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Top-Favoriten schmieden Komplott

Seit Jahren wetteifern die Gruppen von Uwe Lösche und Conny Ottlinger um den besten Podestplatz der Umzugswertung. Damit ist es vorbei. Vorerst.

© Norbert Millauer

Von Sven Görner

Radeburg. In weniger als zwei Wochen ist es wieder so weit. Am 7. Februar wird der große Straßenkarneval in Radeburg erneut Tausende Schaulustige an den Straßenrändern der Karnevals-Hochburg begeistern. In seiner 59. Saison hat der Radeburger Carneval Club eine „Olympiade der Plagiate“ ausgerufen. Und unter diesem Motto gestalten seit Wochen auch die zahlreichen Umzugsgruppen aus Radeburg und Umgebung ihre Wagen und Kostüme für den großen farbenprächtigen Auftritt am übernächsten Sonntag.

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Dafür angemeldet haben sich laut Holger Umlauft, dem Umzugsverantwortlichen des RCC, diesmal 69 Gruppen und damit drei weniger als vor Jahresfrist. „Die Gruppe Wachtel aus Berbisdorf hatte ja angekündigt, nach vielen Jahren aufzuhören. Und zwei weiter angereiste Gruppen waren im Vorjahr eigentlich nur nach Radeburg gekommen, weil es da keinen Umzug in Cottbus gab“, erklärt der Mann vom Elferrat.

Ein absolutes Novum

Allerdings sind auch diesmal Teilnehmer dabei, die eine etwas weitere Anreise haben. Genauer, aus dem Schwarzwald. „Sie werden vermutlich mit dem dort typischen Karnevalsoutfit dabei sein“, sagt Holger Umlauft. Aber was zieht Leute aus dem Schwarzwald zum Umzug ins weit entfernte Radeburg? „Vor einigen Jahren ist jemand aus dem Plessaer Verein, mit dem wir ja eng verbunden sind, dort runter gezogen. Nun frönt er vermutlich dort seiner närrischen Leidenschaft. Und jetzt hat sich die Truppe aufgerafft, und kommt hier her.“ Manche Rätsel lösen sich sehr schnell.

Noch viel mehr dürfte die Karnevalenthusiasten in Radeburg und den umliegenden Orten allerdings eine andere Premiere interessieren, die es beim Umzug am 7. Februar geben wird: Zwei der absoluten Top-Gruppen der vergangenen Jahre, die bei den Umzugswertungen Plätze auf dem Siegerpodest sammelten wie andere Leute Pilze, machen diesmal gemeinsame Sache. Das dürfte vermutlich ein absolutes Novum in der langen Geschichte der Radeburger Straßenkarnevals sein.

„Die Gruppen von Uwe Lösche und Conny Ottlinger haben sich zwar getrennt angemeldet, wollen aber unter einem Dachmotto ein gemeinsames Bild gestalten“, sagt Holger Umlauft. „Dass zwei Seriensieger solch eine Idee haben, kam für uns doch sehr überraschend.“

Männer fehlten

Was steckt also hinter dieser ungewöhnlichen Ankündigung? „Das diesjährige Motto spielt uns bei dieser Idee natürlich etwas in die Hände. Das ist aber nicht der Hauptgrund“, verrät Uwe Lösche. Der Anstoß dazu sei von der anderen Gruppe gekommen. „In dieser gibt es ohnehin wenige Männer. Und weil einige diesmal auch noch Zeitprobleme hatten, blieben nur drei übrig. Zu wenig, um einen großen Wagen zu bauen.“ Nur als Laufgruppe teilnehmen wollten die Männer aber auch nicht. Also wurde bei Uwe Lösche wegen einer Zusammenarbeit nachgefragt. „Ich habe die Idee dann im Sommer bei unserem traditionellen Vogelschießen vorgestellt. Wenn nur einer dagegen gewesen wäre, hätten wir es seingelassen.“

Weil es keinen Widerspruch gab, wurde nun gemeinsam gebaut, gebastelt und genäht. Was dabei herausgekommen ist, darf am übernächsten Sonntag bewundert werden wenn die gut 60 Frauen, Männer und Kinder der Lösche-Ottlinger-Verbindung unter ihrem Motto: „Wir schmieden gemeinsam ein Komplott – wir sind die Eier ... wir der Pott“ durch Radeburgs Straßen ziehen.

Für die Mitbewerber um die Podestplätze dürfte der Auftritt einen interessanten Nebeneffekt haben. Denn die beiden Gruppen treten offiziell zwar getrennt an, bewerten kann sie die Umzugsjury aber eigentlich nur gemeinsam. Somit können sie auch maximal einen der drei begehrten Plätze belegen.