merken
PLUS Zittau

Gelockerte Einreise, gestörte Beziehungen

Seit Sonntag gilt Tschechien nicht mehr als Virus-Varianten-Gebiet. Doch die wochenlange Grenzschließung hinterlässt Spuren.

Symbolbild
Symbolbild © David Taneèek/CTK/dpa

Tschechien gehört seit Sonntag nicht mehr in Deutschland als Virus-Varianten-Gebiet, weswegen die Einreisebeschränkungen gelockert sind. Doch aufgrund der hohen Inzidenz gilt bis mindestens 31. März die Corona-Testpflicht. Sie muss zwingend schon bei der Einreise vorliegen. Deshalb bleibt die Teststelle vor der Grenze in Hrádek nad Nisou (Grottau) weiter in Betrieb, wie die Sprecherin der Region Liberec (Reichenberg) Andrea Fulková mitteilt. Ursprünglich sollte diese ab Montag schließen. Jeden Werktag werden dort von 6 bis 22 Uhr rund 200 Menschen getestet.

Seit dem 14. Februar war eine Einreise nach Deutschland in vielen Fällen nicht mehr oder nur unter strengen Auflagen möglich, als Deutschland das Nachbarland auf die Liste der Virusvariantengebiete setzte. "Die Einschränkungen haben die Grenzpendler und ihre Familien hart getroffen, existenziell aber auch menschlich", berichtet Martin Besta aus Liberec, der über drei Jahre als Regionalmanager bei der Leader-Region Naturpark Zittauer Gebirge tätig ist. Nun soll er ab April in Olbersdorf an den Entwicklungsprojekten für die Gemeinde arbeiten. Doch der Berufswechsel ist mit vielen Hindernissen verbunden. "Ich wünsche mir selber meinen Arbeitstisch zu räumen und dann die neuen Kollegen persönlich begrüßen zu dürfen", sagt Martin Besta. "Bis jetzt habe ich das Glück von zu Hause zu arbeiten, aber bei vielen Berufen geht es nicht", meint er.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Wie andere Grenzpendler würde Martin Pesta auch einem täglichen Corona-Test zustimmen. Er versteht auch, dass die Grenze noch für Touristen und Menschen, die nur zum Einkaufen kommen, geschlossen bleibt. "Die Pendler sollten aber die Möglichkeit haben, ihre Arbeit anständig ausüben zu können." Deswegen hält er auch nichts davon, das nur jene über die Grenze dürfen, die für eine Firma unverzichtbar sind. "Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein Unternehmer jemanden bezahlt, der für ihn verzichtbar wäre", sagt Martin Besta und suchte deshalb Hilfe bei Michaela Holá, Netzwerkkoordinatorin für Tschechien bei der Industrie und Handelskammer Chemnitz.

Ein Drittel sorgt sich um Zukunft

Dass die Grenzschließung Auswirkung auf familiäre, wirtschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen hat, bestätigte vor Kurzem auch die Online-Debatte der Initiative "Aktion Zivilcourage". Laut einer Umfrage sahen 53 Prozent der rund 40 Teilnehmer der Veranstaltung die Maßnahmen für absolut übertrieben an. Nur 16 Prozent bezeichneten sie als notwendig. Zudem machten sich 38 Prozent auch Sorgen um die Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen.

Zum Beispiel diskutierten die Teilnehmer über das ungenutzte Angebot, tschechische Patienten in deutsche Krankenhäuser zu überführen. Anästhesist Bernd Brenner, der mit seiner tschechischen Frau hinter der Grenze wohnt, erinnerte daran, dass die deutsche Seite das gleiche Angebot aus Tschechien ebenso ablehnte. Das Liberecer Krankenhaus wollte im Dezember und über den Jahreswechsel helfen. "Aber unsere Patienten wurden aus Görlitz größtenteils nach Rostock transportiert", sagt er.

Laut dem Bürgermeister von Krásná Lípa (Schönlinde) Zbyněk Linhart funktionierte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen schon vor der Corona-Pandemie nicht mehr. Er wünschte sich, dass die Bewohner des Schluckenauer Zipfels die Möglichkeiten in Deutschland nutzen - wegen der besseren Erreichbarkeit. "Die Bewohner von Dolní Poustevna (Nieder Einsiedel) schauen praktisch auf die Klinik in Sebnitz", berichtet er und hofft, dass alle ihre Lehren aus der Pandemie ziehen.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Weiterführende Artikel

Alle Infos zum Coronavirus im Kreis Görlitz

Alle Infos zum Coronavirus im Kreis Görlitz

Infektionszahlen, Polizeikontrollen und die Auswirkungen auf das Leben der Bewohner: Aktuelle Geschichten und Entwicklungen dazu sind hier zu lesen.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Zittau