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Allein gegen Falschparker und Müll

Unterwegs mit einem Ranger des Nationalparks Böhmische Schweiz.

Im Nationalpark und im Landschaftsschutzgebiet ist Parken verboten. Ranger Miroslav Rybár ließ zur Sicherheit trotzdem noch Schilder anbringen.
Im Nationalpark und im Landschaftsschutzgebiet ist Parken verboten. Ranger Miroslav Rybár ließ zur Sicherheit trotzdem noch Schilder anbringen. © Steffen Neumann

Miroslav Rybář steuert seinen Allrad-Geländewagen die steile Straße von Děčín (Tetschen) Richtung Maxičky (Maxdorf). Sein Ziel ist der Děčínský Sněžník (Hoher Schneeberg) und die Wälder rundherum. Die sind gerade voll von Pilzen. Nicht wegen ihnen ist Rybář hier, sondern wegen der Scharen von Pilzsuchern. Die reisen in der Regel mit dem Auto an. Das parkt oft an der falschen Stelle. Und das ist ein Fall für Miroslav Rybář. Er ist nämlich Nationalparkranger und als solcher quasi der Polizist des Waldes.

„Wir befinden uns im Landschaftsschutzgebiet Elbsandsteingebirge und dort ist Parken außerhalb entsprechend gekennzeichneter Flächen generell verboten“, klärt Rybář auf. Diesen Satz muss er schon oft gesagt haben. Denn es ist die Antwort auf die Entschuldigung: „Hier ist doch gar kein Parkverbotsschild.“

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Im Visier der Nationalparkranger: wild parkende Autos.
Im Visier der Nationalparkranger: wild parkende Autos. © Steffen Neumann

An diesem Nachmittag fällt der Satz mehrfach. Es ist Freitag und damit Start ins Wochenende. Rund um den Sněžník sind nicht nur Pilzsucher, sondern auch Wanderer, Geocacher, Kletterer und Boulderer unterwegs. Doch zunächst hat es Rybář mit Pilzsuchern zu tun. Schon während der Fahrt sind rechts und links der Straße und am Beginn von Forstwegen mindestens 50 Fahrzeuge abgestellt – illegal natürlich. Doch Rybář fährt vorbei. Es ist eine Kapitulation vor der Übermacht. „Ich kann nicht jeden bestrafen. Dann würde ich den ganzen Tag nichts anderes machen. Ich ahnde nur die schlimmsten Fälle, wenn das Auto irgendwo im Wald steht. Aber in Straßennähe auf einer befestigten Fläche tolerieren wir das“, sagt er.

Das heißt nicht, dass er nichts dagegen tut. Er ließ Schilder mit Piktogrammen aufstellen, dass Parken verboten ist. Das Schild wirkt tatsächlich, vor allem wegen eines Details, wie Rybář sagt. Rechts unten ließ er zusätzlich einen Reifen mit „Kralle“ abbilden, als Abschreckung.

Für den Ranger bedeutet das eine Sorge weniger. Als einer von gerade einmal sechs professionellen Rangern für ein 300 Quadratkilometer großes Gebiet hört seine Arbeit nie auf. Seit die Verwaltung des Landschaftsschutzgebiets Elbsandsteingebirge vor drei Jahren an den Nationalpark angegliedert wurde, hat sich die Größe des Einsatzgebiets fast vervierfacht. Seitdem sind auch in den Tissaer Wänden oder eben am Sněžník Nationalparkranger unterwegs.

Mit der Fusion ist aber leider auch die Zahl der hauptberuflichen Ranger um einen zurückgegangen „Wir haben noch etwa 25 freiwillige Ranger, aber für so einen Touristenansturm sind wir nicht gewappnet“, räumt Rybář ein.

Und der steigt seit Jahren an. Das Coronavirus hat das noch verstärkt. „Jetzt kommen auch Menschen, die sonst nie im Wald waren und denen man das leider auch ansieht.“ Das Problem sind nicht nur die Massen, sondern ist auch ein rücksichtsloseres Verhalten. „Die Brutalität nimmt zu“, sagt Rybář. Im Laufe des Nachmittags zeigt er junge Bäume, die für Feuerholz einfach mitten am Stamm abgesägt wurden. Der Wald wird als Toilette und die illegalen Parkplätze als Müllplatz missbraucht. An manchen Stellen stapeln sich die Feuchttücher, woanders liegen Flaschen, Dosen aber auch Müll, der nichts mit dem Ausflug zu tun zu haben scheint. „Als ob die Leute bevor sie abfahren, erstmal ihr Auto von allem Müll befreien“, kommt es Rybář vor. Das Müllproblem geht so weit, dass der Nationalpark zum Beispiel den beliebten Gabrielensteig zum Prebischtor schon das vierte Jahr durch eine externe Firma beräumen lässt.

Immer wieder zu beobachten: Illegale Parkplätze werden zu Müllplätzen.
Immer wieder zu beobachten: Illegale Parkplätze werden zu Müllplätzen. © Steffen Neumann

Ein weiteres Problem sind illegale Feuerstellen und Übernachtungsplätze. „Manche Feuerstellen zerstöre ich regelmäßig alle zwei Wochen. Dann sind sie wieder da.“ Er berichtet von einem Taxifahrer, der einen seiner Freiwilligen angefahren hat. Auch er selbst musste sich schon Beschimpfungen anhören. „Das schwierigste ist zu erkennen, wen man vor sich hat. Da ist viel Psychologie dabei. Die meisten sind aber belehrbar“, erzählt er.

Symbole, die sich ähneln: In Böhmen heißt der Ranger Strážce.
Symbole, die sich ähneln: In Böhmen heißt der Ranger Strážce. © Steffen Neumann

Rybář trägt eine graugrüne Uniform mit dem Aufnäher „Strážce“, das heißt „Ranger“, und ein Käppi. Er trägt sie gern. „Als Kind wollte ich entweder zur Armee oder Müllfahrer werden. In gewisser Weise hat sich dieser Traum erfüllt“, lacht er. Doch es ist ein undankbarer Job. „Ich bin für die Menschen kein Guter. Dazu kommt, dass viele uns nicht ernst nehmen.“ Dabei darf er wie die Polizei Ausweise kontrollieren und Strafen kassieren. „Nur festnehmen darf ich niemand.“

An diesem Tag wird er keine einzige Strafe verteilen. Es ist weniger los, als erwartet. „Ich glaube, das liegt an Covid-19. Es sind deutlich weniger Deutsche zu sehen.“ Die Verstöße halten sich in Grenzen. „Auch wenn das jetzt nicht so aussieht, wir verhängen sehr viele Strafen, teils auch sehr hohe“, sagt er. Das können bis zu 10.000 Kronen sein, was rund 400 Euro entspricht. Höhere Strafen werden vor allem für schwere Verstöße fällig. Dazu zählen illegales Übernachten und Feuer oder das Verlassen markierter Wege in der Kernzone, erst recht in der Brutzeit.

Die Brutalität nimmt zu: Ist die Schranke geschlossen, wird sie umfahren.
Die Brutalität nimmt zu: Ist die Schranke geschlossen, wird sie umfahren. © Steffen Neumann

Diesmal klärt Rybář vor allem auf. Außerdem schließt er mehrere Schranken an Forstwegen. Dafür hat er einen riesigen Schlüsselbund, an dem für jede Schranke der richtige Schlüssel hängt. „Die müssten eigentlich dauerhaft geschlossen sein. Leider sind auch die Förster oft nachlässig und lassen sie einfach offen.“ Viele Touristen werten das als Einladung.

Rybář ist sich bewusst, dass er und seine Kollegen die mit dem Tourismus zusammenhängenden Probleme nicht lösen können. „Da fehlt leider ein Konzept. Das muss auf höherer Ebene geschehen im Verbund mit dem Bezirk, den Gemeinden und dem Nationalpark“, sagt er. „Die Beschäftigung mit Falschparkern nimmt inzwischen zu viel Zeit in Anspruch. Das wäre eigentlich Aufgabe der Polizei oder des Ordnungsamts“, stellt er fest. Die Zeit könnte er dringend für andere Aufgaben gebrauchen: das Monitoring von geschützten Arten wie den Falken oder die Überwachung der Rückkehr der Lachse. Außerdem gehen er und seine Kollegen wenigstens einmal im Monat alle der 180 Kilometer Wege ab, um rechtzeitig zu erkennen, wann ein Baum umzukippen droht. Das kommt bei der anhaltenden Trockenheit öfter vor.

Am liebsten hätte er aber mehr Zeit für geführte Wanderungen und Workshops für Kinder und Jugendliche. „Wir müssen dieser Generation beibringen, wie man sich in der Natur verhält. Dann ändert sich vielleicht auch irgendwann das Verhalten aller“, hofft er.

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