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Corona: In Tschechien steigt der Frust

Demos wie an der B96, in Löbau oder Zittau gibt es in Liberec und dem Schluckenauer Zipfel nicht. Aber auch dort wächst das Misstrauen dem Staat gegenüber.

Symbolbild
Symbolbild © Oliver Berg/dpa (Archiv)

Langzeitstress, Unsicherheit und Zukunftssorgen. So leben nun die meisten Tschechen in der Grenzregion. Die Begeisterung aus Frühjahr, gemeinsam die Pandemie zu bekämpfen, ist verschwunden. Täglich gibt es neue Verbote und neue Ausnahmen. Dazu kommen laut Schätzungen von Experten rund 50 neue Fake News pro Tag, welche dafür sorgen, dass alle weitere Corona-Schutzmaßnahmen nur mit Misstrauen angenommen werden.

Obwohl sämtliche Großveranstaltungen verboten sind, bereiten Kritiker der Schutzmaßnahmen eine weitere Demonstration vor. Bereits am 18. Oktober hatte es eine erste solche Kundgebung in Prag gegeben. Für kommenden Mittwoch ist die zweite am Mittag ebenfalls in der Hauptstadt auf dem Marktplatz der Republik angekündigt. Laut Epidemiologen stellt das ein großes Risiko dar. “Es solle eine Manifestation für die Freiheit und gegen Terror und Manipulation sein“, steht in der Einladung im Internet. Die Regierung halte sich nicht an die Gesetze und für den Notstand gebe es keine Begründung, so die Organisatoren. Im grenznahen Raum im Umfeld von Liberec oder im Schluckenauer Zipfel gibt es keine solchen Proteste oder Demonstrationen.

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Gesundheitsminister missachtet Schutz-Regeln

Auch der Abgeordnete Petr Pávek, Bürgermeister von Liberec von den tschechischen Grünen, kritisierte die Anti-Covid-Maßnahmen gegenüber den Medien. „Ich kann den Zahlen, die der Öffentlichkeit präsentiert werden, einfach nicht glauben“, sagte Pávek, Mitglied des Ausschusses für das Gesundheitswesen. Die Parteispitze distanzierte sich von seinen Äußerungen.

Pávek ist skeptisch auch gegenüber dem Gesundheitsminister Roman Prymula und begründete seine Befürchtungen mit den allgemein bekannten Kontakten des Ministers zur Pharma-Lobby. Am Freitag kam noch eine weitere Affäre dazu. Die tschechische Boulevardzeitung Blesk zeigte, wie sich Prymula bis späten Mittwochabend mit dem Ano-Fraktionschef Jaroslav Faltýnek in einem Restaurant unterhielt, obwohl die Gaststätten schon seit dem 14. Oktober geschlossen sein sollten. Der Innenminister und Vizepremier Jan Hamáček (Sozialdemokraten) sagte am Freitag, dass Prymula durch das Missachten der Regierungsvorgaben jegliche Vertrauenswürdigkeit verloren habe. Die Opposition forderte seinen Rücktritt.

Einreise nur mit triftigem Grund

In der Grenzregion wurden am Donnerstag 651 Neuinfizierte bestätigt, seit Beginn der Pandemie die höchste Zahl. Während der vergangenen Woche sind in den Krankenhäusern in der Region 17 Menschen gestorben. Die Gesamtzahl der Opfer steigt damit auf 40. Seit Donnerstag ist auch der Tourismus verboten. Einreisen darf man nur mit triftigem Grund. Dazu gehören Geschäfts- und Dienstreisen, Familienbesuche, Fahrten zum Arzt oder Tierarzt, Behördentermine sowie die Teilnahme an Hochzeiten und Bestattungen.

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