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Tor in Königsteins unbekannte Geschichte

Die Vorbereitungen für die neue Sonderausstellung laufen. Sie widmet sich einem bislang wenig bekannten Kapitel.

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© Marko Förster

Von Carina Brestrich

Königstein. Es war eine gewagte Idee. Eine, die angesichts der bewegten Zeiten eigentlich von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Doch Georg der Bärtige ließ sich von der Umbruchstimmung im Land nicht beirren. Der Herzog von Sachsen war ein frommer Mann. Und so gründete er 1516, ein Jahr vor der Reformation, auf dem Königstein ein Cölestinerkloster. Lange treu blieben die zwölf Mönche, die es bewohnten, dem Königstein aber nicht. Bald sympathisierten die Mönche mit den Lehren Martin Luthers und wanderten nach und nach ab. Am Ende musste das Kloster bereits acht Jahre nach seiner Ansiedlung wieder schließen.

Die Restauratoren Tina Dömling und David Wardak platzieren den Schlussstein an der nachgebildeten Klosterpforte. Rund 300 Kilo wiegt das Objekt.
Die Restauratoren Tina Dömling und David Wardak platzieren den Schlussstein an der nachgebildeten Klosterpforte. Rund 300 Kilo wiegt das Objekt. © Marko Förster

Anlässlich des 500. Gründungsjubiläums widmet sich ab dem 23. April eine neue Sonderausstellung dem kurzen und bislang wenig beachteten Kapitel in der Geschichte der Festung Königstein. Die Vorbereitungen in der Magdalenenburg sind in vollem Gange. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt Markus Bitterlich. Der wissenschaftliche Mitarbeiter und Kurator der Ausstellung ist zufrieden – aus gutem Grund. Am Mittwoch ist das Highlight und Herzstück der Ausstellung angekommen: Eine Nachbildung der einstigen Eingangspforte zum Kloster.

Die 2,20 mal 2,60 Meter große Pforte ist das Einzige, was vom letzten in Sachsen gegründeten Kloster übrig geblieben ist. In einer Tiefe von 20 Metern, in einem Hohlraum hinter den dicken Festungsmauern, ist der Sandsteinbogen noch erhalten. Über steile Leitern und ein kleines Mannsloch ist er erreichbar. „Das können wir den Besuchern nicht zumuten. Deshalb haben wir uns für die Nachbildung entschieden“, sagt Markus Bitterlich.

In Silikon gehüllt

Angefertigt haben diese die beiden Restauratoren Tina Dömling und Dawid Wardak aus Dresden. Im Dezember brachten die beiden Restauratoren eine Woche lang im Untergrund der Festung zu, um die Pforte zunächst zu reinigen und dann mit Silikon und Gips einen Abdruck des Bogens zu erzeugen. In der Werkstatt in Wachau dann wurden die Formen mit einem mörtelartigen Steinersatzmaterial ausgefüllt. Die ausgehärteten Teile haben Tina Dömling und Dawid Wardak schließlich auf einen hohlen Rohling aus Kunststoffplatten geklebt. Dadurch hat die Konstruktion ein Gesamtgewicht von etwa 300 Kilo. „Hätten wir die Pforte aus richtigen Sandstein gebaut, hätte sie ein Gewicht von 2,5 Tonnen. Das halten die Decken hier aber nicht aus“, erklärt Tina Dömling.

Wie der Rest des Klosters ausgesehen haben könnte, davon gibt es bislang nur vage Vorstellungen: „Es liegt ein Plan von Anfang des 18. Jahrhunderts vor, auf dem die Klostermauern eingezeichnet sind“, sagt Markus Bitterlich. Demnach müsste es etwa die Hälfte des heutigen Exerzierplatzes eingenommen haben. Überhaupt hatte der Königstein damals ein ganz anderes Aussehen. „Außer dem Kloster standen die Burg und die Garnisonskirche“, sagt Markus Bitterlich. Damals seien die Mönche vermutlich die einzigen Menschen auf dem Königstein gewesen, sagt Markus Bitterlich. „Hin und wieder kam Herzog Georg, um nach dem Rechten zu sehen.“ Wesentlich lebhafter wurde es auf dem Königstein erst 65 Jahre später, als er zur Festung ausgebaut wurde. Damals begann die militärische Nutzung des Königsteins, die Pforte unterdessen verschwand hinter den dicken Festungsmauern.

In der Ausstellung nun nimmt sie eine tragende Rolle ein. So schließt sich direkt an die Pforte ein nachgebildetes Gewölbe an, eine Art Tunnel mit zwei Vitrinen, beschreibt Bitterlich: „Dort werden die Gründungsurkunde und andere wichtige Dokumente vom Kloster ausgestellt.“ Gleichzeitig teilt die Pforte die Ausstellung in zwei Bereiche. Im ersten geht es um die Wurzeln des Mönchstums, die sächsische Klosterlandschaft und den Cölestinerorden. Im zweiten Bereich erfahren die Besucher, warum das Kloster aufgegeben wurde. Eine künstlerische Installation aus Licht und Klang soll die Besucher einladen, auch gefühlsmäßig in die geistliche Welt des Mittelalters einzutreten.

Die Ausstellung „Mönche auf dem Königstein und wie ’der böse Samen Doctor Luthers‘ sie vertrieb“ läuft vom 23. April bis zum 1. November. Der Eintritt ist im regulären Festungseintritt enthalten. Öffnungszeiten ab April: täglich von 9 bis 18 Uhr.