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Trojanisches Pferd soll auf Reise gehen

Gruppen aus zwei Städten wollen die Figur ausstellen. Die Erbauer planen weitere Projekte.

© René Meinig

Von Christoph Springer

Dutzende Menschen diskutieren, manche streiten laut und heftig. Das Styroporpferd vor dem Kulturpalast wird fotografiert und es wird dagegen protestiert. Ein junger Mitstreiter der Erbauer gibt unterdessen mit Helm und Schild den Beschützer der Figur. Er ist letztlich zu keiner Zeit gefragt, denn das gesamte Wochenende blieb es friedlich rings um das fünf Meter hohe, eckig geschnittene Werk, das die Initiative „Kunst ist frei – das Trojanische Pferd“ aufgestellt hat. Sie wollte damit „ein temporäres und künstlerisches Sinnbild für die Situation in unserem Land“ schaffen, in dem aus ihrer Sicht die demokratische Mitbestimmung in existenziellen Fragen verwehrt wird.

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Das "Trojanische Pferd"

Erste Besucher trotzen dem Regen unter dem Balkon des Kulturpalastes.
Erste Besucher trotzen dem Regen unter dem Balkon des Kulturpalastes.
Viele Kunst-Interessierte scharrten sich um die Koppel des "Trojanischen Pferdes" und warteten auf die Offenbarung aus dem Bauch - aber die blieb aus.
Viele Kunst-Interessierte scharrten sich um die Koppel des "Trojanischen Pferdes" und warteten auf die Offenbarung aus dem Bauch - aber die blieb aus.
René Jahn hielt den Rednern den Schirm, so auch DJ Happy Vibes.
René Jahn hielt den Rednern den Schirm, so auch DJ Happy Vibes.
Zwei-Klassen-Gesellschaft: Die einen blieben trocken unterm Balkon des Kulturpalastes, die anderen trugen Schirm.
Zwei-Klassen-Gesellschaft: Die einen blieben trocken unterm Balkon des Kulturpalastes, die anderen trugen Schirm.
Ein kleines Zelt bot den potenziellen Rednern ein wenig Schutz vor dem Regen.
Ein kleines Zelt bot den potenziellen Rednern ein wenig Schutz vor dem Regen.
Ein Gabelstapler hievte den Pferdekörper auf die fest verschraubten Beine.
Ein Gabelstapler hievte den Pferdekörper auf die fest verschraubten Beine.
Mit Augenmaß und Trittsicherheit bauen die Künstler die Komponenten zusammen.
Mit Augenmaß und Trittsicherheit bauen die Künstler die Komponenten zusammen.
Die kreativ gestaltetet Warnweste zeigt das Motto der Kunst-Aktion.
Die kreativ gestaltetet Warnweste zeigt das Motto der Kunst-Aktion.
Das Miniaturmodell des "Trojanischen Pferdes" besitzt gar homereske Züge, verfügt über einen Schweif und die obligatorischen Räder.
Das Miniaturmodell des "Trojanischen Pferdes" besitzt gar homereske Züge, verfügt über einen Schweif und die obligatorischen Räder.
Ein Foto vom Pferd fürs Familienalbum.
Ein Foto vom Pferd fürs Familienalbum.

Es ging um Sätze wie Angela Merkels „Wir schaffen das“, den die Bundeskanzlerin 2015 sagte. Damals kamen täglich Tausende Flüchtlinge nach Deutschland. Nicht jeder Besucher der Installation vor dem Kulturpalast mochte das so konkret ansprechen. Die Dresdnerin Marion Müller tat es. „Das hat was mit Migration zu tun“, stellte sie fest. Sie empfand das Pferd zugleich als kriegerisches und friedliches Symbol. Kunst sei es nicht. Jürgen Liebezeit sah es ähnlich. „Wir wissen ja, dass wir alle belogen und betrogen werden“, sagte der 80-Jährige, „die kleinen Leute werden verarscht“. Zum Beispiel habe die Bundesregierung „massenweise Handfeuerwaffen“ ins Krisengebiet im Nahen Osten geliefert, „ohne jemanden zu fragen“. Das Trojanische Pferd sei ein gutes Symbol, meinte Jürgen Liebezeit, ein Kunstwerk sei die Figur aber nicht.

Die Erbauer sind da anderer Ansicht. Sie sehen ihre Arbeit in einer Reihe mit Kunstinstallationen wie dem Busse-Monument, das Anfang 2017 zwei Monate lang auf dem Neumarkt stand. Dennoch haben sie sich bewusst gegen den Platz vor der Frauenkirche entschieden. „Der stand nie zur Diskussion“, sagte René Jahn, Sprecher der Initiative. „Wir wollten uns mit dem Trojanischen Pferd ganz bewusst nicht gegen etwas stellen.“ Der Platz vor dem Kulturpalast sei erste Wahl für die Aktion mit der 500 Kilo-Arbeit gewesen.

Der Ort war gut gewählt, hat nach ihrer Ansicht der Zuspruch bewiesen. Konkrete Besucherzahlen gibt es nicht, es seien aber mehrere Tausend Menschen gewesen, glaubt Jahn. „Wir haben gehofft, dass viele kommen, aber mit diesem Ausmaß haben wir nicht gerechnet“, stellte er am Sonntagnachmittag fest.

Nicht alle akzeptierten die Erklärung der Pferderbauer, es gehe ihnen um mehr demokratische Mitbestimmung. Zum Beispiel Sandra Müller nicht. „Das hat eine deutlich politische Richtung, es ist konservativ und nicht sehr integrativ für Geflüchtete“, sagte die 24-jährige Studentin. Familienvater Felix Keil, der mit seinen zwei Söhnen vor den Kulturpalast gekommen war, ließ kein gutes Haar an dem Projekt. „Das ist für mich ein Ableger von Pegida und AfD“, urteilte der 36-Jährige über die Gruppe, die das Pferd gebaut und den Stellplatz organisiert hat. „Hier wird versucht, Einfluss auf die politische Willensbildung zu nehmen, ohne dass man sagt, woher man stammt.“

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Das Styroporpferd soll ab Montagnachmittag abgebaut werden. René Jahn berichtete, Gruppen aus zwei Städten hätten bereits Interesse an der Figur angemeldet. Aus welchen Städten diese potenziellen Aussteller stammen, wollte er noch nicht sagen. Jahn kündigte aber weitere Projekte der Initiative „Kunst ist frei“ an. Dabei soll es wieder um Politik gehen, Anlass wären die Kommunalwahlen im Frühjahr 2019 in Sachsen.