlfahrer kommen dort nicht rein, maximal zwei Zentimeter sind zulässig“, sagt er. Es sei aber keine Lösung, einfach eine Rampe anzubauen: „Dann wäre das Türblatt überdeckt und die Tür ginge nicht mehr auf.“ Doch das ist aus Sicht der Stadt nicht das einzige Problem. So seien die Hölzer angenagelt, die dem kleinen Gebäude ein mediterranes Äußeres geben. Dabei hatte die Stadt in der Ausschreibung ausdrücklich gefordert, dass die Hölzer geschraubt und nicht genagelt werden sollen. „Wir hatten bei der Fassade des Neißebades das gleiche Problem“, sagt Wieler. Dort habe das Holz dann im Laufe der Zeit gearbeitet – und die Nägel nach außen gedrückt, sodass sie durch Schrauben ersetzt werden mussten: „Das wollten wir diesmal vermeiden.“

Hinzu kommen laut Wieler noch kleinere Mängel. Und schließlich war die Trinkwasserprobe negativ, sodass eine weitere Spülung nötig ist. Mit den meisten dieser Punkte könnte die Stadt zur Not leben – nur nicht mit der Schwelle an der Tür.

Die Firma BplusL Infra Log GmbH aus Dresden hat das Häuschen gebaut. Prokurist Gunnar Förster kennt nach eigener Aussage keine gravierenden Mängel, die eine Inbetriebnahme verhindern. Dass Rollstuhlfahrer nicht hineingelangen sollen, erfährt er erst durch den Anruf der SZ. „Von der Stadt liegt mir dazu nichts Schriftliches vor.“ Wenn es wirklich so sei, wäre das auch kein großes Problem, sagt Förster: „Dann muss eben eine Rampe angebaut und das Türblatt gekürzt werden.“ Dass die Hölzer entgegen der Ausschreibung genagelt sind, ist ihm hingegen bewusst: „Das sind aber keine gewöhnlichen Nägel, sondern Spezialnägel mit Rillen, die auch im Laufe der Zeit nicht herausgedrückt werden.“ Nach Angaben des Herstellers sei das die sinnvollste Variante. „Ich würde diese auch wieder verwenden“, sagt Förster.

Branchenkenner vermuten indes, dass die Toilette noch ein ganz anderes Problem hat: Der Zeitplan der Stadt für den Bau sei zu kurz gewesen. In der Tat hat die BplusL Infra Log GmbH die Containertoilette mit mehreren Wochen Verspätung geliefert. Wieler weist das Problem zurück: „Die Frist war nicht zu kurz gesetzt, das wäre zu schaffen gewesen.“ Die Mängel an der Toilette seien keine Frage der Zeit gewesen, sondern eine Frage der Aufmerksamkeit.

Förster hingegen erklärt, dass zeitlich manches schwierig geworden sei: „Bei Containerteilen sind wir auf Zulieferer angewiesen.“ Diese würden auch an die großen Containerbauer liefern, die die Flüchtlingsunterkünfte errichten. „Dadurch haben sich die Lieferzeiten massiv verlängert“, so Förster. Als sich seine Firma um den Auftrag in Görlitz beworben habe, lagen die Lieferzeiten bei drei bis vier Wochen: „Heute sind es sechs bis sieben Wochen.“