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Späte Würdigung für einen Nazi-Kritiker

Der sudetendeutsche Carl Kostka war bis 1938 Bürgermeister von Reichenbach, heute Liberec. Nun wurde er mit einer Büste geehrt.

Diese Büste erinnert an den Reichenberger Bürgermeister Carl Kostka.
Diese Büste erinnert an den Reichenberger Bürgermeister Carl Kostka. © Jana Kodymová

Seine Kritik am Nationalsozialismus brachte Carl Kostka (1870 bis 1957) viel Gegenwind ein. Der langjährige Bürgermeister von Reichenberg, heute Liberec in Tschechien, wurde massiv angefeindet. Schließlich gab er sein Amt 1938 auf und verließ die Stadt. Doch dieses Jahr ist der 1870 in Niemes (nun Mimoň) geborene Sohn eines Schuldirektors in die Stadt zurückgekehrt. Wenn auch nur als kleines Denkmal. Mit einer Büste an den Treppen zum Sitzungssaal des Rathauses wird an den studierten Juristen erinnert.

Der sudetendeutsche Vorkriegspolitiker und spätere Senator sei der einzige frühere Bürgermeister, der bislang so geehrt werde. „Für mich war die Aufstellung der Büste ein großer Tag“, betonte der Vizebürgermeister Jiøí Šolc. Kostka stand ab 1929 an der Spitze der Stadt Reichenberg. „Kostka hat sich hier stets für eine Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen eingesetzt“, sagt die Schweizer Historikerin Susanne Keller-Giger, die in den 1990er Jahren als Deutschlektorin in Liberec tätig war. Sie hat vor zwei Jahren ein Buch über Carl Kostka und die Deutsch Demokratische Freiheitspartei in der Tschechoslowakei in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verfasst. Damit habe sie ihn als Erste dem Vergessen entrissen, so berichten Medien. 2021 soll das Werk auf Deutsch erscheinen.

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Letztes Jahr wurde Kostka auch durch die Liberecer Region gewürdigt. Mit dem Juristen und Politiker Bruno Kafka (1881 bis 1931), Vetter des Schriftstellers Franz Kafka, und mit Ludwig Spiegel gehörte Kostka nach dem Ende der Monarchie Österreich-Ungarn 1920 zu den Mitbegründern der Deutsch Demokratischen Freiheitspartei (DDFP). Als Bürgermeister unterstützte er das Reichenberger Theater, das unter jüdischer Leitung stand. Nach seinem Rücktritt ging er nach Prag, aber auch dort wurde die Familie, unter anderem von der Gestapo, drangsaliert. Kostkas Kinder verloren ihre Arbeit. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, während der Vertreibung der Deutschen, wurde die Familie verhaftet und dem tschechoslowakischen Nationalausschuss übergeben. Auf dem Weg dorthin schoss ein Unbekannter Kostkas Frau Luisa nieder; sie starb.

Später wurde die Familie rehabilitiert und erhielt die tschechische Staatsbürgerschaft. Nun also die späte Würdigung – gefertigt wurde die Büste aus Acrylharz von der Bildhauerin Josefina Jonášová.

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