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Trumps Frau für die Bildung

Betsy DeVos führt ein Ressort, das der Präsident eigentlich abschaffen möchte. Am Ende muss sie das Licht ausmachen.

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© Reuters

Von Thomas Spang, Washington

Die Milliarden-Erbin eines Autoteile-Zulieferers und eines Konsumgüter-Riesen hat die Reform der öffentlichen Bildung in den USA zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Dabei qualifiziert Betsy DeVos eigentlich sehr wenig für diesen Job. Sie ging selber nicht auf eine staatliche Schule, schickte auch ihre vier Kinder nicht dorthin, versteht wenig von Pädagogik und hat niemals selbst vor einer Klasse gestanden.

Woher ihre tiefe Abneigung gegen das staatliche Schulwesen rührt, gehört zu den vielen Fragen, die vor ihrer Bestätigung im Senat offenblieben. Vielleicht liegt es an ihrer christlich-fundamentalistischen Agenda, mit der die Milliardärin seit Jahrzehnten Organisationen unterstützt, die für die freie Schulwahl in den USA eintreten oder fragwürdige Therapien anbieten, die Homosexuelle hetero machen sollen.

Dafür spricht ihr Vortrag bei einem Kongress religiöser Philantrophen im Jahr 2001, bei dem sie Bildungsreform als einen Weg beschrieb, „den Weg für Gottes Königreich zu ebnen“.

Dank der Intervention von Vizepräsident Mike Pence, der zum ersten Mal in der Geschichte der Bestätigung eines Kabinettsmitglieds durch den Senat mit seiner Stimme ein Patt brechen musste, darf sich die langjährige Vorsitzende der Republikanischen Partei von Michigan nun ganz dieser Aufgabe widmen.

Kurioserweise hatte Donald Trump im Wahlkampf in Aussicht gestellt, die „freie Schulwahl“ mit 20 Milliarden Dollar zu unterstützen, während er gleichzeitig im Wort steht, das Ministerium aufzulösen, das diese Mittel verteilen müsste. Wie auch sonst vieles unausgegoren bleibt. Gehört es doch zum Credo DeVos’ und der konservativen Schulreformer, Bildung möglichst in regionaler Zuständigkeit zu belassen.

Vielleicht fällt DeVos am Ende eine ganz andere Aufgabe zu. Am Tag ihrer Bestätigung brachte eine Gruppe einflussreicher Konservativer im Repräsentantenhaus ein Gesetz ein, das Bildungsministerium bis Ende 2018 zu schließen. Ein republikanischer Traum seit Ronald Reagan.

DeVos bräuchte dann einfach nur das Licht auszumachen. Eine Aufgabe, die selbst die schärfsten Kritiker der kontroversen Politikerin zutrauen.