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Wie die Busfahrt durch drei Länder ist

Seit August gibt es erstmals Linienverkehr zwischen Böhmen, Polen und Tschechien. Die SZ hat den getestet.

Mirko betreibt seit fast zehn Jahren einen mobilen Kiosk auf der Tafelfichte. Nach oben gelangt er im Sattel seiner Stute.
Mirko betreibt seit fast zehn Jahren einen mobilen Kiosk auf der Tafelfichte. Nach oben gelangt er im Sattel seiner Stute. © Arndt Bretschneider

Von Arndt Bretschneider

Fast ein Vierteljahr waren die Grenzen zu unseren südlichen und östlichen Nachbarländern für Individualverkehr geschlossen. Plötzlich wurde nach Abstimmung untereinander von tschechischer Seite ein lang ersehntes Ventil geöffnet.

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Eine Ausflugslinie mit klimatisierten Reisebussen fährt seit Anfang August zunächst bis Ende November 2020 dreimal täglich an Wochenenden ins polnische Isergebirge nach Świeradów-Zdrój (Bad Flinsberg). Ihren Anfang nimmt die tschechische Linie 691 in Hrádek (Grottau) und bedient unter anderem Zittau, Bogatynia (Reichenau) und Nové Mìsto (Neustadt an der Tafelfichte). So gibt es – gerade auch für Autofahrer – eine Chance, sich bei der Hin- und Rückfahrt die Gegend genauer anzuschauen und vor Ort ein polnisches oder tschechisches Bier zu trinken. 

Wer auf dem Iserkamm wandern will, sollte nicht vergessen, vor Fahrtantritt polnische Zloty zu erwerben, denn am als „Gondola“ benannten Kabinenlift in Świeradów-Zdrój akzeptiert man keine Euro und der Umtausch ist etwas zeitraubend. Wer das berücksichtigt und vom Wettergott begnadet wird, den erwartet eine großflächige, wieder intakte Bergwelt zu beiden Seiten der Grenze. Von den Baumruinen aus der Zeit der Schwefelsäuredüngung durch die Braunkohlenkraftwerke Hirschfelde und Hagenwerder auf deutscher und Turów auf polnischer Seite, ist kaum noch etwas zu sehen. Jungen Fichten und Tannen bekommt die schwefelfreie Luft bei noch ausreichend Niederschlag wohl bestens, bestätigte auf Nachfrage ein grüngerockter polnischer Forstmann.

Der August meint es weitgehend gut mit den Ausflüglern. Folglich war der Ansturm am Tage der Jungfernfahrt auf die neue Buslinie enorm. Man war froh, einen Sitzplatz zu haben. Einige stiegen in Nové Mìsto aus und machten sich auf zur Tafelfichte. Oben angekommen, trennten sich jugendlich-sportliche Sprinter samt Radfahrer von Familien mit kleineren Kindern und betagten „Genusswanderern“. Letzteren entging die sich sonnende Eidechse ebenso wenig wie der eine oder andere selten gewordene Schmetterling.

Feinheiten für Bergwanderer

„Guck mal Mami, ein Riesenpony da hinten“ entfuhr es einem kleinen Mädchen beim Aussichtsturm auf dem Gipfel der Tafelfichte, dem höchsten Berg des tschechischen Isergebirges. Hinter den niedrigen Fichten zwischen Heidelbeersträuchern und Magergrasflächen graste zwar kein Pony, wohl aber ein mächtiges Kaltblutpferd. Wie sich herausstellte, gehörte es Mirko, einem rüstigen Rentner aus Ludvíkov (Lusdorf). Das Pferd hatte den reitenden Mirko und ein einachsiges Wägelchen hintendran zehn Kilometer weit bergan befördert. Nun fraß es hier und dort, ließ sich fotografieren und liebkosen – eine Kaltblutstute eben, während ihr Herr den Sattel abgenommen und den Wagen entladen hatte. Darin waren diverse Feinheiten für Bergwanderer, die sich bald in Scharen einstellten. 

Hier oben 1.124 Meter über dem Meeresspiegel, gibt es kein festes Gebäude außer dem Turmfuß, wo man sich schützend unterstellen kann, wenn ein unerwartetes Wetterereignis eintritt. Es gibt aber Mirko an Wochenenden bei akzeptablem Wetter und mit ihm eine stattliche Auswahl an alkoholfreien und geistreichen Getränken, von seiner Gattin frisch gebackenen Kuchen der besonderen Art und manch Souvenir.

Bezahlt wird mit drei bis fünf Währungen, wie Mirko erzählt. Fast zehn Jahre schon betreibt er dreisprachig und freundlich den transportablen Kiosk. Mit Kundschaft aus mindestens drei Ländern.

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