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Ein Beet für Alle

Eine umweltfreundliche Hochschule? An der TUD soll das keine Idee bleiben: Ein Beet, dessen Erträge Alle ernten können ist nur der Anfang.

© Thorsten Eckert

Im Herzen des zentralen TUD-Campus summt und brummt es. Dank einiger engagierter Studierender wird zur Pflanzenblühzeit das Areal um eine langgestreckte Baracke hinter dem Hörsaalzentrum quasi zur „Einflugschneise“ für Bienen. Neben dem Studierendenrat (StuRa) und der Studentischen Arbeitsvermittlung hat hier die Umweltinitiative der TUD, kurz die tuuwi, ihren zentralen Stützpunkt. Rund 20 bis 30 engagierte Studierende aus allen Fachrichtungen treffen sich regelmäßig, um die drängenden Umweltund Nachhaltigkeitsthemen unserer Zeit an den Campus zu tragen. Dazu gehören auch Gemeinschaftsgärten und wilde Blühbeete für Insekten, wie hier rund um die StuRa-Baracke.

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Damit die fleißigen Helfer sich in den Beeten wohlfühlen, hat die TU Dresden eine Schmetterlingswiese als zusätzlichen Lebensraum für die Insekten eingerichtet.
Damit die fleißigen Helfer sich in den Beeten wohlfühlen, hat die TU Dresden eine Schmetterlingswiese als zusätzlichen Lebensraum für die Insekten eingerichtet.

Rechts vom Eingang wachsen seit dem vergangenen Frühjahr verschiedene Blumen und Kräuter wild durcheinander – ein Hort für Bienen und Schmetterlinge, die dieses wilde Kleinod auf dem Campus dankbar anzunehmen scheinen. Für den menschlichen Gaumen gedeihen in Hochbeeten und an Sträuchern Tomaten, Zucchini, Schnittlauch und Co. ebenso wie Johannis- und Himbeeren. In der Erde stecken handgeschriebene Schilder mit den Namen der Pflanzen. Ein Schild weist die Vorbeigehenden darauf hin, dass die Ernte für alle da ist. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit bestehen die Schilder aus alten Schieferplatten, die als Abfall bei der Sanierung einer der umliegenden Campus-Gebäude anfielen. Praktisch gelebte Nachhaltigkeit ist ohnehin ein zentrales Stichwort an der TU Dresden.

Tuuwi-Mitglied Jana Lintz weist gleich beim Betreten der StuRa-Baracke auf ein weiteres Projekt hin: den Papier-Pilz. Über einem Aufsteller hängt ein großes Schild mit der Aufschrift „Papier-Direkt-Recycling“. Studierende und Mitarbeiter werden dazu aufgerufen, altes einseitig bedrucktes Papier oder auch übrig gebliebene Plakate bei der tuuwi abzugeben. Aus dem Papier werden schicke Schreib- und Notizblöcke mit Ringbindung. Die kann sich jeder kostenfrei mitnehmen. Bereits seit zwei Jahren engagiert sich die 21-jährige Jana Lintz neben ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften für die tuuwi. Und verpasst selten eine der wöchentlichen Plenumssitzungen. Dass es bei der Umweltarbeit viel um Aufklärung geht, war der Studentin von Anfang an klar. Deshalb unterstützt sie als studentische Hilfskraft mit viel zusätzlichem Eigenengagement die Organisation der Umwelt-Ringvorlesungen, lädt Redner aus allen Bereichen der TU Dresden, aber auch auswärtige Gäste ein, die ihre Forschungsergebnisse und Projektvorhaben aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt vortragen.

Die Vorlesungen sind gut besucht, die Themen sprechen viele Studierende und etliche Gasthörer der Seniorenakademie an. „Da die Umweltvorlesung übergreifend für alle angeboten wird, sichert es Denkanstöße für Studierende, die bisher in den Themen wenig Bescheid wissen,“ sagt sie. Auch ihre tuuwi-Kollegin Kristin Winkler weiß von vielen weiteren Schritten in Richtung gelebter Nachhaltigkeit zu berichten. Das Meiste wurde von den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften der tuuwi angeregt oder umgesetzt. So erzählt sie etwa von den zwei „Bücherzellen“ auf dem Campus – also ehemaligen Telefonzellen, die heute Sammlungs- und Verteilungsort für ausrangierte Lehrbücher, Urlaubslektüre oder Zeitschriften sind. Die Studierenden nutzen dies rege. Außerdem hat die tuuwi in diesem Jahr ein besonderes Highlight zelebriert. Schließlich kann die studentische Initiative auf 30 Jahre erfolgreiche Campusarbeit zurückblicken.

Gefeiert wurde das im Mai mit einer großen Festwoche, die komplett unter dem Motto der Nachhaltigkeit stand. Neben Konzerten, Vorträgen und Mitmachaktionen gab es verschiedene Workshops. Einen leitete die gelernte Maßschneiderin und heutige Umweltwissenschaftsstudentin Kristin Winkler. Hier lernten die Studierenden, wie sie mit einfachen Kniffen aus alten Sachen Neues nähen können. Upcycling nennt sich das. Und weil es so gut ankam, soll es bald wiederholt werden.

Kathrin Brömmer (l.) und Dr. Ines Herr in einer der insgesamt acht Wildwiesen auf dem Campus. Kathrin Brömmer als Umweltmanagementbeauftragte der TU Dresden und Ines Herr als Umweltkoordinatorin haben noch viele Ideen für mehr Nachhaltigkeit.
Kathrin Brömmer (l.) und Dr. Ines Herr in einer der insgesamt acht Wildwiesen auf dem Campus. Kathrin Brömmer als Umweltmanagementbeauftragte der TU Dresden und Ines Herr als Umweltkoordinatorin haben noch viele Ideen für mehr Nachhaltigkeit. © Thorsten Eckert

Per Umweltbericht zum Vorreiter

All diese kleinen und größeren Projekte wären natürlich nicht ohne die administrative Unterstützung seitens der zuständigen TUD-Verwaltung möglich. Aufklärung ist deshalb auch für Kathrin Brömmer ein zentrales Stichwort für ihre Arbeit. Sie ist die Umweltmanagementbeauftragte der TU Dresden. Gemeinsam mit der Umweltkoordinatorin Dr. Ines Herr und weiteren Kollegen arbeiten sie an der schrittweisen Umsetzung des Projekts „Nachhaltiger Campus“ sowie der Koordination zahlreicher Aktivitäten im Bereich Umweltmanagement. Auch der jährlich verfasste Umweltbericht, zu dem sich die TU Dresden als erste technische Universität Deutschlands bereits 2003 freiwillig selbstverpflichtet hatte, landet auf ihren Schreibtischen.

Dass die TUD seither kontinuierlich der jährlichen Überprüfung des Umweltmanagement-Siegels EMAS standhält, macht die beiden sichtlich stolz. Um eine der konkret umgesetzten Aktivitäten zu besichtigen, müssen Kathrin Brömmer und Ines Herr nicht weit gehen. Direkt hinter ihrem Bürogebäude am oberen Ende des Campus befindet sich eine der derzeit acht insektenfreundlichen Wiesen, die es mittlerweile auf dem gesamten Campusgelände gibt. Jene Wildwiesen dienen den Insekten als Lebensgrundlage, weil sie nur selten und auch nur abschnittsweise gemäht werden. Sichtbare Zeichen für den Artenschutz. Weniger sichtbar, aber genauso wichtig, ist die Berücksichtigung des Vogelschutzes beim Betrieb und der Sanierung von Gebäuden, wie durch die Anbringung von Nistkästen für Turmfalken am SchumannBau, die rege frequentiert werden.

Auch Artenschutz und Nachhaltigkeit werden als wichtiger Bestandteil der Umweltinitiative umgesetzt. 
Auch Artenschutz und Nachhaltigkeit werden als wichtiger Bestandteil der Umweltinitiative umgesetzt.  © Thorsten Eckert

Masterplan Campusgestaltung

Ein weiteres konkretes Projekt, das seit 2017 umgesetzt wird, ist der Masterplan Campusgestaltung, zu dem beispielsweise auch Lernorte im Grünen gehören. Kathrin Brömmer ist begeistert vom Seminarraum im Freien, mit Bänken und Tischen, an dem auch alternative Lehrkonzepte ausprobiert werden können – passenderweise neben dem Weber-Bau, in welchem die Fakultät für Erziehungswissenschaften sitzt. Auch sonst ist in den letzten zwei Jahren am Campus viel passiert: Seien es die Fahrradabstellmöglichkeiten überall, eine Fahrradreparaturstation oder auch die Einführung von Mehrwegbechern in allen Mensen sowie ein konsequentes Abfalltrennsystem an allen Campusstandorten. 

Das Verhalten der Studierenden und Mitarbeiter wird ökologischer, das sei überall zu spüren, erklärt Umweltkoordinatorin Ines Herr. Um alle Institute und Kollegen konkret anzusprechen und zu mehr Nachhaltigkeit anzuregen, hat das Umweltmanagement der TU Dresden zum Beispiel die Büroartikel-Tauschbörse ins Leben gerufen. Und auch das Paket „Grüner Tagen“ leistet einen Beitrag gegen Ressourcenverschwendung. So gibt es im „Ausleihpaket“ für die Unimitarbeiter Porzellangeschirr, Gläser und wiederverwendbare Schilder, damit sie ihre Tagungen oder Workshops nachhaltig gestalten können. „Wir denken in kleinen Schritten“, erklärt Ines Herr. Die Gebäude und Flächen, die die TU Dresden nutzt, werden vom Freistaat Sachsen, genauer vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) betrieben. Jeder Vorgang muss genau abgestimmt werden. „Man braucht Geduld und Beharrlichkeit“, bekräftigt Kathrin Brömmer. Schließlich habe die TU Dresden eine Vorbildfunktion. „Wir bilden die Köpfe von morgen aus.“ 

Die Aktionen der Studierenden der tuuwi sieht sie dabei als wichtige Ergänzung. Als es beispielsweise um die Rettung eines kleinen Teichs ging, der den Gebäudesanierungsarbeiten am Campus weichen sollte, organisierte die tuuwi buchstäblich über Nacht die Protestaktion „Save the Teich“ mit Bannern und verschiedenen Aktionen. Wie hier sei es oft so, dass die tuuwi den Finger in die Wunde legt. Aufgabe des TUDUmweltmanagements sei es dann, die Ideen praktisch umzusetzen, Genehmigungen einzuholen und Rechte zu prüfen. 

Das Potenzial der Mischung aus Visionen und guten Ideen der Studierenden sowie dem bedachten Umweltmanagement der Universität ist groß. Das Projekt „Nachhaltiger Campus“ wird damit langsam aber sicher Realität.

www.tu-dresden.de/umwelt 

www.tuuwi.de

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