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Tschechien bei Lebensqualität vorn

Für noch mehr weltweite Anerkennung des Landes wird die verbreitete Intoleranz gegenüber Muslimen zum Bremsklotz.

© dpa

Von Hans-Jörg Schmidt

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Tschechien erobert sich langsam aber sicher vordere Ränge in vielen internationalen Vergleichsrankings. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Das Land schlägt dabei alle anderen ost- und mitteleuropäischen Staaten, aber in einigen Bereichen auch westliche Demokratien. Tschechien gilt zusammenfassend als „glückliches, sicheres und mit hoher Lebensqualität ausgestattetes Land“. Einziger Wermutstropfen: die Intoleranz gegenüber Ausländern, speziell gegenüber Muslimen.

Herausragend: Seit Neuestem ist Tschechien auf Platz 5 des Nachhaltigkeitsindex der Vereinten Nationen gelandet. So erfolgreich war bisher kein anderes Transformationsland. Dieser Index fasst 17 verschiedene Kriterien zusammen, darunter Armut, Bildung, Gesundheitswesen, Wachstum, Gleichberechtigung und saubere Energien. Die vier hier führenden Länder sind seit Langem die skandinavischen Staaten. Tschechien lässt in dem Ranking aber sogar Deutschland, Österreich, die Schweiz oder Frankreich hinter sich. Die übrigen Visegrad-Staaten landen abgeschlagen: Ungarn auf Rang 18, die Slowakei auf 23 und Polen auf Platz 27.

Solides Wachstum und die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU haben Tschechien im Index für die Wirtschaftsfreiheit von Platz 59 im Jahre 2010 auf jetzt Platz 31 gehievt. „Schwächen gibt es allenfalls noch bei der Gleichberechtigung“, heißt es in der Studie. Frauen verdienten rund 22 Prozent weniger als Männer. Nachholbedarf sieht die Stiftung auch bei Innovationen in Industrie und Infrastruktur.

Bis zu den Dänen, die die „glücklichsten Menschen der Welt“ sind, haben die Tschechen noch einigen Abstand. Sie landen dort auf Platz 23. Freilich sind die Tschechen in diesem Punkt den Deutschen sehr ähnlich: beide Völker beklagen ihre Situation gern, obwohl sie objektiv sehr viel besser ist.

Im Index Lebensqualität liegt Tschechen der Untersuchung zufolge auf Rang 22 von insgesamt 128 untersuchten Ländern. In der ostmitteleuropäischen Region schlägt es andere Länder um Längen, vor allem bei politischen Rechten wie Redefreiheit sowie bei der inneren Sicherheit. 

Bei der Toleranz gegenüber Ausländern liegt das Land dagegen nur auf Rang 112. Wobei dieses Kriterium unscharf ist: Westlichen oder christlichen Ausländern gegenüber sind die Tschechen absolut tolerant. Eine Abneigung haben sie jedoch gegenüber Muslimen, was sich auch in der Auseinandersetzung über die europaweite Verteilung von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und aus Afrika zeigt .

Diese Stimmung, so die Studie, werde von einer „rigiden Anti-Migrationspolitik“ angefeuert. Diese erzeuge eine fremdenfeindliche Stimmung, die sich wiederum negativ bemerkbar mache, weil man keine qualifizierten Arbeitskräfte mehr finde. Deshalb müssten Firmen zunehmend lukrative Aufträge ablehnen.