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Döbeln

Trotz Corona gut zu tun

Die Pandemie bleibt auch für das Handwerk nicht ohne Folgen. Doch nicht alle Branchen sind davon betroffen.

Ein Maler spachtelt die Wände eines Zimmers. Die Auftragsbücher der Handwerker in der Region Döbeln sind trotz Corona-Krise offenbar gut gefüllt.
Ein Maler spachtelt die Wände eines Zimmers. Die Auftragsbücher der Handwerker in der Region Döbeln sind trotz Corona-Krise offenbar gut gefüllt. © Patrick Pleul/dpa

Die Ausbreitung des Coronavirus hat zu massiven Einbrüchen der Wirtschaftstätigkeit geführt – auch die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Chemnitz sind davon stark betroffen. So berichten laut einer Umfrage, die der Zentralverband des deutschen Handwerkes (ZDH) gemeinsam mit den Handwerkskammern und Fachverbänden durchführt, acht von zehn Betrieben von durch die Corona-Pandemie bedingten Umsatzrückgängen.

In den einzelnen Branchen ist die Betroffenheit jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Sächsische.de und Döbelner Anzeiger fragten bei Unternehmen des Ausbaugewerbes – dazu gehören unter anderem Maler, Installateure und Heizungsbauer, Tischler, Elektriker und Fliesenleger –, wie sich die Krise auf ihre Firmen auswirkt. Laut der letzten Umfrage des ZDH von Ende April waren im Ausbaugewerbe im Bereich der Handwerkskammer Chemnitz 66 Prozent der Betriebe von Umsatzrückgängen betroffen. 44 Prozent mussten Auftragsstornierungen hinnehmen.

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Bis Frühjahr 2021 ausgebucht

Doch dieser Trend scheint sich für die Firmen in der Region Döbeln nicht zu bestätigen. „Bei uns hat es keinen Abbruch gegeben“, sagt Thomas Spindler von der Installationstechnik Döbeln. Der Betrieb mit etwa 30 Mitarbeitern bekommt seine Aufträge fast ausschließlich von Privatleuten und aus der Industrie. Lutz Felgner, Inhaber der gleichnamigen Firma für Sanitärtechnik in Hartha, ist ebenfalls zufrieden. „Wir sind bis Ende des Jahres ausgebucht. Auch mit den Materiallieferungen hatten wir bisher keine Probleme“, sagt er. Der Zwei-Mann-Betrieb arbeitet vorwiegend für private Kunden.

Die Firma Heizungstechnik Waldheim hat 27 Mitarbeiter. „Unsere Aufträge kommen aus der Industrie und von der öffentlichen Hand“, sagt Geschäftsführer Dirk Thate. Die meisten Aufträge seien bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie akquiriert worden. Die Bücher seien bis ins Frühjahr 2021 voll. Ähnlich gut sieht es bei der HSG Haustechnik Roßwein aus. Die zehn Mitarbeiter des Unternehmens haben bis Ende des Jahres gut zu tun. „Wir übernehmen Aufträge für Kunden aus allen Bereichen, auch wenn wir mit einigen öffentlichen Stellen nicht so gern zusammenarbeiten“, sagt Geschäftsführer Dieter Schulze.

Keine Kurzarbeit nötig

Bei der Elektro Roßwein GmbH hat es nach Auskunft von Geschäftsführer Reiner Hänsel keine Auftragsstornierungen aufgrund der Corona-Krise gegeben. „Wir mussten lediglich unser Ladenlokal für eine gewisse Zeit schließen“, so der Chef des Unternehmens mit 40 Mitarbeitern. Hänsel befürchtet jedoch Auswirkungen auf die Zukunft. „Es könnte durchaus passieren, dass die Kommunen dann weniger Geld zur Verfügung haben und deshalb geplante Vorhaben zurückstellen“, vermutet Reiner Hänsel. Elektromeister Axel Schüller aus Zschaitz-Ottewig ist als „Einzelkämpfer“ unterwegs. „Ich habe nach wie vor genug zu tun“, sagt er.

In der Malerbranche sind die Firmen ebenfalls gut ausgelastet. Christian Büttner vom gleichnamigen Maler-Fachbetrieb, der derzeit zwei Angestellte hat, berichtet, dass einige Aufträge abgesagt wurden. „Dennoch haben wir in den ganzen Wochen seit Ausbruch der Corona-Krise durchgearbeitet“, so Büttner. Vorsichtshalber hatte er Kurzarbeit beantragt, habe dies aber nicht in Anspruch nehmen müssen.

Malermeister Michael Schell arbeitet sowohl private als auch öffentliche Aufträge ab. „Die Auftragslage ist derzeit gut“, sagt er. Keinen seiner zehn Mitarbeiter habe er in Kurzarbeit schicken müssen. „Wie es Ende des Jahres oder im nächsten Jahr aussieht, vermag ich aber nicht zu sagen. Wenn es in den Kommunen weniger Investitionen oder sogar Haushaltssperren gibt, könnte sich das auch auf uns auswirken“, so Schell. Heiko Bemmann führt einen Malerbetrieb, vermietet aber auch Arbeitsbühnen. Während es für die Maler des Unternehmens mit insgesamt acht Mitarbeitern genügend zu tun gab, wirkte sich die Krise auf den Arbeitsbühnenverleih aus. „Für diesen Bereich habe ich Kurzarbeit anmelden müssen. Drei Mitarbeiter waren davon betroffen“, sagt Bemmann. So langsam steige der Bedarf an Arbeitsbühnen aber wieder.

Krise wirkt sich erst später aus

René Wiede von der gleichnamigen Tischlerei in Steina wünscht sich fast die Zeiten der Ausgangssperre zurück. Auch er und seine beiden Mitarbeiter haben trotz Corona keinen Mangel an Arbeit. „Während der Ausgangsbeschränkungen herrschte wenig Verkehr auf den Straßen und man kam schnell von A nach B“, sagt Wiede.

Die Auftragsbücher von Fliesenleger und Ofensetzer Bert Hofmann aus dem Döbelner Ortsteil Präbschütz sind bis Ende des Jahres gut gefüllt. Das Unternehmen hat sieben Mitarbeiter und führt private, gewerbliche und öffentliche Aufträge aus. „Derzeit haben wir keinen Abbruch zu verzeichnen. Ich befürchte aber, dass sich die Corona-Krise im nächsten Jahr auswirken könnte“, sagt Bert Hofmann. Fliesenleger Torsten Boxhorn aus Waldheim sieht derzeit ebenfalls keine Probleme. Er musste lediglich die Ausführung eines Auftrages verschieben. „Das Material kommt aus Italien, und da gibt es Lieferschwierigkeiten“, sagt Boxhorn.

Trotz oder gerade wegen der guten Auftragslage achten die Handwerksbetriebe auf die Einhaltung der erforderlichen Regeln. „Die Mitarbeiter der Fachbetriebe folgen strikt den Empfehlungen zur Infektionsvermeidung und halten sich schon im eigenen Interesse an die Einhaltung der Hygieneregeln“, sagt Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (SHK). Insbesondere achten die Mitarbeiter darauf, zu den Hausbewohnern ausreichenden Abstand zu halten. Bei umsichtigem Verhalten aller Beteiligten ist das nicht schwer, denn während der Arbeiten gibt es nur selten einen Grund, direkt mit den Bewohnern in Kontakt zu treten. „Viele Eigenheime verfügen zudem über einen separaten Eingang, den die Handwerker nutzen können. So lässt sich die Ansteckungsgefahr nochmals deutlich reduzieren“, so Frank Ebisch.

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