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Träume von Flüssen und weiten Ländern

Am Donnerstag werden die Literaturtage an der Neiße offiziell eröffnet. Bereits einen Tag eher startet das Festival mit einem Poetry Slammer.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

Görlitz. Die nächsten Tage laden zu vielem ein: zum Träumen auf Flüssen, in abgelegene Dörfer im Glatzer Land, zum Nachspüren der Einsamkeit an den Peripherien der Städte, zum Beleuchten der Grenzen in uns und um uns. Das alles mit Lesungen, Filmen, Diskussionen und Gesprächen.

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Die 3. Literaturtage an der Neiße haben sich zahlreiche Veranstaltungen unter dem Motto „Crossing Borderlines“, Grenzen überschreiten, vorgenommen. Das ist nicht möglich ohne die Themen Flucht und Europa. So ist gleich am Mittwochabend, 19.30 Uhr, der aus Afghanistan stammende Kabarettist Sulaiman Masomi im Apollo zu erleben, der charmant und geistreich über sein Leben als Migrant in Deutschland erzählt. „Keine Angst“, heißt seine Botschaft, „ich kann Deutsch“. Im Anschluss an die offizielle Eröffnung des Festivals morgen um 19 Uhr in der Synagoge sind die Journalisten Uwe-Karsten Heye und Najem Wali mit Olga Tukarczuk zu Gast. Ersterer, Redenschreiber von Willy Brandt, musste 1945 als Kind mit seiner Mutter aus Danzig fliehen. Zweiterer floh 1980 vor dem Ersten Golfkrieg mit 24 nach Deutschland. Olga Tukarczuk steht mit ihren Büchern für ein weltoffenes Polen. Die drei diskutieren zur Frage: Wie viele Grenzen verträgt Europa?

Um Flucht geht es auch bei Magdalena Grzebalkowska. Die Preisträgerin des deutsch-polnischen Journalistenpreises hat Geschichten von Deutschen und Polen zusammengetragen, die 1945 ihre Heimaten verlassen und neue finden mussten. Sie liest am Freitag 17 Uhr im Dom Kultury. Am Tag darauf ist sie noch einmal beim Literaturfrühstück im Apollo zu Gast.

Der Star des Festivals aber ist der Leipziger Schriftsteller Clemens Meyer. Er liest am Freitag im Apollo aus seinem jüngsten Roman „Die stillen Trabanten“, einmal für Schüler, einmal öffentlich um 19 Uhr. Auch den 40-Jährigen beschäftigen Grenzen, aber keine politischen, sondern soziale, die er an den Rändern der hellen, touristisch beliebten Stadtzentren findet.

Der Sonnabend steht ganz im Zeichen der großen Flüsse. Uwe Rada, der 2005 mit seinem Buch „Die Oder“ beeindruckte und danach die Memel in den Blick nahm, spricht mit dem Dokumentarfilmer Volker Koepp um 18 Uhr im Apollo über Grenzströme, deren Lebensräume und Geschichten. Im Anschluss ist Koepps mystisch-poetischer Film „In Sarmatien“ zu sehen, für den er die Länder zwischen Weichsel, Wolga, Ostsee und Schwarzem Meer bereist und deren Stimmungen eingefangen hat.

Insgesamt zeigen die Literaturtage drei Filme. „Die Spur“ nach Tokarczuks Roman „Der Gesang der Fledermäuse“ läuft mit Filmgespräch am Freitagvormittag im Dom Kultury und bereits ab heute im Offkino Klappe die Zweite. Zu den Höhepunkten am Sonntag gehört die deutschsprachige Premiere der Kinodoku „Jacob Böhme“ des Zgorzelecer Filmers Lukasz Chwalko.

Hier gibt es das komplette Programm.