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Politik

Trump hält sich für geistig fit

In einem Interview bei Fox News wiederholt der US-Präsident alte Behauptungen – und fügt abstruse hinzu. Aber er erkennt Elefanten.

Donald Trump: „Ich werde nicht verlieren, denn das sind gefälschte Umfragen“
Donald Trump: „Ich werde nicht verlieren, denn das sind gefälschte Umfragen“ © Evan Vucci/AP/dpa

Von Fabian Löhe

Für Donald Trump sieht es in den Umfragen derzeit nicht gerade rosig aus: Laut einer Erhebung des US-Fernsehsenders Fox News hat der US-Präsident acht Prozentpunkte gegen den voraussichtlichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden verloren. Demnach hinkt er auch bei der Bewertung mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie, die Rassismus-Debatte und auf Wirtschaftsfragen hinter dem potenziellen Herausforderer her.

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Als am Wochenende der Interviewer von Fox News Sunday, Chris Wallace, den Präsidenten auf die schlechten Zahlen ansprach, reagierte er mit den inzwischen üblich gewordenen Vorwürfen. „Ich werde nicht verlieren, denn das sind gefälschte Umfragen“, sagte er.

Damit wendet sich Trump bei seiner Medienschelte gegen jenen TV-Sender, der bisher eher für einen Kuschelkurs gegenüber dem Präsidenten aufgefallen war. Allerdings ist Chris Wallace mitunter auch als „enfant terrible“ bekannt. Er tanzt gern aus der Reihe und stellt Mitgliedern der US-Administration immer wieder unbequeme Fragen.

So rieb er dem Präsidenten weitere für ihn wenig schmeichelhafte Zahlen aus der Umfrage unter die Nase: 47 Prozent der Befragten halten den 77-jährigen Biden für geistig fit für die Präsidentschaft, bei dem 74-jährigen Trump sind es nur 43 Prozent. Auf die Frage, ob die jeweiligen Männer eben nicht dazu in der Lage seien, war der Abstand zwischen den beiden noch größer: Für 51 Prozent ist das bei Trump der Fall, bei Biden sind es 39 Prozent.

Trump erneuerte daraufhin seine Forderung, Biden solle sich sofort einem kognitiven Test unterziehen. Er selbst hatte erst in der vergangenen Woche gesagt, dass er einen nicht näher spezifizierten Test „mit Bravour“ bestanden habe. Es wird angenommen, dass er sich auf eine kognitive Beurteilung ab 2018 bezieht. 

So entstand ein Streit darüber, ob die Identifizierung eines Elefanten ein starker Beweis für geistige Stabilität sei. Denn Wallace, selbst 72 Jahre alt, hatte den Test ebenfalls gemacht. „Das ist nicht die schwerste Prüfung“, sagte er. „Die haben da ein Bild und dazu die Frage ‚Was ist das?‘ – und es ist halt ein Elefant.“

Trump sagte, Wallace habe den Test, eine von Ärzten weitverbreitete Screening-Bewertung, falsch dargestellt. „Ich wette, dass Sie das nicht konnten. Sie werden sehr schwer, die letzten fünf Fragen“, sagte er.

Darüber hinaus weigerte sich Trump, zu sagen, ob er das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen im November akzeptieren werde, wenn er als Verlierer hervorgeht. „Das muss ich sehen“, sagte er. „Schauen Sie ... ich muss es sehen. Nein, ich werde nicht einfach Ja sagen. Ich werde nicht Nein sagen, und das letzte Mal habe ich es auch nicht getan.“ Anthony Scaramucci, Trumps ehemaliger Direktor für Kommunikation, twitterte: „Das Chris-Wallace-Interview ist Bidens Wahlkampfwerbung.“

Wallace setzte Trump zudem immer wieder zu mit dem Verweis auf die sehr hohe Corona-Todesrate in den USA. Der Präsident wollte ablenken, indem er auf die Sterblichkeitsraten in anderen Ländern verwies. Trump behauptete, die USA hätten „eine der niedrigsten der Welt“. Wallace antwortete – sachlich korrekt – darauf: „Das ist nicht wahr, Sir.“ Im Verlauf des Wortgefechts bat Trump seine Pressesprecherin, Kayleigh McEnany, ihm die Statistik über die US-Sterblichkeitsrate zu bringen. „Haben Sie die Zahlen, bitte?“, fragte Trump. „Weil ich höre, dass wir die beste Sterblichkeitsrate haben. Nummer eins mit der niedrigsten Sterblichkeitsrate.“ Trump winkte mit einem Papier und sagte: „Ich hoffe, Sie zeigen das auf Sendung, denn es zeigt, worum es bei Fake News geht.“ Wallace konterte: „Ich glaube nicht, dass ich zu den Fake News gehöre.“

In den USA lag die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus am sechsten Tag in Folge bei mehr als 60.000 gelegen. Wie aus einer Zählung der Johns-Hopkins-Universität vom Sonntagabend (Ortszeit) hervorging, wurden binnen 24 Stunden weitere 63.872 Ansteckungsfälle registriert. Die Gesamtzahl der Infektionen im Land stieg damit auf rund 3,762 Millionen.

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