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Transfertag bei Dynamo

Alles wartet auf die Bestätigung des Duljevic-Wechsels, da geben die Dresdner die Verpflichtung von Eero Markkanen bekannt.

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© Dynamo Dresden/Steffen Kuttne

Von Tino Meyer

Dresden. Da ist ihnen ein kleiner Coup gelungen, den Verantwortlichen von Dynamo Dresden. Während sich die Mannschaft am Freitagmorgen auf zwei Trainingseinheiten vorbereitet und die Öffentlichkeit rätselt, wer die zwei offenen Stürmerstellen ausfüllen könnte, setzt der Fußball-Zweitligist zum unerwarteten Doppelschlag an. 9.08 Uhr wird die Verpflichtung des finnischen Stürmers Eero Markkanen bekannt gegeben und 10.36 Uhr dann der Transfer von Haris Duljevic, einem bosnischen Mittelfeldspieler.

Zwei Neuzugänge in nicht mal 90 Minuten – das ist mal eine Ansage, die Planung aber nicht abgeschlossen. „Erst mal bin ich zufrieden, und dann sehen wir weiter“, sagt Trainer Uwe Neuhaus. Ob für den wegen eines Kreuzbandrisses auf unbestimmte Zeit ausfallenden Pascal Testroet noch ein Stürmer verpflichtet wird, ist offen.

Man darf also gespannt sein, was und wer da noch kommt, zunächst aber auch, wen Dynamo gerade verpflichtet hat. Sowohl Markkanen als auch Duljevic sind ja keine Namen, die man schon mal gehört haben muss. Und sie passen auf den ersten Blick auch nicht ins Beuteschema – auf den zweiten aber umso mehr. Sowohl als auch, antwortet Neuhaus dann auch auf die Frage, was er sich von den beiden verspricht und wie schnell die Neuzugänge auf dem Spielfeld zu erwarten sind.

Bei Markkanen ist die Konstellation eindeutig: der klassische Ersatz für den nach Ingolstadt gewechselten Stefan Kutschke, selbst wenn ihn Neuhaus als Reaktion auf Testroets Verletzung bezeichnet. Soll heißen: Der 26-Jährige stand ohnehin auf Dynamos Zettel, nur haben die aktuellen Entwicklungen die Entscheidungsfindung beschleunigt. Das Ausscheiden der Schweden von AIK Solna, seinem bisherigem Verein, am späten Donnerstagabend in der Europa-League-Qualifikation in Braga, hat dazu sicher beigetragen.

Markkanen gehörte jedoch dort bereits nicht mehr zum Kader. Am Morgen danach unterschrieb der Finne schließlich in Dresden den Leihvertrag bis zum Ende der Saison, zudem hat sich Dynamo eine Kaufoption gesichert. „Damit sind wir im nächsten Sommer handlungsfähig, wenn er unsere Erwartungen erfüllen wird“, sagt Sportchef Ralf Minge, und Neuhaus betont nach den ersten Trainingseinheiten, „dass er seit längerer Zeit im Saft steht und schon viele Spiele in dieser Saison absolviert hat. Insofern gibt es bei ihm keine konditionellen Probleme.“ Schon am Montag beim Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli wird Markkanen dabei sein, und seine Stärken – Stichwort Typ Kutschke – kann Dynamo bestimmt gut gebrauchen.

Mit 1,97 Meter Körpergröße ist der Finne ein Mittelstürmer alter Prägung, also kopfball- und zweikampfstark. Mit dem Rücken zum Tor kann und soll er Bälle annehmen und ablegen. „Er ist ein Spieler, wie wir ihn gesucht haben“, sagt Neuhaus über den Angreifer, dessen Karriere aber offenbar zuletzt in eine kleine Sackgasse geraten war. Immerhin hat er 2014 mal für Real Madrids zweite Mannschaft gespielt. Minge kontert, Markkanen sei noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen – was ihn wiederum mit so manchem unbekannten Neuzugang der vergangenen zwei, drei Jahre verbindet.

Duljevic dagegen steht noch am Anfang seiner Laufbahn, dafür schon seit knapp einem Jahr im Fokus von Dynamo. Dresden ist die erste Auslandsstation für den 23-Jährigen, der zuletzt bei FK Sarajevo spielte. Den Auftaktsieg gegen Duisburg hat er live im Stadion erlebt und sich danach mit Minge auf einen Drei-Jahres-Vertrag geeinigt.

Ein Einsatz am Montag kommt aber viel zu früh, weil Duljevic momentan noch mal zu Hause ist und Formalitäten zu klären hat – und darüber hinaus auch deutlichen Trainingsrückstand. „Nach dem Ende in Sarajevo hat er den Urlaub etwas verlängert und für sich allein trainiert. Da wird es noch etwas dauern“, meint Neuhaus.

Was trotzdem für Duljevic spricht: Dynamos bekanntermaßen gutes Scouting sowie die Risikobereitschaft des Vereins, einen Spieler zu verpflichten, der selbst Englisch nur schlecht spricht und darüber hinaus mit kolportierten 400 000 Euro Jahresgehalt auf Anhieb zu den Topverdienern gehört. Verwunderlich ist allerdings, dass Duljevic erst jetzt und damit nach Saisonbeginn verpflichtet wurde und zudem bislang von keinem anderen Klub. Immerhin ist der offensive Mittelfeldspieler, mit dem Neuhaus auf den Außenbahnen plant, seit Juni vertragslos – und damit ablösefrei.

„Das sind so viele Unwägbarkeiten, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Da kann man Bücher darüber schreiben“, erklärt Neuhaus. Was das genau bedeutet, verriet er natürlich nicht...