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Tschechen favorisieren Zugverbindung zwischen Görlitz und Prag

Es gibt mehrere Ideen für mehr grenzüberschreitenden Bus- und Bahnverkehr. Ein Vorschlag berührt auch den Süden des Landkreises Bautzen.

Von Tilo Berger

Bautzen. Eine Ringbahn durch das Dreiländereck mit Unterwegshalts in Deutschland, Tschechien und Polen, dabei vor allem in den Verkehrsknoten Görlitz und Liberec – in den Augen der tschechischen Beratungsgesellschaft Korid muss das keine Utopie bleiben. Das in Liberec angesiedelte Service-Unternehmen stellte die Idee am Mittwoch in Bautzen vor. Hier waren Verkehrsexperten aus ganz Europa zusammengekommen, um sich über mehr und bessere grenzüberschreitende Bahn- und Busverbindungen auszutauschen.

Ab auf den Grill

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Wie viele Reserven da brach liegen, verdeutlichte Ludger Sippel vom größten deutschen Verkehrs-Beratungsunternehmen KCW: Nach einer aktuellen Studie gibt es zwischen Ländern der Europäischen Union 365 Eisenbahn-Grenzübergänge. Aber nicht einmal auf der Hälfte davon rollen Züge – meist sind marode Gleise der Grund dafür. Aber mit dem Willen und Geld der Nachbarländer ließe sich mancher Lückenschluss erreichen, erklärte Sippel. Die Studie liegt jetzt auf dem Tisch der Europäischen Kommission in Brüssel.

Neben der Ringbahn durchs Dreiländereck schwebt den Tschechen ein weiteres Projekt vor: eine Direktverbindung per Bahn zwischen Görlitz und der tschechischen Hauptstadt Prag – mit Stopps unter anderem in Zittau und Liberec. Der Zug böte in Görlitz Umsteigemöglichkeiten unter anderem in Richtung Bautzen und Cottbus, in Liberec in Richtung Riesengebirge, in Prag praktisch in jeden Winkel der Tschechischen Republik.

Christoph Mehnert vom Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) hörte aufmerksam zu und stellte seinerseits eine weitere Vision vor: den Lückenschluss zwischen Seifhennersdorf und dem tschechischen Rumburk. Zwischen beiden Bahnhöfen fehlen sechs Kilometer Gleis. In Seifhennersdorf endet die Bahnstrecke aus Liberec, in Rumburk die Nationalparkbahn durch die Sächsisch-Böhmische Schweiz. Die sechs Kilometer Gleis würden eine Direktverbindung oder zumindest Umsteigemöglichkeit zwischen Liberec, Rumburk, Sebnitz und Bad Schandau ermöglichen. Dies würde auch neue Reisemöglichkeiten aus dem Süden des Landkreises Bautzen ermöglichen: Vom Grenzübergang Sohland zum tschechischen Bahnhof Sluknov (Schluckenau) sind es nur rund drei Kilometer. Schon jetzt können Fahrgäste hier in die Nationalparkbahn Rumburk–Sebnitz–Decin einsteigen. Nach dem möglichen Lückenschluss zwischen Rumburk und Seifhennersdorf ginge es von Sluknov aus auch direkt nach Liberec.