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Tschechien will Uranabbau ausweiten

Das Nachbarland willdamit auch die wachsende Stromnachfrage aus Deutschland decken.

Von Karel Janicek, Prag

Die Uran-Industrie hofft in Tschechien auf eine rosige Zukunft. Deutschland hat seinen Teil dazu beigetragen, schließlich muss auch nach Stilllegung aller Atomkraftwerke der Strombedarf hierzulande gedeckt werden. In den Tiefen des tschechischen Bodens liegen nach Schätzungen mehr als 110000 Tonnen Uran, mit dem die Atomreaktoren des Landes noch rund 100 Jahre betrieben werden können. Einen Teil der so gewonnenen Energie will Tschechien an Deutschland verkaufen.

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Die Uranindustrie blickt in Tschechien auf eine unrühmliche Vergangenheit. In der damaligen Tschechoslowakei wurden rund 40000 politische Häftlinge in die Minen geschickt – ohne Schutzanzüge oder Atemmasken. Etwa 500 von ihnen kamen ums Leben, manche bei Fluchtversuchen, andere nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. Viele andere erkrankten wegen der hohen Strahlenbelastung an Krebs.

Schwere Umweltschäden

Traditionell wird Uran in Tschechien im Lösungsbergbau abgebaut. Das bedeutet, dass flüssige Schwefelsäure in das Erz gepumpt wird, um das radioaktive Material herauszulösen. In ehemaligen Minen nahe der Ortschaft Straz pod Ralskem im Norden des Landes, einem der größten Trinkwasserresservoirs, wurden über die Jahrzehnte fast fünf Millionen Tonnen Säure in die Erde gepumpt. Das Ergebnis waren schwere Umweltschäden, etwa 370 Millionen Kubikmeter Trinkwasser wurden verseucht. Die 1996 begonnenen Säuberungsarbeiten werden nicht vor 2037 beendet sein und bis dahin rund zwei Milliarden Euro kosten.

Das Land will die Zahl seiner Reaktoren von sechs auf neun steigern. Beobachter rechnen damit, dass die Strompreise in Europa bis 2015 um 20 Prozent steigen könnten, und sehen Tschechien auf dem Markt gut positioniert, auch was den Stromexport nach Deutschland betrifft. (dapd)