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Total-Flop mit vielen Millionen Verlust

Die Porzellan-Manufaktur Meissen wertet ihre Beteiligung in Italien auf null ab. An einen Konkurs glaubt sie aber nicht.

© Claudia Hübschmann

Herr Blaschke, die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen hat 2014 bei einem Umsatz von 37,9 Millionen Euro einen Verlust von 19,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Rund 18 Millionen des Verlustes fallen auf die kleine Mailänder Firma Meissen Italia mit knapp vier Millionen Euro Umsatz. Fünfmal mehr Verlust als Umsatz. Wie geht das?

Zunächst ist zu beachten, dass es sich hier um den Jahresabschluss der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH als Einzelgesellschaft handelt. In diesen Büchern sind unter anderem direkte Geschäftsbeziehungen zur Meissen Italia abgebildet. Zudem fließen auch indirekte Wirkungen der Geschäfte über Italien mit ein. Die Maßstäbe des vorsichtigen Kaufmanns beachtend und unter Berücksichtigung aller bewertungsrelevanten Erkenntnisse zum Zeitpunkt der Erstellung waren bilanzielle Anpassungen notwendig. Aufgrund der Herausforderung mit den neuen Produkten und der unzureichenden Ertragslage unserer italienischen Tochtergesellschaft war es handelsrechtlich unumgänglich, den Wert der Beteiligung der Porzellan-Manufaktur an Meissen Italia abzuschreiben. Ebenso waren eine Wertberichtigung der Forderungen sowie Abschläge auf die Vorratsbestände mit italienischen Produkten nötig.

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Man kann es auch so sagen: Meissen Italia ist ein Total-Flop. Wird die Tochtergesellschaft jetzt abgewickelt?

Die bereits eingeleiteten Aufräum- und Sondierungsarbeiten sollen das Unternehmen in Gänze und auf lange Sicht zukunftsfähig machen. Das betrifft auch die Organisationsstruktur, Prozesse und die Produktpolitik. Weiter möchte ich jetzt noch nicht vorgreifen.

Werden Sie oder der Freistaat Sachsen Vorgänger-Geschäftsführer Christian Kurtzke wegen der hohen Verluste bei der italienischen Tochter zur Verantwortung ziehen?

Für den Freistaat kann ich nicht sprechen. Fakt ist, dass wir bereits im Rahmen regelmäßig stattfindender Revisionshandlungen immer wieder mit bewerten, ob Pflichtverletzungen im Unternehmen und damit im Zusammenhang stehende Schäden entstanden sind.

Der Chef von Meissen Asia Pacific Ingo Bade hat jetzt auch das Unternehmen verlassen. Wickeln Sie denn alle Auslandsgeschäfte ab?

Dass Ingo Bade das Unternehmen verlässt, bedeutet keineswegs, dass wir alle Auslandsgeschäfte abwickeln. Rund die Hälfte unseres Umsatzes machen wir im Ausland und davon einen bedeutenden Teil in Japan, Taiwan und China. Wir wollen das Auslandsgeschäft weiterentwickeln. Aus diesem Grund haben wir auch seit November letzten Jahres eine Stelle zur Verstärkung unserer Asienrepräsentanz ausgeschrieben.

Sollen die neuen Nicht-Porzellan-Produkte alle aus dem Programm genommen werden? Und Sie stellen – wie früher – nur noch Porzellan her?

Heute entstehen 87 Prozent des Manufakturumsatzes mit Porzellan. Das sind Tisch- und Tafelprodukte, Geschenkartikel, Figuren und Fine-Art-Produkte. Wie erwähnt, befinden wir uns inmitten eines Prozesses der Strategiepräzisierung. Dabei wird natürlich auch die Produktpolitik bewertet. Hier schauen wir uns an, welche Produkte gut zu Meissen passen, welche wir gut in der Produktion beherrschen können, welche gut und welche weniger gut am Markt ankommen, ebenso wie profitabel sie sind. Ohne Zweifel wird aber das Geschäft mit unserem einzigartigen Meissener Porzellan unser Kerngeschäft bleiben.

Werden die schlechten Zahlen zu weiteren Sparmaßnahmen im Gesamtunternehmen führen? Zu weiterem Personalabbau?

Wir rechnen auch in diesem Jahr damit, dass in einigen Bereichen der Manufaktur Kurzarbeit zur Anwendung kommen wird. Das hat aber nichts mit Italien zu tun. Auslastung und Auftragslage für die verschiedenen Porzellan-Produkte sind hierfür ausschlaggebend. Dass Tisch und Tafel herausfordernder ist als das Art-Geschäft, ist bekannt.

Haben Sie eine Prognose für das Geschäftsjahr 2015 und 2016?

Es gibt gut funktionierende Geschäftsbereiche wie Art, mit Figuren und Fine Art, die einen positiven Umsatztrend und gute Auftragslage vorweisen. In unseren eigenen Boutiquen in Deutschland konnten wir im vergangenen Jahr erfreulicherweise den Umsatz, auch mit Porzellan, merklich erhöhen. Das sind positive Entwicklungen und in diese Richtung werden wir weiterarbeiten. Trotzdem ist der Markt bekanntermaßen sehr herausfordernd. Die Umsätze mit Russland waren 2015 stark rückläufig, und auch China ist leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es gibt im Unternehmen selbst sehr viel zu tun und eventuelle strukturelle Anpassungen werden auch mit finanziellen Aufwendungen verbunden sein. 2016 wird, auch bei den positiven Trends, die wir sehen, kein einfaches Jahr werden. Dennoch: Ich bin überzeugt, die Aufgaben sind lösbar.

Wie realistisch ist ein Konkurs Ihres Unternehmens?

Der Freistaat Sachsen als Eigentümer hat betont, dass er zur Manufaktur steht. Er hat klar den Auftrag formuliert, die über dreihundertjährige Tradition des sächsischen Kulturgutes Meissener Porzellan auch in Zukunft fortzuschreiben. Ich glaube fest daran, dass wir einen guten Weg finden werden. Und wenn wir alle mit Verstand und Herzblut anpacken, wird uns das auch gelingen.

Es fragten Peter Anderson und Ulf Mallek.