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Trauer um Arzt aus Großdrebnitz

Der Mediziner Dr. Rolf Quart erlag einer schweren Krankheit. Seinen Patienten und Freunden hinterlässt er eine Botschaft.

© Archivfoto: Thorsten Eckert

Von Ingolf Reinsch

Großdrebnitz. Der Haus- und Facharzt Dr. Rolf Peter Quart ist tot. Wie seine Familie am Wochenende mitteilte, starb er am vergangenen Freitag.

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Dr. Rolf Peter Quart war es gewohnt zu kämpfen. Als weithin anerkannter Arzt und als Bürger, der seine Meinung offen vertrat, auch dann, wenn er sich damit nicht immer Freunde machte. Ich lernte ihn im Jahr 2001 kennen. Das Erbgericht in Großdrebnitz, jahrzehntelang der Dorfmittelpunkt, war gerade geschlossen worden. Im Dorf wurden zur selben Zeit Pläne diskutiert, eine alte Scheune zur Kulturscheune auszubauen. Zusammen mit dem damaligen Pfarrer Sebastian Führer schwamm Rolf Peter Quart gegen den Strom und regte an, statt in die Scheune ins Erbgericht zu investieren und dem Traditionsgasthof im Ort wieder eine Zukunft zu geben. Die Mahnungen von Arzt und Pfarrer dürften dazu beigetragen haben, dass sich der Verein „Freunde der Tenne“ gründete, der den Saal noch mehrere Jahre bewirtschaftete.

Das letzte Mal sprachen wir Mitte Februar miteinander. Akut erkrankt, sagte Dr. Rolf Peter Quart am Telefon: „Ich hoffe, meine Patienten bald wieder wie gewohnt versorgen zu können.“ Noch einmal wollte er kämpfen und hatte Hoffnung: „Ich bin von lieben Menschen umgeben, die mich betreuen, versorgen und die mir psychisch Halt geben.“ Als Mediziner sah Dr. Rolf Peter Quart den Fortschritt als „segensreich“ an. Doch er benannte auch die Schattenseiten: „Es wird heute zu viel operiert, anstatt alternative Heilmethoden zu nutzen“, sagte er. Er selbst nutzte sie als anerkannter Facharzt für Osteopathie.

Seine Kontakte zur Osteopathie und Chinesischen Medizin begannen bereits während des Studiums. Es folgten Kurse bei renommierten Ärzten und der Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin. Nach seinem Studium arbeitete er als Facharzt für Chirurgie in Krankenhäusern und Polikliniken unter anderem in Suhl, Markkleeberg und Zwenkau bei Leipzig. 1984 kam er nach Bischofswerda, fing hier mit manualtherapeutischen Sprechstunden an, war bis 1993 leitender Notarzt im Kreis Bischofswerda. Nach der Wende in der DDR bot sich ihm die Chance, ein Kurscurriculum der Osteopathie bei der Internationalen Manualmedizinischen Gesellschaft in San Francisco zu absolvieren. Der Großdrebnitzer erwarb dort das osteopathische Diplom und eine Lehrbefähigung. Seit Gründung seiner Praxis 1990 war die Manualmedizin der Schwerpunkt seiner Arbeit. Patienten aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich, Großbritannien und sogar aus Ghana kamen zur Behandlung nach Großdrebnitz.

Dr. Rolf Peter Quart wurde 67 Jahre alt. Seiner Familie und seinen Freunden wird er fehlen. Aber auch seinen Patienten. In einem bewegenden Schreiben sagt er Weggefährten und Patienten Adieu. Wörtlich heißt es darin: „Ich möchte mich heute von Ihnen verabschieden. Für Ihr langjähriges Vertrauen bedanke ich mich sehr. Meine Arbeit habe ich immer mit Freude getan und sie hat mein Leben mit Sinn erfüllt. Mein Kollektiv hat mit seinem Engagement und seinen exzellenten Fachkenntnissen wesentlich zum Praxiserfolg beigetragen. Dafür danke ich den Kolleginnen von Herzen. Bei Problemen mit dem Stütz- und Bewegungssystem oder dem Rücken können Sie sich an meine Frau wenden, die als Physiotherapeutin und Heilpraktikerin mit den gleichen Methoden und gleicher Wirksamkeit wie ich arbeitet. Friedvolle und glückliche Tage wünscht Ihnen Ihr Rolf Peter Quart.“