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Sachsen

Trend zum Stiften in Sachsen hält an

Stiftungen helfen sozial Schwachen, fördern Bildung, Kultur oder Tierschutz. In Sachsen gibt es nach der Flaute wieder einen Gründerboom.

Stiftungen widmen sich einem bestimmten Zweck. Gründer können damit fördern, was ihnen besonders wichtig ist.
Stiftungen widmen sich einem bestimmten Zweck. Gründer können damit fördern, was ihnen besonders wichtig ist. © Inga Kjer/dpa

Dresden. Krebsforschung, Privatschulen, Künstlernachlässe: In Sachsen liegt das Stiften weiter im Trend. "Trotz der nach wie vor schwierigen Situation am Kapitalmarkt gibt es Neugründungen - teilweise mit höheren Beträgen", sagte Winfried Ripp von der Bürgerstiftung Dresden. Derzeit sind landesweit nach Angaben des Innenministeriums 580 Stiftungen anerkannt - elf mehr als Ende 2018. Laut Ripp ist dabei vor allem im Bereich der mittleren Größe mit Gründungskapital zwischen 500.000 Euro bis 1,5 Millionen Euro viel Bewegung. Die Gesamtspanne reicht vom geringen fünfstelligen Betrag bis zum Millionenvermögen.

Bei der Kapitalausstattung haben vor allem größere Erbschaften an Bedeutung gewonnen. "Wir merken, dass zunehmend Menschen ohne Angehörige wollen, dass ihr Vermögen über eine Stiftung für Dinge verwendet wird, die ihnen im Leben wichtig waren." Meistens sind es alleinstehende Ältere oder Ehepaare ohne Kinder, die Vermögen in teils konkrete Dinge investieren - vom Musikfestival bis zur Wildvogelauffangstation.

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Eine neue Tendenz ist die Beratung auch namhafter Künstler, die ihre Werk sichern wollen. "Da braucht es neben den Kunstwerken auch Kapital für Lagerung, Restaurierung und Ausstellung." Zudem suchen Firmen und Handwerker Hilfe für eine langfristige Nachfolge. "Nicht als Steuerspar-, sondern als Sicherungsmodel", sagte Ripp. Manchmal sei das auch mit einer gemeinnützigen Stiftung verknüpft.

Als Alternative zur Ertragsgewinnung am Kapitalmarkt setzen Stifter vermehrt auf Immobilien. Dabei sollten mehrere Stiftungen gemeinsam investieren und dann vermieten, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. "Es geht nicht um Spekulation, sondern um langfristige Mieterträge." Vor allem kleineren Stiftungen helfen laut Ripp Kooperationen und Netzwerke, um von Förderungen und Strategien zu profitieren. "Für die Allgemeinheit ist die kleinste Stiftung gut, auch wenn sie pro Jahr nur zwei Veranstaltungen finanziert."

Die meisten gemeinnützigen Stiftungen engagieren sich für Kunst und Kultur, den Sozialbereich oder für Natur- und Tierschutz. Sie fördern Museen, Ausstellungen, Festivals oder die Pflege eines Biotops, aber auch Behinderteneinrichtungen und Senioren, die am Existenzminimum leben. Kinder und Jugendliche indes stünden weniger im Fokus, obwohl der Bedarf sehr groß ist. "Stifter sind meist älter und denken an Gebrechen oder soziale Not im Alter", erklärte Ripp. Ein Stifter in Bautzen, der Musikschulunterricht finanziert, sei "die absolute Ausnahme".

Unter den Neugründungen diesen Jahres sind nach Ministeriumsangaben mehrere gemeinnützige Stiftungen und auch Familienstiftungen. Dabei nehme die Zahl der Stiftungen zu, die einen Teilverbrauch ihres Vermögens vorsehen - wohl geschuldet der Niedrigzinsphase, wie eine Sprecherin sagte. Auch eine weitere Entwicklung sei bemerkenswert: Die Stifter würden jünger. "Die früher klassische Stiftung von Todes wegen wird im Vergleich zu früher seltener von Notaren oder Testamentsvollstreckern beantragt." (dpa)