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Bahn-Neubaustrecke ist „sensibles Thema“

Ústís designierter Bezirkshauptmann Jan Schiller äußert sich zu Großprojekten wie Bahnstrecke und Elbestaustufe vorsichtig.

Die Schnellbahnstrecke Dresden – Prag, die in Ústí nad Labem (Aussig) eine Haltestelle bekommen soll, wird im Nachbarland als großer Gewinn gewertet.
Die Schnellbahnstrecke Dresden – Prag, die in Ústí nad Labem (Aussig) eine Haltestelle bekommen soll, wird im Nachbarland als großer Gewinn gewertet. © Symbolbild: Norbert Millauer

Noch ist Jan Schiller (ANO) kein Bezirkshauptmann. Noch muss das Gericht über Einsprüche zur Wahl entscheiden und noch kann der Coronavirus die konstituierende Sitzung des Bezirksparlaments in Ústí sprengen. Doch der Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“ hat er schon mal ein Interview gegeben.

Darin spricht er auch über viele für Sachsen sehr wichtige Themen. So sieht er die Schnellbahnstrecke Dresden – Prag, die in Ústí nad Labem (Aussig) eine Haltestelle bekommen soll, als großen Gewinn - für die Umwelt und für Ústí und Nordböhmen als gut erreichbaren Standort. Er warnt aber auch vor einem möglichen Fiasko. Tschechien hat sehr ungute Erfahrungen mit Großprojekten, die erst mit vielen Jahren Verspätung abgeschlossen wurden. Bekanntestes Beispiel ist die Autobahn Dresden – Prag, wo Dutzende Klagen den Weiterbau verzögert und erschwert hatten.

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„Auf der einen Seite brauchen wir diese Strecke. Auf der anderen Seite stehen aber Menschen und Gemeinden, die das tatsächlich betrifft. Eine Entschädigung ist kein Ersatz für jahrzehntelang gewachsene Gemeinden und menschliche Schicksale“, gibt Schiller zu bedenken. Er wäre froh, wenn von dem Streckenneubau tatsächlich so wenig wie möglich Menschen und Gemeinden betroffen wären.

Rausgeworfenes Geld?

Auch zum zweiten Großprojekt im Bezirk, der Elbestaustufe bei Děčín, äußert er sich überraschend zurückhaltend. Darauf angesprochen, ob das Projekt sinnvoll ist, wenn Deutschland selbst keine Staustufen bauen will, äußerte er sich weder pro noch kontra. „Es gibt viele Gutachten und Studien, und jede sagt etwas anderes. Wenn eine weitere Schiffbarkeit in Deutschland gewährleistet ist, hat es Sinn. Aber wenn das an unserer Grenze aufhört, wäre das rausgeworfenes Geld“, äußert sich Schiller.

Der 48-jährige Umweltingenieur aus Most (Brüx) drängt in dem Interview auf einen möglichst baldigen Kohleausstieg. „Aber erst, wenn die Kohle vollwertig durch andere Rohstoffe ersetzt werden kann“, sagt er.

Schiller setzt sich zudem für eine energetische Abfallverwertung ein, bekennt sich zu der Rettung des Lausitz-Krankenhauses in Rumburk (Rumburg), will die umstrittene Neubesetzung von Führungsposten in einigen Museen und Galerien überprüfen und setzt auf die weitere Entwicklung nachbarschaftlicher Beziehungen zu Sachsen.

„Ich möchte mit Premierminister Michael Kretschmer eng zusammenarbeiten. Ich bin tief beeindruckt von dem sächsischen Hilfsangebot jetzt in der Coronakrise. Dafür würde ich ihm in nächster Zeit gern persönlich danken“, schloss Schiller.

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