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Trauergemeinschaft in Not

Weil sich die Zugtür nicht dort öffnet, wo die Gruppe zur Trauerfeier aussteigen will, muss sie eine Station weiter fahren. Das soll kein Einzelfall sein. Das Bahnnternehmen weist jegliche Kritik zurück.

© Archiv/Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak und Eric Weser

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Eine Zugfahrt ist kürzlich für fünf Fahrgäste der Mitteldeutschen Regionalbahn (MRB) zum Ärgernis geworden. Matthias Fiebiger wohnt direkt an der Eisenbahnstation Stauchitz. Er schildert dem DA, was vorgefallen ist: „Ich suche eine Reisegruppe aus der Region Döbeln, vermutlich aus Roßwein, die im Juni 2017 zu einer Trauerfeier in Ostrau wollte. Sie kam nach deren Aussagen aus Döbeln mit dem Zug und wollte in Ostrau aussteigen. Jedoch öffnete sich dort die Tür nicht. In Stauchitz öffnete sie sich zum Glück. Hier bat mich die Leiterin der fünfköpfigen Gruppe um Hilfe.“

Er möchte nun gern mithilfe der Zeitung die Gruppe finden, damit sie ihr Anliegen gegenüber der Mitteldeutschen Regiobahn äußern kann – auch, um zu beweisen, dass er kein Einzelfall ist. Denn Fiebiger stand selbst schon vor verschlossener Tür, kam nicht rechtzeitig raus. „Die MRB unterstellt, dass es keine Türstörungen gab, und auch keine bekannt sind“, ärgert sich Fiebiger. Für die Trauergemeinschaft in Not habe kurzfristig ein Taxi organisiert werden können „und alles war wieder gut“.

Matthias Fiebiger selbst hatte es Ende November erwischt. Mit der Linie RB 45, die ebenfalls von der MRB betrieben wird, wollte der Stauchitzer zwei Stationen bis Zschaitz fahren. Um auszusteigen, habe er die grün leuchtende Taste an der Zugtür gedrückt, erzählt Fiebiger. Die Tür habe sich jedoch nicht geöffnet. Der Stauchitzer sah sich gezwungen, weiterzufahren.

„Ich habe mich daraufhin gleich beim Zugbegleiter gemeldet und das Problem geschildert“, sagt Fiebiger. „Er sagte mir, ich hätte zu zeitig gedrückt, dann öffnet sich die Tür nicht mehr.“ Matthias Fiebiger hätte eine Ruftaste drücken sollen. „Dafür war aber gar keine Zeit“, sagt der Stauchitzer. Im Döbelner Hauptbahnhof habe er dann aussteigen können. Von Döbeln wollte er den Zug eine halbe Stunde später in die Gegenrichtung nehmen. „Das hatte mir der MRB-Zugbegleiter empfohlen.“ Doch es stellte sich heraus: Dieser Zug fuhr an diesem Tag nicht. „In meiner Verzweiflung habe ich mir ein Taxi gerufen, um noch pünktlich zu meinem Termin in Zschaitz zu kommen“, sagt Matthias Fiebiger. 20,10 Euro hat er dafür gezahlt.

Die MRB teilte ihm schriftlich mit: Es habe keine technische Störung der Tür vorgelegen. Man könne sich das Problem nur so erklären, dass Matthias Fiebiger „den Türknopf etwas zu früh betätigt“ hat. „In diesem Fall öffnet sich die Tür auch bei späterem, mehrfachem Betätigen nicht mehr.“

Bedienfehler des Fahrgastes

Auf eine Anfrage der Zeitung erklärt die MRB-Pressestelle: Sollte es zu Unregelmäßigkeiten mit den Türen kommen, gibt es ein Prozedere, das umgehend in Kraft tritt. Sobald es bei einem Triebwagen Störungen an einer Tür gebe, erhalte der Fahrzeugführer automatisch eine Information. Vor der Weiterfahrt müsse der Fahrzeugführer die Tür dann entstören. Gelinge das nicht, müsse die Tür abgesperrt und sichtbar mit Defekt-Schildern gekennzeichnet werden, so die Mitteldeutsche Regionalbahn. „Der Triebwagen wird dann aus dem Umlauf genommen und durch ein intaktes Fahrzeug ersetzt.“

Das Bahnunternehmen geht vielmehr von einem Bedienfehler des Fahrgasts aus. Man könne nicht nachvollziehen, ob die betreffenden Fahrgäste „den Taster nicht tief genug gedrückt haben.“ Der Knopf funktioniere nicht wie ein Touchscreen bei Berührung, „sondern muss mit einem gewissen Druck betätigt werden“.

Im sozialen Netzwerk Facebook finden sich ähnliche Erfahrungsberichte einiger MRB-Nutzer. Dennis Roquette berichtete: „Ich kam auch schon einmal in eine solche Situation, dass die Tür einfach nicht geöffnet worden ist, obwohl der Zug schon lange gehalten hat.“ Er wisse nicht, was er da möglicherweise falsch gemacht habe. „Auf jeden Fall liegt es in der Natur des Menschen, dass dann Panik entsteht und man wie behämmert auf den Knopf hämmert“, meint er.

Auch im Rahmen einer nicht repräsentativen Umfrage des Döbelner Anzeigers im Internet zu den Erfahrungen mit der Mitteldeutschen Regiobahn berichteten einige Nutzer von Türproblemen: „Auch wir haben erlebt, dass die Türen nicht aufgehen oder man sich einklemmt“, schreiben sie. Ein anderer Umfrageteilnehmer berichtet, die Mitteldeutsche Regiobahn habe ihm schriftlich mitgeteilt, dass „wenn zu zeitig gedrückt wird, die Tür sich danach überhaupt nicht mehr öffnet“.

Die betroffene Trauergemeinschaft kann sich direkt bei Matthias Fiebiger unter Telefon 035268 82012 melden.