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Hoffnung für zwei verfallene Denkmale

Im Kreis Liberec werden derzeit zwei bedeutende Gebäude restauriert – ihr Zweck war einst ganz verschieden. Jetzt soll neues Leben einziehen.

Der Palast in Liberec (links) und kirchenähnliche Bau in Okrouhlá u Nového Boru sind gerettet.
Der Palast in Liberec (links) und kirchenähnliche Bau in Okrouhlá u Nového Boru sind gerettet. © SZ-Montage

Das Ende schien besiegelt. Für ein Gebäude im tschechischen Okrouhlá u Nového Boru (Schaiba bei Haida) im Raum Liberec (Reichenberg) schien es keine Hoffnung mehr zu geben. Betroffen – die ehemalige Musterschaustelle für bemalte Fenster in Okrouhlá. Das ist ein kurioser pseudogotischer Bau, der jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben war. Nun aber unterstützt die Region Liberec die Sanierung.

In Schaiba hatte man sich mit der Herstellung und Veredelung von Glas immer mehr einen Namen gemacht. Der Unternehmer Karl Meltzer, Besitzer der örtlichen Malerwerkstatt und Hersteller von Kirchenfenstern, errichtete im Jahre 1893 den kirchenähnlichen Koloss. Und nutzte ihn, um seine Produkte zu präsentieren. Diese Verbindung aus Werkstatt und Musterschaustelle in Gestalt eines Domturmes versehen mit Kirchenfenstern ist einmalig in der Tschechischen Republik. Allerdings brannte der Bau Anfang des 20. Jahrhunderts aus; der Fabrikant verlagerte die Produktion nach Zittau. Eine Zeit lang diente die „Kirche“ als Wohnhaus, verfiel dann.

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Der kirchenähnliche Bau in Okrouhlá u Nového Boru war einst Teil einer Glaswerkstatt. Nun entsteht hier ein Museum.
Der kirchenähnliche Bau in Okrouhlá u Nového Boru war einst Teil einer Glaswerkstatt. Nun entsteht hier ein Museum. © Archiv LK

Dass nun die Rettung läuft, freut Kvìta Vinklátová, die zuständige Ratsherrin für Kultur, Denkmalschutz und Tourismus der Liberecer Region. Das Gebäude sei quasi ein Beispiel für modernes Marketing. So ein Denkmal zu restaurieren, sei äußerst anspruchsvoll – fachlich und finanziell, und auch zeitaufwendig.

Karl Meltzer nutzte das Gebäude auch privat – das Turminnere diente als Wintergarten. Der Turm mit hohen Spitzbogenfenstern mit Maßwerk ist 24 Meter hoch. Unter dem Zier-Baldachin wurden allegorische Statuen angebracht: Sie verkörpern die Künste, die Wissenschaft, den Handel, das Handwerk und zeigen die Göttinnen Ceres und Flora. Erstere steht für Ackerbau und Fruchtbarkeit, die zweite für die Getreideblüte. Die Statuen aus Schamotte stellte einst die Firma E. March & Söhne aus Berlin-Charlottenburg her, die bunten Fenster aus Meltzers Werkstatt wurden mit floralen Motiven, Ornamenten und Inschriften verziert.

Doch seit dem 20. Jahrhundert wurde das Objekt nicht mehr genutzt und verfiel. In den 1990er-Jahren erwarb ein Tscheche lediglich den Turm, von dem er einen Teil der Fenster und die Statuen abtransportierte. Er musste wegen des fortschreitenden Verfalls eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 2.000 Euro zahlen. Vor vier Jahren kaufte dann der Ruheständler Jan Sýkora den Komplex. Und die Rettung läuft. Dafür lobt die Kultur-Ratsherrin Kvìta Vinklátová den Engagierten ausdrücklich.

Jan Sýkora möchte das Haus touristisch nutzen und plant ein Minimuseum mit einer funktionsfähigen Werkstatt, wie sie Karl Meltzer betrieb. Er schätzt, dass die Arbeiten mindestens fünf Jahre dauern werden. Fensterrahmen und einige Buntglasfenster hat er schon machen lassen. Nun läuft die dritte Etappe – die Wiederherstellung der Kirchenfenster nach Entwürfen des Restaurators Jaroslav Skuhravý, unterstützt die Liberecer Region mit umgerechnet über 11.000 Euro. Perspektivisch soll noch die verlorene Turmspitze wieder aufgesetzt werden.

Der Liebieg-Palast in Liberec soll zu einem Gemeindezentrum umgestaltet werden.
Der Liebieg-Palast in Liberec soll zu einem Gemeindezentrum umgestaltet werden. © Petra Laurin

Auch für ein anderes Gebäude in Tschechien gibt es Hoffnung. Für den ehemaligen Liebieg-Palast in Liberec wurde eine neue Bestimmung gefunden. Die Stadt macht daraus ein Gemeinschaftszentrum, in dem sich verschiedene soziale Gruppen, Generationen und Minderheiten treffen können. „Es handelt sich um das größte Bauvorhaben der Stadt seit Jahren“, informierte die Stellvertreterin des Bürgermeisters, Radka Loučková Kotasová (ANO). Die Kosten für das Vorhaben liegen bei 203,5 Millionen Kronen (etwa 8,14 Millionen Euro). Die Sanierung läuft und soll bis März 2022 beendet sein.

Das Neorenaissancegebäude wurde 1871 bis 1872 im Auftrag des Fabrikanten Johann Liebieg errichtet. 67 Jahre lang, bis 2014, hatte die Regionalgalerie dort ihren Sitz. Die aber ist längst umgezogen. Sechs Jahre lang stand der Palast leer und ist derzeit in einem vernachlässigten Zustand. Die Stadt und die Region haben lange nach einer Lösung gesucht.

Für die Bauarbeiten fand sich nur eine Firma. Ein Grund: „Durch Corona fehlen vielen Baufirmen zurzeit die ausländischen Handwerker“, sagte Kotasová. Die Kosten werden weitgehend über EU-Fördergelder gedeckt. Die Stadt wird, wenn keine Komplikationen auftauchen, 38,7 Millionen Kronen (rund 1,4 Millionen Euro) dazugeben. Äußerlich soll das Gebäude sein Aussehen behalten. Im Palast entstehen ein großer Saal, ein Kunstatelier, Ausstellungsräume, zwei Turnhallen und eine Gärtner-Werkstatt mit Treibhaus. Auch ein Café und Kinderspielecken seien geplant. Neugestaltet werden zudem der Hof und der Garten. „Auch der Park mit mehr als 250 Jahre alten Bäumen muss hergerichtet werden“, sagt Bürgermeister Jaroslav Zámečník.

Der Palast, ursprünglich eine Familienvilla, entstand durch den Umbau des zunächst klassizistischen Hauses in Nachbarschaft des Reichenberger Schlosses.

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