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Trauer zwischen Tattoos

Körperkunst, Sport und Mode. Das alles gab es am Wochenende auf der Tattoo-Convention. Und auch Platz zum Gedenken.

© Christian Juppe

Von Alexander Buchmann

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Auf den ersten Blick wirkt Rudolf Wendler aus Wilthen auf der Tattoo & Lifestyle-Messe in Dresden etwas deplatziert. Mit seiner unauffälligen Kleidung und den nackten Armen sticht er aus dem Heer der bunten Messebesucher geradezu heraus.

Das Tribal auf seinem Rücken und den Armen gefällt Nico Ritschel nicht mehr. Dank Tätowierer Tua entsteht daraus ein Motiv im polynesischen Stil.
Das Tribal auf seinem Rücken und den Armen gefällt Nico Ritschel nicht mehr. Dank Tätowierer Tua entsteht daraus ein Motiv im polynesischen Stil. © Christian Juppe
Zur besseren Anschauung zeigen Tätowierer ihre Kunst auf lebensechten Plastikarmen.
Zur besseren Anschauung zeigen Tätowierer ihre Kunst auf lebensechten Plastikarmen.

Trotzdem sitzt er am Sonnabend an einem der Stände und lässt sich tätowieren. Auf seinem linken Unterarm entsteht das farbige Porträt seiner Frau Renate. Dabei habe er sich früher nicht für Tattoos interessiert, sagt er. „Als vor einem halben Jahr meine Frau gestorben ist, habe ich mir vorgenommen, mir ein Tattoo machen zu lassen. Im Gedenken an sie“, erzählt er. Deshalb ist er mit ihrem Foto zur Convention gekommen.

Damit sitzt er am Stand des spanischen Tätowierers Jorge Sanz. Etwa vier Stunden sind geplant, bis das Bild für immer seinen Arm ziert. Die Schmerzen seien auszuhalten, und für seine Frau mache er das gern, sagt Wendler. Dass bei seinem ersten Tattoo gleich so viele Menschen an ihm vorbeilaufen, sich das entstehende Porträt und die anderen ausgehängten Arbeiten des Tätowierers anschauen, stört ihn nicht.

Das gilt auch für Sissy Grube, die unter der Nadel der Dresdner Tätowiererin Katinka liegt. Die 22-Jährige wird an ihrem Gesäß tätowiert. „Auf meinem Rücken habe ich schon eine Buddhafrau, die soll auf Blumen sitzen“, sagt die Chemnitzerin. Ihre Arme und Hände sind schon großflächig tätowiert. Das passe gut zu ihrem Job als Friseurin, erzählt Grube. „Das ist ja auch ein bunter Beruf, wo viel Farbe im Spiel ist. Und man sticht so aus der Masse heraus.“

Eine Ausnahme sind stark tätowierte Frauen ohnehin nicht mehr. Im Gegenteil. An den Ständen sind Frauen als Kunden – zumindest nach Beobachtung – in der Überzahl. Und mit Steffi Schulz wird die Convention auch von einer Frau organisiert. „Frauen sind mutiger geworden“, sagt sie. Die Zeit, in der Tattoos nur eine Randerscheinung waren, liegt ohnehin schon weit zurück.

Das zeigt sich auch am Konzept. Die Messe dreht sich nicht mehr nur um den Körperschmuck, sondern ebenso um Fitness, Mode und Beauty. So finden sich in den drei Hallen Schönheitssalons, ein Barbier samt Gin-Bar sowie ein Boxring und ein großes Fitnessareal. „Die Messe soll für jedermann etwas sein, nicht nur für Fachpublikum“, erklärt Schulz. Und so findet in dem ganzen Lifestyle auch ein Trauernder wie Rudolf Wendler seinen Platz.