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Toter Flüchtling wurde schon seit Wochen vermisst

Am Montag beginnt ein Prozess, bei dem er als Belastungszeuge aussagen sollte. Es geht um den Fessel-Vorfall in einem Arnsdorfer Supermarkt im Sommer 2016.

© Thorsten Eckert

Ulrich Wolf

Arnsdorf. Nun steht es fest: Der irakische Flüchtling, der im vergangenen Mai in Arnsdorf im Kreis Bautzen von Anwohnern an einen Baum gefesselt wurde, ist tot.

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Trotz der starken Verwesung habe man am Leichnam noch Fingerabdrücke nehmen können, sagte Dresdens Polizeisprecher Thomas Geithner. Bei dem am Ostermontag im Tharandter Wald entdeckten Toten handele es sich eindeutig um den 21 Jahre alten psychisch kranken Asylbewerber. Die Polizei geht davon aus, dass er bereits seit Januar in dem Wald lag und erfroren war. Geithner zufolge war der Flüchtling in „mehreren Krankenhäusern“ zur Behandlung, unter anderem im Fachkrankenhaus in Arnsdorf. Derzeit werde ein Bewegungsprofil des jungen Mannes erstellt.

Nach SZ-Informationen war der Iraker auch in der Psychiatrie des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt untergebracht, musste diese jedoch wegen seines überaus aggressiven Verhaltens verlassen. Der Polizei zufolge war er zuletzt einer dezentralen Unterkunft in Tharandt zugewiesen worden. Dort habe ein Betreuer ihn zuletzt am 2. Januar gesehen und daraufhin eine Vermisstenanzeige gestellt. Zudem ermittelte die Staatsanwaltschaft Dresden gegen den Asylbeweber wegen Körperverletzung. Ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Görlitz gegen den Iraker wurde eingestellt. Dieses Verfahren beruhte auf dem Vorfall von Arnsdorf im Mai 2016. Damals soll der Iraker eine Supermarkt-Kassiererin bedroht haben. Daraufhin ergriffen ihn vier Männer und fesselten ihn mit Kabelbindern.

Das Quartett muss sich vom Montag an wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung in Kamenz vor Gericht verantworten. Elf Verhandlungstermine sind geplant, der letzte am 19. Juni. Es sind 22 Zeugen geladen, darunter auch Mitarbeiter des Netto-Markts. Es war auch vorgesehen, den Iraker zu hören, allerdings konnte die Ladung nicht zugestellt werden. Vermutlich war er da schon tot. Für die Staatsanwaltschaft war er der Hauptbelastungszeuge. Trotz dessen psychischer Erkrankung war es nicht vorgesehen, Ärzte anzuhören. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei steht der Tod des Irakers in keinem Zusammenhang mit den damaligen Ereignissen in dem Supermarkt.

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Der Görlitzer Polizeipräsident hatte seinerzeit Verständnis für das Vorgehen der vier Männer gezeigt. Es handelt sich um einen CDU-Gemeinderat, um einen Angestellten, einen Lageristen und einen Tätowierer, der zudem Mitglied eines Rockerclubs ist. Bei Pegida und anderen neurechten Bewegungen wurden Spenden zur Finanzierung des Prozesses gesammelt – angeblich bereits 20 000 Euro. Auf Facebook läuft eine Solidaritätsaktion.