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Tornado-Denkmal zerstört

Wer terrorisiert seit Wochen die Stadt? Die Polizei vermutet eine Bande hinter den Randalen.

© Anne Hübschmann

Großenhain. Gerade in Öhringen zur dortigen Gartenschau angekommen, erreichte Matthias Schmieder die Nachricht: Unbekannte haben das Großenhainer Tornado-Denkmal zerstört. Eine Front des Kubus aus bruchsicherem Glas ist mit brachialer Gewalt eingeworfen worden – nun ist es von einem Netz aus Tausenden Rissen überzogen. Der Werfer muss schon ein ordentliches Geschoss verwendet haben, um diese Zerstörung anzurichten.

Bei entsprechendem Sonnenstand wird das Datum des Tornado auf eine Freifläche projiziert.
Bei entsprechendem Sonnenstand wird das Datum des Tornado auf eine Freifläche projiziert. © Archiv/Klaus-Dieter Brühl
Das Innere der Skulptur besteht aus Teilen, die beim Tornado herumgeflogen sind und die der Künstler verarbeitet hat.
Das Innere der Skulptur besteht aus Teilen, die beim Tornado herumgeflogen sind und die der Künstler verarbeitet hat. © Archiv/Klaus-Dieter Brühl
Der Meißner Künstler Matthias Lehmann stellte 2012 unter 22 Entwürfen die Siegerversion für das Tornado-Denkmal Großenhain.
Der Meißner Künstler Matthias Lehmann stellte 2012 unter 22 Entwürfen die Siegerversion für das Tornado-Denkmal Großenhain. © Archiv/Klaus-Dieter Brühl

Vielleicht hat das Verbundsicherheitsglas wenigstens die Installation im Inneren geschützt – ein Sammelsurium an Teilen, die der Tornado 2010 durch die Luft wirbelte und die der Meißner Künstler Matthias Lehmann in sein Kunstobjekt zur Erinnerung an die furchtbare Naturgewalt verarbeitet hat. Und die Installation kann noch mehr. Immer am Pfingstmontag erscheint auf der umgebenden Freifläche ein Schattenriss mit den denkwürdigen Daten – je nach Sonnenstand. Der Künstler hat den richtigen Ton getroffen, um sie zu begeistern: Eine große Idee, überraschend umgesetzt, mit naturwissenschaftlichem Hintergrund und einem Effekt, der Sinn hat.

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Vandalismus-Serie nervt gewaltig

Die neuerliche Zerstörung reiht sich nahtlos in eine Serie von Schmierereien, Sachbeschädigungen und Randale der letzten Wochen ein. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass eine Bande die Stadt terrorisiert. Denn so eine Häufung ist für Großenhainer Verhältnisse untypisch. Die durchziehen die ganze Stadt, hauptsächlich aber Innenstadt und Stadtpark. Immer wieder wurden Autos der Länge lang aufgekratzt, zuletzt in der Zschillestraße.

Am Caravanplatz haben der oder die Täter Fahrzeugspiegel abgetreten, die Leitung zum Gastank an der Faustballbaracke wurde verbogen, Anzeigentafeln vom Tennisplatz geklaut und Tore aufgebrochen, im Preuskerviertel ein Garagentor beschädigt und Fensterscheiben eingeworfen, am Bahnhof Autospiegel abgeschlagen, in der Frauengasse Schilder ausgerissen und Blumenkübel umgeworfen – und die Baustellen Berliner Straße und Weberallee sind schon notorisch Ort von Verwüstungen, kleinere Einbrüche komplettieren das Bild.

Nicht zu vergessen die vielen mit SGD besprühten Enso Schaltkästen und übersprayten offiziellen Graffiti und Wandbildern, die das Erscheinungsbild der Stadt derzeit wieder massiv verschandeln. Angesichts dieser Serie von Stadtschäden wächst in der Stadt die Verärgerung. Jedes Mal wurde nach Zeugenhinweisen gefragt, mehrfach sogar eine Prämie ausgesetzt – zuletzt für das beschmierte Graffito im Tunnel Berliner Straße. Allerdings ohne Erfolg. Wie stets, will niemand etwas gesehen oder gehört haben. Auf Facebook kommentierten Leser solche Beiträge zuletzt mit den Worten, die Angst vor den Tätern sei einfach zu groß. Niemand wolle später Opfer werden, wenn die Täter wenig später herausfinden, wer einen entscheidenden Tipp gegeben haben könnte. Klar ist aus Sicht der Stadt aber auch, so kann es nicht weitergehen. Schon beim Fall „Tunnel Berliner Straße“ sagte Matthias Schmieder, die Großenhainer müssten sich irgendwann entscheiden, ob sie das weiter tolerieren oder nicht. Diesmal hat die Stadt noch einmal 200 Euro draufgelegt und setzt nun 500 Euro Belohnung für sachdienliche Hinweise zur Ergreifung desjenigen aus, der das Tornado-Denkmal eingeworfen hat.

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Möglicherweise könnten im neuesten Fall Hinweise eingehen, nicht nur wegen der höheren Prämie, sondern vor allem wegen der Beliebtheit der Skulptur, ähnlich wie beim Faun am Naturbad. Mit dem Tornado-Denkmal, das im Mai 2012 feierlich eingeweiht wurde, könnte es sich nun ähnlich verhalten. „Die Großenhainer haben einen persönlichen Bezug zu diesem Denkmal, das ist nicht irgendeine Skulptur“, so Matthias Schmieder. Außerdem könnte es jemand am vergangenen Donnerstagabend gehört haben, zu massiv ist der Schaden. (szo)