Teilen:

Kelterei sieht Existenz bedroht

© Arno Burgi/dpa

Im Meissner Apfelsaft des Betriebes aus Niederau wurde Schimmelpilzgift festgestellt. Die Firma reagiert sofort.

Von Peter Anderson

Niederau. Kelterei-Chef Frank Wustlich ist an diesem Dienstagvormittag nicht zu langen Gesprächen aufgelegt. „Dafür habe ich einfach nicht die Nerven“, sagt er bei einem Anruf der Meißner SZ-Redaktion. Bereits am Montagabend hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) eine standardisierte Lebensmittelwarnung herausgegeben. Darin informierte die Behörde darüber, dass in Ein-Liter-Glasflaschen mit klarem Apfelsaft der Kelterei Max Wustlich aus Niederau möglicherweise Schimmelpilztoxin enthalten sein könnte.

Jetzt musste der Betrieb eine Charge Apfelsaft mit dem abgebildeten Etikett zurückrufen. Dieser könnte Schimmelpilzgift enthalten. © BVL

Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, es könne nicht ausschließen, dass der Verzehr des Apfelsaftes eine mögliche Gesundheitsgefahr darstelle. Vom Trinken werde daher abgeraten. Man habe umgehend reagiert, und die Charge mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum vom 26. März 2020 aus dem Verkauf genommen. Laut BVL gilt die Warnung auch für das Mindesthaltbarkeitsdatum 30. Januar 2020. Verbraucher könnten das Produkt am jeweiligen Kaufort gegen Erstattung des Preises zurückgeben, selbstverständlich auch ohne Vorlage des Kassenbons. Weitere Produkte seien nicht betroffen, so die Firma Wustlich.

Das BVL geht nach derzeitigem Stand davon aus, dass der betroffene Saft nur in Sachsen in den Handel kam. Welche Märkte und Verkaufsstellen genau betroffen seien, wollte Inhaber Frank Wustlich am Dienstagvormittag nicht sagen. Er fürchte, dass die Gift-Warnung die Existenz des über 140 Jahre alten Traditionsbetriebes gefährden könnte. Alle stürzten sich jetzt auf die Kelterei, so der Chef.

Tatsächlich taucht das Unternehmen derzeit mit verkürzten Meldungen selbst in überregionalen Nachrichtenportalen wie T-Online.de oder Focus.de auf. Der Grund hierfür sind die Rundmails des Bundesverbraucherschutzamtes, die an Hunderte Medienpartner in der gesamten Bundesrepublik gehen. „Man wird behandelt wie ein Verbrecher“, so Frank Wustlich.

Details, wie es zu dem Problem kam, möchte der Unternehmer nicht mitteilen. Bei dem möglicherweise im Apfelsaft enthaltenen Schimmelpilzgift handelt es sich der Bundesbehörde zufolge um Patulin. Dies könne durch Verarbeitung braunfauler Rohware von Obst und Gemüse in Lebensmittel gelangen und werde besonders in Produkten aus Äpfeln gefunden, ist auf dem Verbraucherportal des Freistaates Sachsen zu lesen. Es handele sich um sehr stabile Verbindungen, welche Koch-, Back- und Brauprozesse und sogar die Raffination von pflanzlichen Ölen überstünden. Die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen untersucht regelmäßig Produkte auf den Gehalt von Patulin.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gibt es bundesweit regelmäßig Warnungen vor allem vor mit dem Schimmelpilzgift belasteten Apfelsäften. Vergangenes Jahr traf es so die Lauwerth’s Natursäfte GmbH aus dem niedersächsischen Bad Iburg. Diese musste klaren Apfelsaft zurückrufen, da er zu Erbrechen, Verdauungsstörungen oder auch Magenschleimhautentzündungen hätte führen können. Auch hier wurde bundesweit über den Fall berichtet.

Bei der jetzt in die Schlagzeilen geratenen Kelterei Max Wustlich handelt es sich um einen weithin bekannten Traditionsbetrieb. In diesem Jahr besteht er 142 Jahre. Firmengründer Max Wustlich hatte das Unternehmen 1876 außerhalb des Ortes als Weinhandlung und Böttcherei gegründet. Später begann die Firma mit der Herstellung von Fruchtsäften und hat sich seither einen guten Namen gemacht. Wustlichs gelten als eine der ältesten Fruchtsaftkeltereien in Sachsen. Seit Anfang der 90er Jahre und nach der Umsatzkrise der Wendejahre werden die Säfte als „Meissner“ vermarktet und sind in Regalen großer Supermärkte zu finden. Daneben gibt es die Möglichkeit zum Lohntausch und direkten Erwerb ab Hof. Mit dem Namen „Meissner“ möchte das Unternehmen nicht nur seine Produkte an den Kunden bringen, sondern die Region ein Stück bekannter machen.

Stetig hat der Betrieb in den letzten Jahren in moderne Technik investiert. So werden die Säfte seit 2008 per Kurzzeiterhitzung hergestellt, um die Qualität zu erhöhen und parallel Energie zu sparen.