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Auf der Suche nach U-Boot "Reichenberg"

Die Liberecer - früher Reichenberger - suchen derzeit im Atlantik nach der Kampfmaschine der Wehrmacht, die 1941 verschollen ist. Sie gehört auch zu ihrer Geschichte.

Mit diesem Boot suchen die Tschechen das deutsche U-Boot.
Mit diesem Boot suchen die Tschechen das deutsche U-Boot. © Archiv: Ivan Rous

Die nordböhmische Metropole Liberec (Reichenberg) hat großes Interesse am Schicksal ihres verschwundenen „Patenkindes“, dem U-Boot Reichenberg aus der Zeit des 2. Weltkrieges. Aus diesem Grund ist kürzlich in der Biskaya, vor der französischen Atlantikküste eine Suchexpedition gestartet. Die zeitaufwendige und teure Aktion wird von der Stadt selbst, dem Landkreis und privaten Spendern finanziert. „Nach langwierigen Verhandlungen erhielten wir vom französischen Kultusministerium die einstweilige Zustimmung zur Durchführung der Arbeits- und Archäologie-Tauchgänge“, sagt Ivan Rous, Historiker des Nordböhmisches Museums.

Warten auf das richtige Wetter

Die Expedition soll in drei Etappen stattfinden und gut drei Wochen dauern. In der ersten Woche ist ein Boot für die Suche vorbereitet worden. „Nun, ab dieser Woche, beginnt die eigentliche Suche, bei der zehn Lokalitäten überprüft werden sollen, die gewisse Anomalitäten am Meeresboden aufweisen“, verrät Rous. „Das Wetter ist immer noch günstig, aber 30 Kilometer von der Küste entfernt erleben wir schon zeitweise spannende Momente.“ Anstrengend ist auf einem nur sechs Meter langem Boot vor allem die Arbeit mit dem Computer und Technik. „Hier liegt die größte Unsicherheit. Wir wissen weder wie sich die Geräte bewähren, noch ob es gelingt, die Daten vor Ort einwandfrei auszuwerten“, ergänzt der Forscher. Bei diesem Teil der Expedition testet er in erster Linie die technischen Anlagen und justiert sie.

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Das dreiköpfige tschechische Team wurde in der ersten Phase durch einen französischen Partner verstärkt, später kommen noch zwei weitere Kollegen zwecks technischer Unterstützung dazu. Zu den wichtigsten Instrumenten an Bord zählen zwei Sonare, darunter ein spezielles Wrackortungsgerät, die bereits in vergleichbaren Tiefen eingesetzt wurden und ein Magnetometer. „Mein Kollege Martin Suchomel baute eigens ein Magnetometer um, mit dem man jetzt alle sechs Sekunden Sequenzmessungen vornehmen kann“, erklärt Rous. „Ich verwende die Manometer seit vielen Jahren für geologische Untersuchungen, also gewisse Erfahrungen habe ich da schon. Trotzdem ist es noch fraglich, ob man damit auch am Meeresboden brauchbare Resultate erzielen kann." Zudem nehmen an der Expedition der Dokumentarist Aleš Vašíček und ein weiterer Experte teil, der mit der Kommunikation mit ausländischen Institutionen vertraut ist. Je nach Bedarf werden auch Taucher mit entsprechender Genehmigung hinzugezogen.

U-Boot ist ein Kriegsgrab

Wirklich zu den Anomalien taucht die Expedition erst in der dritten, der finalen Phase. „Selbst wenn wir schon beim ersten Mal, was kaum realistisch wäre, auf das U-Boot stoßen sollten, so dürfen wir es nicht einmal berühren“, betont Rous. "Wir sind dazu verpflichtet, die französischen und deutschen Ämter und Institutionen davon in Kenntnis zu setzen. Immerhin handelt es sich hier um ein Kriegsgrab, das wir lediglich identifizieren dürfen.“

U-206 Reichenberg
U-206 Reichenberg © Archiv: Ivan Rous

Bevor die Expedition gestartet ist, wurden Archive in Deutschland, Frankreich und Großbritannien nach Hinweisen durchforstet. „Daraus entwickelte sich unsere Hypothese, dass das U-206 Reichenberg beim Kriegseinsatz versenkt wurde", so Rous. "Das möchten wir jetzt verifizieren, zudem auch die britische Marine, unabhängig von unserer eigenen Forschung, zum gleichen Ergebnis kam.

Das U-Boot U-206 der deutschen Kriegsmarine wurde mit Unterstützung der Stadt Reichenberg (Liberec), die auch Pate stand, in der Kieler Germaniawerft von der Firma Krupp gebaut. Der Oberleutnant zur See, Herbert Opitz, stellte das U-Boot am 17. Mai 1941 in Dienst. Dem feierlichen Akt wohnte die Delegation der Stadt Reichenberg bei, angeführt von Oberbürgermeister Eduard Rohn, der dem Kommandanten das Reichenberger Stadtwappen überreichte. Nach einigen Einsätzen lief das U-Boot am 29. November 1941 von St. Nazaire an der französischen Atlantikküste aus, um ins Mittelmeer vorzudringen. Ab da an verliert sich seine Spur.

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