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Oberkörperfrei zum Jeschken

Liberecer haben während der Corona-Pandemie ein neues Hobby gefunden: sich körperlich abhärten. Das geht zu Wasser, an der Luft oder im Schnee.

Nur spärlich bekleidet wandern Männer und Frauen auf die Berge um Liberec.
Nur spärlich bekleidet wandern Männer und Frauen auf die Berge um Liberec. © Jirí Zuzánek

Die Skilifte, Saunas und Bäder sind in Tschechien nach wie vor zu. Menschen aus der Region Liberec (Reichenberg) haben aber schon eine Alternative gefunden, wie sie während der Corona-Pandemie entspannen können. Sie tun etwas, was in Skandinavien schon seit jeher fast als Volkssport gilt: sich körperlich abhärten.

"Heute packen wir schon zum ersten Mal den Badeanzug aus!", schreibt stolz Jitka Šarochová aus Liberec bei Facebook. Nur im Badeanzug bekleidet läuft sie mit den beiden Töchtern (5 und 9 Jahre alt) durch den Pulverschnee in ihrem Garten. Ab Oktober gehen sie auch regelmäßig schwimmen. Weitere Anhänger der körperlichen Abhärtung treffen sich sonntags im Liberecer Waldbad, je nach Lust und Laune auch an der Talsperre in Liberec oder Jablonec (Gablonz), in den Bächen des Isergebirges, an den Wasserfällen bei Oldřichov (Buschullersdorf) oder bei der Iser.

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Die entsprechende Liberecer Facebook-Gruppe (Otužování Liberec) zählt bereits mehr als 420 Mitglieder, eine kleinere gibt es auch in Jablonec. Männer, Frauen, aber auch Familien, jung wie alt, frönen diesem neuen Hobby.

In kurzer Hose auf die Schneekoppe

Eine Abkühlung bieten nicht nur Wasser und Schnee, sondern auch die aktuellen Temperaturen. Nur spärlich bekleidet, mit kurzer Hose und manchmal auch barfüßig, begeben sich die Tschechen auf Wanderschaft: Im Dezember auf den Jeschken (Ještěd), im Januar auf die Tafelfichte (Smrk) oder Schwarzbrunn (Černá Studnice), aber auch auf die Schneekoppe (Sněžka). Die Verabredung, zum Beispiel zum Baden im Mondschein oder zu einer Schneeballschlacht, erfolgt durch die sozialen Netzwerke.

"Den ersten Ausflug auf den Jeschken machten wir zu fünft, das nächste Mal waren wir schon zehn und zuletzt wanderte schon eine ganze Truppe mit", sagt Jiří Zuzánek. Vor drei Jahren gründete er mit seiner Freundin die Facebook-Gruppe. Doch ein echtes Interesse kam erst in den letzten Monaten auf - dank der Pandemie. Seiner Meinung nach suchen die Menschen nicht nur nach Ersatzaktivitäten. Von der körperlichen Abhärtung erwarten sie auch eine Stärkung ihres Immunsystems.

"Allerdings sollte man sich nicht dazu zwingen, es muss einfach Spaß machen", sagt Jiří Zuzánek. Was 2015 mit kalten Duschen begann, setzt er nun mit Winterwanderungen in minimalistischer Kleidung fort. Nach seinem Vorbild, dem Niederländer Wim Hof, bestieg der Liberecer nur leicht bekleidet die Schneekoppe. Seit er sich an die Kälte gewöhnt hat, kommt er auch mit der Hitze viel besser zurecht.

Ein Bild von der Winterwanderung zum Jeschken und Schwarzbrunn.
Ein Bild von der Winterwanderung zum Jeschken und Schwarzbrunn. © Jirí Zuzánek

Mancher genießt das Schwimmen im eisigen Wasser, obwohl er eine kalte Dusche scheut. Es gibt Menschen, die einen festen Boden unter den Füßen und die Stufen eines Schwimmbeckens in Reichweite brauchen, andere treibt es in die freie Natur. Einige suchen nur kurze Abkühlung und bleiben im Wasser knapp eine Minute, andere wollen wiederum richtig schwimmen, Wettkampf inklusive. Manche tragen dabei eine warme Haube oder Handschuhe und Socken aus Neopren.

Um im Winter in ein Eisloch zu tauchen, bedarf es keinerlei Ausrüstung. "Anfangs ist es etwas gewöhnungsbedürftig und vielleicht nicht gar so angenehm, aber ganz einfach und keineswegs unnatürlich", meint Aleš aus Liberec. Die Ausübung sei so mannigfaltig wie die persönlichen Vorlieben.

Ein Plädoyer für "coolness"

Der Naturheiler Sebastian Kneipp erkannte schon im 19. Jahrhundert die positiven Auswirkungen der körperlichen Abhärtung. Nicht nur das Immunsystem, sondern auch Kreislauf, Herzfunktion und Stoffwechsel werden dadurch angeregt und gestärkt. Und nicht zu vergessen: bei gezielter Abhärtung wird ebenfalls eine starke Willenskraft entwickelt, ein wesentlicher Faktor für das psychische Wohlbefinden.

Man sollte sich vorher einem Gesundheitscheck unterziehen, bei etwaigen Herzproblemen und hohem Blutdruck ist auf jeden Fall der Hausarzt zu konsultieren. Es empfiehlt sich, im Sommer mit kalten Duschen zu starten und später, beim Kaltwetter, die warme Kleidung Schicht für Schicht abzulegen. Dabei ist keine Eile geboten. Man muss nur lernen, die Kälte zu genießen. Für den Anfang reicht ein Aufenthalt an der frischen Luft. Was man zwei bis drei Wochen konsequent durchzieht, wird zur Gewohnheit. Und gerade eine Routine ist sehr hilfreich.

Bei Wassertemperaturen unter 4 Grad Celsius sollte die Schwimmdauer auf rund 20 Minuten begrenzt werden. Das gilt allerdings nur für trainierte Sportler. "Wenn wir im Eisloch der Jablonecer Talsperre baden, dann nicht länger als fünf Minuten“, sagt Jan Kostelník, der Langstreckenschwimmer und Mitglied der Sportklubsektion Winterschwimmen bei TJ Bižuterie Jablonec nad Nisou (Turnverein Bijouterie Gablonz an der Neiße) ist.

Die nächsten Termine:

  • 7. Februar Tafelfichte (Smrk) Ice Ice Baby – 11 bis 15 Uhr
  • 13. Februar – Wanderung zur Schneekoppe (Sněžka)

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