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Tragisches Ende des Unfalls am Beyerleinplatz

Zwei Tage nach dem Crash an Meißens wichtigster Kreuzung ist eine Beifahrerin gestorben. Doch wie konnte der überhaupt passieren?

© Roland Halkasch

Von Christoph Scharf

Meißen hat seinen nächsten Unfalltoten: Die schwer verletzte Insassin eines Mercedes, der in der Nacht zum Ostersonntag mit einen Ford Escort kollidiert war, ist am Ostermontag im Krankenhaus gestorben. Damit wird nun wegen fahrlässiger Tötung gegen den 84-jährigen Mann am Steuer ermittelt. Er hatte kurz vor Mitternacht die Großenhainer Straße Richtung Innenstadt befahren und am Beyerleinplatz den von rechts kommenden Ford übersehen.

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Die Unfallursache ist für die Polizei damit klar: eine Missachtung der Vorfahrt an der abbiegenden Hauptstraße. Doch nun fragen sich viele Meißner, wie es dazu kommen konnte. Denn den ganzen Tag über leuchtet an dieser Stelle die Ampel. Erst abends um 22 Uhr wird die Anlage abgeschaltet. Erfahrungsgemäß steigt damit die Unfallwahrscheinlichkeit.

Tatsächlich gilt die Kreuzung der Großenhainer Straße mit der Rosa-Luxemburg- und der Fabrikstraße schon jetzt als Unfallschwerpunkt. Vergangenes Jahr krachte es dort 17-mal. Dabei gab es sieben Verletzte. In den Jahren davor sind 18 und 20 Unfälle mit ähnlich vielen Geschädigten verzeichnet. Laut Stadt sei jedoch kein besonderer Zusammenhang zu den nächtlichen Abschaltungen der Ampel festzustellen, sagt Stadt-Sprecherin Katharina Reso. „Vielmehr sind die Unfallursachen vielfältig – es gibt beispielsweise Auffahrunfälle, Fahren bei Rot bis zur Nichtbeachtung von Fußgängern oder Radfahrern.“

Ein Grund dafür sei, dass die Kreuzung häufig überlastet sei – die tägliche Verkehrsmenge liege bei 120 Prozent dessen, was eigentlich verkraftbar wäre. Und ohnehin sei für die Schaltung der Ampel nicht die Stadt, sondern der Freistaat zuständig. Beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) bestreitet man allerdings vehement, über die Ein- und Abschaltung der Ampel bestimmen zu können. „Wir sind nur für den Unterhalt und die Schaltung der Ampel zuständig, nicht aber für die Anordnung der Zeiten“, sagt Sprecherin Isabel Siebert. Das lege die Verkehrsbehörde der Stadt Meißen ganz allein fest. Eine Verlängerung der Ampelzeiten sei technisch zwar ohne Weiteres möglich – allerdings nicht sonderlich zweckmäßig. „Nachts ist die Kreuzung überhaupt nicht ausgelastet.“

Dennoch weckt der Unfall am Beyerleinplatz die Erinnerung an einen ähnlichen Vorfall im vergangenen Herbst in Riesa. Auch dort am Lutherplatz war nachts die Ampel ausgeschaltet. Der 21-jährige Fahrer eines Audi raste mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde – erlaubt sind 50 – in den Passat eines 38-jährigen Familienvaters. Der erlitt durch die Wucht des Aufpralls so starke Verletzungen, dass er noch am Unfallort starb.

Als Folge entschied die Stadtverwaltung Riesa zwei Wochen nach dem Unfall, die Ampel am Lutherplatz auch nachts einzuschalten. Besonders der Fakt, dass die Polizei der Stadt mehrfach empfohlen hatte, die Ampeln aus Sicherheitsgründen rund um die Uhr einzuschalten – die Riesaer Verwaltung diese Empfehlung aber ignorierte, sorgte für Unverständnis. Statistiken legen nahe, dass die Unfallgefahr bei ausgeschalteten Signalen doppelt so hoch ist wie im eingeschalteten Modus.

Der Unfallfahrer von Meißen ist bereits genug bestraft: Der 84-Jährige wurde ebenfalls schwer verletzt. Der 20-jährige Fahrer des Ford erlitt leichte Verletzungen.