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Triple-Sieg beim Seefeld-Triple

Eric Frenzel gewinnt den begehrten Pokal in der Nordischen Kombination zum dritten Mal. Dabei schien nach einem Sturz schon alles verloren.

© dpa

Von Uwe Wicher, Seefeld

Für einen Hype um seine Person ist er nicht zu haben. „König von Seefeld“, „Seine Majestät“ oder nur „Mister Seefeld“ - wie möchte er denn genannt werden? So wurde er auf der Pressekonferenz gefragt. „Ich heiße Eric Frenzel, und wer mich so nennt, macht alles richtig“, entgegnete der gefragte Mann aus dem Erzgebirge freundlich lächelnd.

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Der 27-Jährige hat allerdings am Wochenende alles getan dafür, dass er mit Superlativen bedacht wird. Mit dem dritten Gesamttriumph im Seefeld-Triple, wie der dreitägige Wettkampfkomplex in der Nordischen Kombination genannt wird, setzte der Olympiasieger, Weltmeister und Weltcupgewinner einen weiteren Glanzpunkt in seiner erfolgreichen Karriere. „Ich habe heute innerhalb weniger Stunden alle Tiefen und Höhen eines Sportlebens durchgemacht. Jetzt bin ich überglücklich und überrascht, dass ich tatsächlich wieder ganz oben stehe“, erklärte Frenzel nach dem vollbrachten Hattrick.

Er nannte wohl ganz bewusst das Negative zuerst. Denn der schon so gut wie sichere Triple-Sieg verschwand am frühen Nachmittag im Schneetreiben am Aufsprunghang der Seefelder Toni-Seelos-Schanze. Frenzel geriet bei seinem Sprung etwas nach rechts und damit bei der Landung in den stumpfen Neuschnee – Sturz.

„Im ersten Moment war ich geschockt. Das war es, dachte ich. Alle Karten in meiner Hand, die ich mir durch harte Arbeit in den ersten beiden Tagen erarbeitet hatte, waren plötzlich weg“, schilderte Frenzel seine Gemütsverfassung. Dass die Bedingungen phasenweise irregulär waren, erwähnte er mit keinem Wort. Minutenlang zog er sich in eine Holzhütte am Rande des Areals zurück. „Ich wollte meine ganze Wut über den Sturz in die Motivation für den Langlauf lenken“, erzählte er.

Fast Unmenschliches geleistet

Dass Frenzel noch am selben Nachmittag ein Hoch erleben konnte, gehört zu den Sternstunden des Sports. Nach dem Sturz verwandelten sich die 18,7 Sekunden Vorsprung, die er nach zwei Triple-Tagen vor dem Japaner Akito Watabe hatte, in einen Rückstand von 56 Sekunden. Angesichts des tiefen Geläufs auf der 10-km-Strecke und der Stärke Watabes schien eine Wiedereroberung der Spitzenposition aussichtslos zu sein.

„Einen kleinen Hoffnungsschimmer sahen wir noch. Doch als Eric in der Mitte des Rennens kaum noch Zeit aufholen konnte und sogar noch etwas verlor, war es eigentlich entschieden“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch, der immer wieder ungläubig den Kopf schüttelte über das, was er da soeben erlebt hatte. „Eric hat beinahe Unmenschliches geleistet“, resümierte Weinbuch, einst selbst Weltmeister in dieser komplizierten Wintersportdisziplin.

Der Hauptakteur zog sich an einer Erfahrung hoch, die er in einer ähnlichen Situation machte. Gegen den Norweger Haavard Klemetsen hatte er mal einen Rückstand von eineinhalb Minuten wettgemacht. „Aber da ging es über 15 Kilometer.“ Und so hatte er diesmal seine Chancen innerlich schon schwinden sehen, „bis ich plötzlich von den Trainern und Betreuern anfangs der dritten Runde hörte, dass Watabe gestürzt ist und müde wird“.

Was Frenzel danach an neuen Kräften mobilisierte, war unglaublich. „Ich wusste, dass ich zum Schluss noch zusetzen kann, doch auf einmal stand er vor mir.“ Der Japaner war offensichtlich so geschockt, dass er Frenzel ohne jegliche Gegenwehr vorbeiließ. „Er ist der Mister Perfectly in unserem Sport“, meinte der Geschlagene anerkennend über seinen Bezwinger. Mit nun 28 Weltcup-Siegen stellte Frenzel zudem den deutschen Rekord von Ronny Ackermann ein. „Jetzt hoffe ich, dass er auch noch an mir vorbeigeht“, meinte dieser.

Im Seefelder Stadtrat, so hieß es nach dem denkwürdigen Wettbewerb gestern Abend, soll Eric Frenzel ein Tagesordnungspunkt einer Sitzung sein. Umbenennung einer Straße? Ernennung zum Ehrenbürger? Niemand wusste Genaueres. Auch Frenzel nicht. Für ihn stand nur fest, dass er im nächsten Jahr wiederkommt.