Merken

Trennung mit verdrehtem Arm

Ein Paar aus Pirna hat sich ausgeliebt. Der Zoff um Handy und Waschmaschine eskaliert. Und der Mann wird angeklagt.

Teilen
Folgen
© ZB

Von Stephan Klingbeil

Pirna. Am Anfang sei alles einfach nur schön gewesen. Die 23-jährige Copitzerin erinnert sich noch genau, wann sie mit Sven H. zusammenkam. Am 11. Dezember 2013 sei das gewesen. „Wir kannten uns schon sieben Jahre, ich habe ihn geliebt, wir haben viel zusammen gemacht, später wurde alles nur noch negativ“, sagt die Hauswirtschafterin. „Und dann passiert so was!“

Was die junge Frau damit meint? Nach endlosen Streitigkeiten gab es vor über fünf Monaten einen letzten großen Zoff. Und dieser beschäftigte am Montag das Amtsgericht in Pirna. Denn bei der Auseinandersetzung am 24. Juli 2015 in der damaligen gemeinsamen Pirnaer Wohnung soll Sven H. handgreiflich geworden sein.

Dem 36-Jährigen wird vorgeworfen, dass er seine damalige Partnerin im Streit am linken Arm gepackt und diesen so verdreht haben soll, dass sie ärztlich behandelt werden musste. Die Frau habe zudem bei dem Vorfall einen Bluterguss und eine Stauchung des Ellbogengelenks erlitten.

„Ja, ich habe sie festgehalten, aber ich habe halt mehr Kraft“, sagt Sven H. zu den Verletzungen. Den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung akzeptierte er aber nicht. Es habe doch eine „Vorgeschichte“ gegeben. Er und nicht seine Partnerin hätte sich vor dem Vorfall im Bad jener Wohnung getrennt. „Sie hat mir damals nur noch Vorwürfe gemacht“, sagt er. „Und als ich sie vor dem Tag nicht erreicht hatte, habe ich meinen Beziehungsstatus bei Facebook auf Single gestellt.“

Angeklagter bald wieder vor Gericht

Als er dann gegen Mittag nach Hause gekommen sei, wäre die Frau ausgerastet. „Sie hat auf meinem Rücken rumgetrommelt, aber ich bin doch nicht der persönliche Boxsack von irgendjemandem.“ Damit sie aufhört, hätte er sie „festgehalten“. Eine Körperverletzung sei dies nicht gewesen.

Seine Ex-Partnerin hat indes eine andere Erinnerung. Es habe zuvor oft Streit gegeben. „Ich habe ihm alles bezahlt, aber er lag zu Hause auf der faulen Haut, hat Hartz vier kassiert, sich nicht um den Haushalt gekümmert“, klagt die 23-Jährige. „Und als ich nach Hause kam, maulte er mich an.“ Die Liebe war wohl schon längst verflogen.

Als sich die beiden im Bad treffen, geht es um ihre Wäsche in seiner Waschmaschine. Und es geht um ihr Handy, das Sven H. an sich gerissen haben soll. Beide belegen sich. Dann greift er zu. Später erwirkt sie, dass sich der vorbestrafte Pirnaer bis Ende Januar 2016 nicht nähern darf. „Kein Mann hat das Recht, eine Frau zu schlagen“, sagt sie. Das Gericht gibt ihr recht, glaubt aber nicht, dass die Frau völlig unbeteiligt war an dem handfesten Streit. Auch vor Gericht merkt man die Spannung. Es ist ein Rosenkrieg. Wo einst Liebe war, ist nun Hass.

„Sie hätten sich schon früher trennen müssen“, sagt die Richterin zur 23-Jährigen. Das Gericht folgt dann dem Antrag der Staatsanwältin und stellt das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. Doch aus dem Schneider ist Sven H. nicht. Auf ihn warten bald noch zwei neue Prozesse wegen Volksverhetzung – und Körperverletzung.