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Traum vom Herd

In der Jugendkochschule der Görlitzer Diakonie entdeckte Samuel Püschner die Liebe zur Gastronomie – und wird jetzt Koch.

© Pawel Sosnowski

Von Matthias Klaus

Görlitz. Der Abschluss zehnte Klasse steht bevor, was nun? Eine Berufsausbildung muss her, aber welche? Wofür interessiert sich ein junger Mann im Alter von zarten 16 Jahren? Womit möchte er in Zukunft seinen Lebensunterhalt verdienen? Viele Fragen, die sich Familie Püschner stellte. Und vor allem Samuel Püschner. Der 16-Jährige hat inzwischen eine Entscheidung getroffen. Er wird Koch. Auf diese Idee kam er nach einem Kurs an der Jugendkochschule „Iss was“ im Janusz-Korczak-Heim. „Eine Woche lang haben wir dort mit Köchen aus Görlitz gearbeitet. Ich fand das einfach toll“, sagt Samuel Püschner. So toll, dass er noch einen zweiten Kurs anschloss, und feststellte: Ja, das ist mein Ding, ich ziehe das durch.

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Die Jugendkochschule hat ihre Wurzeln im Jahr 2014. Damals startete ein Projekt zur entwicklungsfördernden Ernährungspädagogik, Grundstein für die spätere Kochschule. Die Stiftung Diakonie-Sozialwerk Lausitz nahm sich als Träger der Sache an. Zwei Jahre später wurde die Jugendkochschule eingeweiht. Axel Krüger hatte sich beim Aufbau des Projektes besonders engagiert. „Am schönsten wäre es“, sagt er noch zur Eröffnung 2016, „wenn die ersten Kurs-Teilnehmer später die Trainer für die weiteren Kinder sein könnten.“ Und vielleicht, dass der eine oder andere Lust bekomme, später mal als Koch sein Leben zu bestreiten. Das ist mit Samuel Püschner nun geschehen. Er hatte über Facebook Kontakt zur Jugendkochschule gesucht. Nachdem er dort so richtig Küchenduft geschnuppert hatte, ging es weiter mit Praktika im Tuchmacher und in der Obermühle. „Das hat wirklich viel Spaß gemacht“, sagt Samuel Püschner.

Noch muss sich der Dittmannsdorfer allerdings um seinen Abschluss kümmern. Ab Herbst geht es dann los mit der Kochausbildung. Die Theorie des Berufes wird er am Berufschulzentrum in Görlitz erlernen. Einen Ausbildungsbetrieb hat er schon: die Klosterschenke in Ostritz. „Ganz ehrlich. Ich habe dort schon als Kind mittaggegessen. „Es hat immer sehr gut geschmeckt“, erzählt Samuel Püschner. Nun soll er in Zukunft also selbst hinter Töpfen und Pfannen in St. Marienthal stehen.

Samuels Vater Ralf Püschner unterstützt die Berufspläne des Juniors. „Natürlich ist ein Beruf in der Gastronomie schwierig“, weiß er. Arbeiten, wenn andere Feierabend haben, an Sonn- und Feiertagen – das gehöre nun mal dazu. Aber Ralf Püschner kennt das auch aus eigener Erfahrung. Er arbeitet als Krankenpfleger. Auch Samuel ahnt schon, worauf er sich eingelassen hat. Kochen, das Anrichten ist das eine in seinem künftigen Beruf. „Natürlich gehört in der Ausbildung aufräumen und abwaschen genauso dazu“, sagt er. In der Jugendkochschule hat er das alles schon erleben dürfen.

„Zuhause bin ich der Koch“, sagt Vater Ralf Püschner. Seine Frau übernimmt eher das Backen. Generell werde aber in der Familie kulinarisch viel herumexperimentiert. „Aber eigentlich sind wir nur Freizeitköche“, schmunzelt Ralf Püschner. So oder so: Gute Voraussetzungen also für die Koch-Karriere von Nachwuchs Samuel. Dass er die Kulinarik-Laufbahn einschlagen würde, so klar war das anfangs noch gar nicht. Samuel Püschner hatte sogar schon ein Praktikum als Glasbläser absolviert. „Aber ich wollte mal schauen, was es sonst noch gibt“, sagt er. Ein Handwerk erlernen, das hatte sich Samuel Püschner auf jeden Fall vorgenommen. Er möchte sich jetzt in der Ausbildung auf die regionale Küche konzentrieren, unter anderem. Ob er in der Klosterschenke in Ostritz auf Dauer bleiben wird, lässt der junge Mann offen. „Auf jeden Fall“, sagt er, „möchte ich in der Gastronomie später weiter arbeiten.“