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Treue Biertrinker

Die Görlitzer Landskron Brauerei behauptet sich auf einem schwierigen Markt. Dank Qualität, Investitionen und Ideen.

© Nikolai Schmidt

Von Sebastian Beutler

Görlitz. Uwe Köhler ist in Görlitz angekommen. Vor einem Jahr merkte man dem frisch gekürten neuen Geschäftsführer noch die Unsicherheit an, als er nach zehn Wochen im Amt zur ersten Pressekonferenz lud. Unter dramatischen Vorzeichen – sein Vorgängen war plötzlich verstorben – war er nach Görlitz gekommen, kannte das Unternehmen noch nicht recht. Alles neu hätte er lernen müssen. Selbst gestern, als er die Bilanz der Brauerei fürs vergangene Jahr zog und Ausblick für dieses Jahr gab, sagte er launig: „Durch die 150-jährige Geschichte dieser Brauerei bin ich noch immer nicht ganz durch.“

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Aber das (Vertriebs-)Geschäft hat Köhler fest in der Hand. Der Job mache Spaß, sagt er, und nennt sein erstes Jahr ein spannendes. Die Lohbeck-Stiftung als Eigentümer der Brauerei setzt in ihn die Hoffnung, dass er wie sein Vorgänger wieder mehr Bier verkauft. Und das an einem schwierigen Markt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes tranken die Deutschen im vergangenen Jahr so wenig Bier wie seit der Wiedervereinigung nicht. Setzten die deutschen Brauereien Anfang der 1990er Jahre noch über 110 Millionen Hektoliter Bier ab, waren es im vergangenen Jahr nur noch 93,5 Millionen Hektoliter – fast 20 Prozent weniger. Doch die Landskron Brauerei konnte dem Trend widerstehen, setzte 2,2 Prozent mehr Bier ab und kommt nun auf 148 000 Hektoliter – da ist die Fassbrause allerdings auch dabei. Doch neue Sorten wie Edel-Bitter oder Lager sorgten eben auch für mehr Absatz. Zumal die Landskron Brauerei viele Ideen entwickelt habe, um ihre Kunden zu belohnen.

Eine davon ist das digitale Gewinnspiel. Dafür wurde sogar eine eigene App entwickelt, die man sich im Internet herunterladen kann. Der Vorteil für alle Kunden: Den Gewinncode, der in jedem Kronkorken zu finden ist, kann man scannen und erfährt sofort, ob man unter den Gewinnern ist. 15 000 Kunden hätten diese App heruntergeladen, mehr als eine Million Codes wurden gescannt. Für Marketing-Chefin Annett Gernhardt ein Riesenerfolg. „Alle 5 000 Sofortgewinne konnten wir verlosen“, sagt sie stolz. Das erste der versprochenen drei E-Bikes nahm jetzt ein Biertrinker aus Dresden entgegen. Köhler sieht in diesem Gewinnspiel auch die Möglichkeit der Görlitzer Brauerei, ihren Kunden etwas zurückzugeben. „Den Dumpingwettbewerb bei den Bierpreisen können und wollen wir nicht mitmachen“, sagt er. „Aber mit dem Gewinnspiel können wir auf unsere Art Danke für die Treue der Kunden sagen.“ Und das soll auch dieses Jahr wieder der Fall sein: Ende April startet das neue Gewinnspiel, an dessem Ende sogar ein Kleinwagen dem glücklichen Sieger winkt.

Dass die Brauerei auch alles dafür tut, um mit der Qualität des Bieres die Kunden bei der Stange zu halten, bestätigte auch wieder die Prüfung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Fünf Biere schickte Braumeister und Geschäftsführer Matthias Grall ein, fünfmal erhielt er eine Goldmedaille. Anschließend konnte er die Urkunde des „Preises für langjährige Produktqualität“ nach Hause mitnehmen. Seit 21 Jahren holt er Goldmedaille um Goldmedaille bei dieser Prüfung. „Darauf können wir stolz sein in Görlitz“, sagt Grall. „Und unsere Mitarbeiter zeigen damit, welch guten Job sie machen.“

Dafür investiert Landskron auch. Zum einen in Technik, wo alte Tanks peu a peu durch neue ersetzt werden. Zum anderen auch im Vertrieb. So gibt es ab sofort drei Biersorten wieder in der 0,33 Liter-Flasche. Eine Rückkehr zu einer alten Tradition. Auch die Flaschenform ist dieselbe wie früher. Einen neuen Landskron Bier-Truck hat sich das Unternehmen geleistet, er soll die Brauerei bei großen Festen in Brandenburg und Sachsen, ihren Hauptvertriebsgebieten, vertreten. Zugleich organisiert Lands-kron auch in diesem Jahr das Braufest vom 8. bis 10. Juni sowie Open-Air-Auftritte wie von Matthias Reim am 20. Juli auf dem Brauhof und wird alle deutschen Spiele bei der Fußball-WM in Russland auf einer Großleinwand übertragen – auf dem Ereignis liegt die Hoffnung aller Brauereien.

Landskron macht das alles natürlich, um wirtschaftlichen Erfolg zu haben, den Job der 70 Mitarbeiter zu sichern. „Aber wir machen es auch für diese Stadt“, sagt Uwe Köhler. Und engagiert sich damit auch im Tourismus. Bestes Beispiel dafür seien die Braukurse. Mit zwei im Jahr fing Braumeister Matthias Grall an, jetzt sind es über 25. Dabei können sich Interessierte ihr eigenes Bier an einem Tag brauen. „Bis aus Hamburg, Berlin und Leipzig kommen die Buchungen“, sagt Grall. Und weil der Kurs bis spät in den Nachmittag reicht, übernachten viele auch in Görlitz. Reiseveranstalter nehmen Brauerei-Führungen in ihr Görlitz-Aufenthaltspaket hinein, wie man es sonst nur von irischen Whiskey-Destillen gewohnt ist. 25 000 Besucher nahmen im vergangenen Jahr an einer Führung teil. „Das zeigt“, ist sich Matthias Grall sicher, „wir sind genau die richtige Brauerei für diese Stadt“. Auch Uwe Köhler ist sichtlich stolz, wie viele Ideen bei Landskron umgesetzt werden. Und in die Geschichte seiner Brauerei sollte er sich nun auch schnell vertiefen: Im kommenden Jahr feiert Lands-kron sein 150-jähriges Bestehen.