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Tourismus-Chefin verlässt das Erzgebirge

Veronika Hiebl steigt die Karriereleiter hoch. Wie geht es nun aber in der Region weiter?

© Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks

Osterzgebirge. Haben Sie Ahnung vom Tourismus? Ideen, wie dieser Wirtschaftszweig im Erzgebirge weiterentwickelt werden könnte und wie potenzielle Gäste dafür zu begeistern wären? Dann wäre das vielleicht etwas für Sie: Der Tourismusverband Erzgebirge sucht überraschend eine neue Geschäftsführerin. Es darf auch gern ein Mann sein.

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Die Stellenausschreibung wurde am Montag auf der Homepage des Tourismusverbandes veröffentlicht, soll aber auch in diversen Fachblättern erscheinen, kündigt die scheidende Chefin Veronika Hiebl an. Sie will auf jeden Fall ihre Nachfolge noch persönlich regeln.

Die Nachricht, dass sie zur Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS) wechseln wird, platzt mitten ins Sommerloch. Und die rund 365 Mitglieder des Tourismusverbandes Erzgebirge, darunter Altenberg, Dippoldiswalde, Glashütte, Hermsdorf/Erz., Klingenberg und Rabenau, sind nicht die Einzigen, die sich nun nach einer neuen Führungskraft umgucken müssen. Auch der Bundesverband der deutschen Mittelgebirge braucht Ersatz. Veronika Hiebl war erst im Herbst vergangenen Jahres zur Vorsitzenden gewählt worden. Doch diese Aufgabe wird sie nicht fortführen können, wie sie sagt. Dafür ist das neue Tourismusamt, das sie ab 1. Mai kommenden Jahres übernehmen wird, zu wichtig. Es ist das Höchste in Sachsen.

Deshalb verkündete Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) diese Personalie vergangene Woche auch selbst. „Mit Veronika Hiebl erhält unsere Tourismus Marketing Gesellschaft eine ausgesprochene Tourismus-Expertin und Sachsen-Kennerin, die bereits in ihrer bisherigen Aufgabe als Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge ihr Können hervorragend unter Beweis gestellt hat.“ Sie habe wesentlich dazu beigetragen, das Erzgebirge als Destination unter einem starken Dach zusammenzuführen sowie im nationalen und internationalen Wettbewerb als eine starke Tourismusregion zu positionieren. Seit 2013 gehören Tourismusgebiete aus dem Altkreis Dippoldiswalde dazu, die bis dahin noch separat als Silbernes Erzgebirge unterwegs waren.

Die Diplom-Betriebswirtin kam 2010 aus dem Schwarzwald ins Erzgebirge. Übrigens auf gleichem Weg wie jetzt in ihre neue Position. Veronika Hiebl hatte zehn Jahre beim Pendant der TMGS, bei der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, gearbeitet, zuletzt als Marketingleiterin. Da klingelte eines Tages das Telefon. Ein renommiertes Personalberatungsunternehmen suchte im Auftrag des Tourismusverbandes Erzgebirge Kandidaten für den Geschäftsführer-Posten. „Ich war zehn Jahre auf der gleichen Stelle“, erinnert sich Veronika Hiebl, „und offen für eine neue Aufgabe.“ Außerdem kannte sie das Erzgebirge bereits aus DDR-Zeiten. „Ich habe schon 1985 im Geyerschen Teich gebadet“, verrät sie. Denn sie hatte eine Brieffreundin in Ehrenfriedersdorf und machte dann hier Urlaub mit der Familie. Deshalb konnte sie sich für die neue Aufgabe begeistern.

Hier angekommen, versuchte sie erst gar nicht, sich zu verbiegen und ihren Dialekt zu verbergen. Wie sie es geschafft hat, die Erzgebirgler zu einen und sie mit auf den Weg zu nehmen, liegt vielleicht an ihrer offenen, freundlichen Art, daran, dass sie für den Tourismus brennt, Ideen hat und auch kritischen Fragen nicht ausweicht. Sie weiß, dass sie auch nach zehn Jahren immer noch „e Uhiesschr“ ist, wie die Erzgebirgler sagen, wenn sie einen Auswärtigen meinen. Doch den Begriff hat Veronika Hiebl längst drauf und kokettiert damit. Und sie hätte vielleicht auch noch mehr Arzgebirgisch gelernt, wenn nicht wieder das Telefon geklingelt hätte, wieder die Personalberater, diesmal mit dem Angebot, sich für die Nachfolge des TMGS-Chefs Hans-Jürgen Goller zu bewerben, der im Frühjahr in den Ruhestand geht. „Ich habe sehr, sehr mit mir gerungen“, gesteht Veronika Hiebl. „Ganz viel Herzblut ist ins Erzgebirge geflossen.“ Zudem habe sie ein sehr gutes Team. „Auf der anderen Seite ist es eine tolle Chance, die sich mir noch mal geboten hat“, sagt die 48-Jährige. All ihre Erfahrungen will sie jetzt einbringen, um nicht ein einzelnes Reisegebiet wie das Erzgebirge weiterzuentwickeln, sondern touristisch ganz Sachsen.

Bis Anfang September können sich nun Interessenten für ihre Stelle bewerben. Dann wird eine Auswahlkommission die Entscheidung treffen. „Das Ziel ist, dass zum 1. März ein Nachfolger gefunden wird“, sagt Frau Hiebl. Denn einen Monat lang will sie den Neuen oder die Neue noch einarbeiten und die Geschäfte übergeben. So läuft das auch bei ihrem neuen Job, für den sie schon zum 1. April nach Dresden wechselt. Im Mai übernimmt sie dann die Geschäftsführung bei der TMGS. Bis dahin packt sie auch die Koffer und zieht von Annaberg-Buchholz in die Landeshauptstadt.