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Traditionsfirma in guten Händen

Der Straßenbaubetrieb K. Riemer gehört heute Jan Hausdorf. Vor 50 Jahren gegründet, hat er manche Schwarzdecke gezogen.

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© SZ-Archiv/K.-D. Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Ende der 70er Jahre war es in Großenhain in Mode gekommen, das holprige Kopfsteinpflaster der Innenstadt-Straßen mit Schwarzdecke zu überziehen. Straßenbaumeister Karl Riemer hatte das in Tschechien gesehen und war damit in Großenhain als kleiner Handwerksbetrieb mit maximal zehn Leuten gut im Geschäft. Unter anderem der Neumarkt und die Naundorfer Straße wurden 1977/78 auf diese Weise besser befahrbar. „Die Genehmigung hatte der Rat des Kreises erteilt, Material und Kraftstoffe waren bilanziert“, erinnert sich Brigitte Riemer (85).

Die Witwe war die gute Seele an der Seite des Straßenbaumeisters, der im September 1966 – also vor 50 Jahren – seine Firma auf der Rosa-Luxemburg-Straße gründete. Aus Naunhof war Karl Riemer gekommen, dort ist schon der Vater Straßenbauer gewesen. Bis 1997 führte der als „Straßenbau-Fuchs“ bekannte Großenhainer den Betrieb. Dann ging er in den Ruhestand und verkaufte den Betrieb an Jan Hausdorf aus Dobra. Die Firmenbezeichnung „K. Riemer“ aber blieb.

An allen Straßen mitgebaut

Wenn Brigitte Riemer heute aus Anlass des Firmenjubiläums in ihrem Album blättert, kommen zahlreiche alte Zeitungsausschnitte hervor. „Es gibt kaum eine Straße in Großenhain, an der der Betrieb nicht gearbeitet hat“, weiß auch Stadtbaudirektor Tilo Hönicke. Doch nicht nur in der Stadt war Karl Riemer aktiv. „Wir haben 1986 nach Tschernobyl eine Straße im Kernkraftwerk Rossendorf bei Dresden gebaut“, erinnert sich Frau Riemer. Und für die LPG in Ebersbach habe der Handwerksbetrieb ebenfalls die Trassen zu den Feldern und Ställen verbessert.

Nach der Wende ist der Bitumenüberzug des Straßenbaubetriebes allerdings in der Großenhainer Innenstadt weitgehend wieder verschwunden. Da holte man die alte Pflastersteine zurück, um den Innenstadtcharakter wieder authentisch zu machen. Bauaufträge gab es also genug, und die Firma Karl Riemer konnte auf 40 Leute aufstocken. Bis in die Sächsische Schweiz und den Tharandter Wald fuhren die Mitarbeiter auf Baustellen. Vor 19 Jahren ging Karl Riemer dann in den Ruhestand, nachdem er den 30. Firmengeburtstag noch gefeiert hat. Riemer hatte die 65 erreicht, nach einer schweren Wirbelsäulen-Operation und mit Diabetes fiel ihm die Leitung seiner Firma zunehmend schwerer. „Da kann man sich doch nicht so fortbewegen, und sich um die Baustellen kümmern, wie es eigentlich sein müsste“, sagt der Straßenbaumeister damals. Letztes Projekt unter Karl Riemers Regie: die Sanierung der Lindengasse in der Innenstadt.

Nivelliergerät steht im Rathaus-Büro

Noch heute gibt es aber das Firmenbüro in der Rosa-Luxemburg-Straße und einen Betriebshof. Um das 50-jährige Bestehen zu feiern, hat der jetzige Inhaber allerdings keine Zeit. Der Sommer ist Bauzeit, und so arbeiten die Mannen von Nachfolger Jan Hausdorf zum Beispiel an der Berliner Straße. Oder auch in Dresden. Dass Jan Hausdorf der Sohn des erfolgreichen Straßenbauers Wolfgang Hausdorf aus Dobra ist, ist bekannt.

Was aber wenig wissen: Karl Riemers 100-jähriges Nivelliergerät, mit dem er 1965 seine Steinsetzer- und Straßenbaumeister-Prüfung ablegte, steht heute im Büro von Tilo Hönicke im Rathaus. Auf der Straße wird längst mit Lasern gearbeitet.